Messi im Fokus: Finale der Fußball-Weltmeisterschaft 2023
Wenn Lionel Messi bei seiner sechsten Weltmeisterschaft die Titelverteidigung gegen Spanien gelingt, könnte er sogar im Schatten des Nationalheiligen Diego Maradona strahlen.
In New York zieht Messi die Aufmerksamkeit aller auf sich. Ob Fußballfan oder nicht, niemand kommt am Times Square an seinem Konterfei vorbei, das ständig blinkt. Seine herausragenden Leistungen und die geschickte Vermarktung haben die 23. Auflage dieser Fußball-Weltmeisterschaft geprägt.
Im Finale zwischen Spanien und Argentinien, das am Sonntag um 21 Uhr MESZ im New York New Jersey Stadium stattfindet, steht die zentrale Frage im Raum: Wird Messi erneut den Goldpokal in Empfang nehmen? Mit 39 Jahren könnte er schaffen, was Diego Armando Maradona 1990 im WM-Finale gegen Deutschland verwehrt blieb: die Titelverteidigung. Zum historischen Kontext: Der letzte Rekordweltmeister Brasilien schaffte dies 1962 in Chile, als der große Pelé früh verletzt ausfiel.
Es wäre wünschenswert, wenn Donald Trump und Gianni Infantino schnell die Bühne räumen würden, um Messis Aura und Verehrung nicht zu überschatten. Der Argentinier bringt die Menschen einfach zum Strahlen.
Messis beeindruckende Leistung in diesem Turnier umfasst nicht nur acht Tore und vier Vorlagen, sondern auch seine spielerische Leichtigkeit. Die Nummer zehn schafft es, mit minimalem Aufwand maximale Effektivität zu erzielen. Sein leidenschaftliches Spiel für sein Land ist bemerkenswert, besonders in Anbetracht der Herausforderungen, die er in der Vergangenheit bewältigen musste.
Diejenigen, die ihn in Atlanta jubeln und lachen sahen, konnten sich nur vor ihm verneigen, unabhängig davon, ob sie die robuste Spielweise der "Albiceleste" mögen oder nicht. Messi macht den himmelblauen Unterschied und lässt die Fans alles andere vergessen.
Nun steht der Europameister auf der anderen Seite. „Es ist eine enorme Auswahl. Ich kenne ihre Philosophie seit Jahren“, äußerte Messi anerkennend. In seinem 207. Länderspiel trifft er auf eine Nation, die ihn stark geprägt hat, sodass er zeitweise vorgeworfen bekam, kein echter Argentinier mehr zu sein. Doch der kleine Leo spielte einst mit seinen Brüdern auf einer Betonplatte vor dem Haus seiner Großmutter in Rosario.
Trotz seiner frühen fußballerischen Ausbildung in der Familie wäre Messi ohne die Ausbildung an „La Masia“, der berühmten Fußballschule des FC Barcelona, nicht zum „größten Fußballer“ aller Zeiten aufgestiegen. Seine Eltern waren mit ihm und seinen Geschwistern während der argentinischen Wirtschaftskrise nach Barcelona ausgewandert, um seine Wachstumsstörungen behandeln zu lassen und um Fußball zu spielen. Rückblickend ist es unvorstellbar, was daraus entstanden ist.
Die Vorstellung, dass Lamine Yamal, den Messi vor 19 Jahren zufällig bei einem Fotoshooting mit seiner Mutter als Baby in einer Wanne badete, eine ähnliche Karriere macht, erscheint so unwahrscheinlich wie ein autofreier Sonntag in Manhattan. Es ist kaum zu fassen, dass es in East Rutherford zu diesem direkten Duell kommt.
Messi deutete an, dass er für die WM 2026 wohl zu alt sein wird, nachdem er am 18. Dezember 2022 den goldenen Segen bei der Weltmeisterschaft in Katar empfangen hatte. Dies geschah unter dem Blick des Emirs Tamim bin Hamad Al Thani.
Zu diesem Zeitpunkt spielte Argentiniens Kapitän beim aus Katar finanzierten Hauptstadtklub Paris St. Germain, und sein Glanz sollte auch im arabischen Raum strahlen. Seit seinem Wechsel vor drei Jahren zu Inter Miami ist Messi auch in Nordamerika omnipräsent. Über die Videowände flimmern ständig Werbespots für Konsumgüter, die teilweise die ungesunde Lebensweise vieler Amerikaner erklären.
Obwohl Messi immer noch in Topform ist, nagt der Zahn der Zeit an ihm. Er hat jedoch einen Weg gefunden, mit den Kräften zu haushalten, möglicherweise auch aufgrund der anstrengenden Reisen in der Major League Soccer (MLS). Datenportale zeigen, dass er 25 Prozent der Spielzeit nur herumsteht und 63 Prozent der Zeit spazieren geht. Die restlichen zwölf Prozent verteilen sich auf Joggen und Laufen. Gesprintet wird nur in absoluten Ausnahmefällen.
Er beobachtet das Spiel genau und erkennt die Lücken, in die ein Pass, eine Flanke oder ein Schuss alles verändern kann. „Es kommt nicht darauf an, sich viel zu bewegen, sondern sich zu bewegen, wenn es darauf ankommt“, schrieb die „Zeit“, die ihn den „gefährlichsten Spaziergänger der Welt“ nannte – eine treffende Beschreibung für sein Genie.
Messi war nie ein Dauerläufer. Selbst in seiner besten Zeit beim FC Barcelona bemerkte sein Trainer Pep Guardiola: „Es wirkt, als würde er einfach nur gemütlich über den Platz traben. Vielleicht läuft niemand in der spanischen Liga weniger als er. Doch sobald der Ball bei ihm ist, hat er den kompletten Überblick.“
Als sich die englische Defensive im Halbfinale immer weiter zurückzog, bewegte sich der achtmalige Weltfußballer vermehrt in den rechten Halbraum. Die „Three Lions“ ließen seine Zuspiele und Flanken zu und verloren nach zwei Torvorlagen von Messi. Doch wird „La Furia Roja“ diesen Fehler auch begehen?
Insbesondere Rodri und Fabian, die beiden überragenden Mittelfeldspieler, werden einen Plan haben, um Messi aus dem Spiel zu nehmen. Die zentrale Frage wird sein, wer den Kampf der Fußballkulturen gewinnt. Alles hängt von Lionel Messi ab. Und alle Augen sind auf ihn gerichtet.