Matthias Sammer gibt Julian Nagelsmann Ratschläge vor WM-Qualifikationsspielen
Frankfurt – Vor den entscheidenden Partien in der WM-Qualifikation steht Bundestrainer Julian Nagelsmann unter besonderer Beobachtung. Die Diskussionen über seine Kadernominierungen sind intensiv. Inmitten dieser Debatte meldet sich Matthias Sammer, ehemaliger DFB-Sportdirektor und Ballon-d'Or-Gewinner, zu Wort. Er appelliert an Nagelsmann: weniger Aktionismus und mehr Ruhe.
Sammer, der selbst als junger Trainer bei Borussia Dortmund Erfahrungen sammelte, sieht Parallelen zu Nagelsmanns aktueller Situation. „Julian ist noch ein junger Trainer – und junge Trainer neigen in bestimmten Phasen dazu, wenn sie etwas bewegen wollen, Reizpunkte zu setzen“, betont er in der Sky-Sendung „Sammer & Basile – der Hagedorn-Talk“.
Besonders für einen Bundestrainer, dessen Entscheidungen im Rampenlicht stehen, sei es laut Sammer wichtig, manche Dinge ruhiger anzugehen „und auf manche gar nicht zu reagieren“. Jedes Mal, wenn Nagelsmann einen Spieler nominiert oder nicht nominiert, wird darüber diskutiert. Sammer fordert, dass sich der Bundestrainer nicht von diesen Diskussionen ablenken lassen sollte.
„Er hat auch wieder gesagt: Die reden alle darüber und darüber. Entschuldigung – das ist sein Los. Also reagiere da gar nicht drauf, treffe in Ruhe deine Entscheidung, stabilisiere diese Mannschaft“, mahnt Sammer. Er sieht, dass Nagelsmann in dieser Hinsicht noch Verbesserungspotenzial hat, was laut Sammer seinem Alter geschuldet ist – Nagelsmann übernahm den DFB-Job mit 36 Jahren und ist damit der zweitjüngste Bundestrainer aller Zeiten.
„Ein junger Trainer will im Prinzip in der nächsten Sekunde eine Lösung. Ein älterer Trainer bleibt ruhig, gelassen, klar – und arbeitet sehr viel über Vertrauen“, ergänzt Sammer. Daher rät er Nagelsmann, „vielleicht ein bisschen altersmäßig“ zu denken. Vor den letzten WM-Qualifikationsspielen des Jahres gegen Luxemburg (14. November) und die Slowakei (17. November) ist Deutschland noch immer nicht sicher für das Turnier qualifiziert.
Besonders in den Länderspielen im September enttäuschte das DFB-Team, einschließlich einer 0:2-Pleite gegen die Slowakei. Angesichts der WM in den USA, Kanada und Mexiko – sofern Deutschland dabei ist – sieht Sammer keine Zeit mehr für Experimente; es braucht Stabilität. „Und ich würde ihm nur raten: Die schaffst du nicht, wenn du ständig Reizpunkte setzt“, richtet der Europameister von 1996 einen klaren Appell an den DFB-Coach.