Michael Olise: Ein Talent beim FC Bayern mit Potenzial und Herausforderungen
München – Michael Olise begeistert die Bundesliga. Mit seiner Technik, Spielintelligenz und Kaltschnäuzigkeit zählt der Franzose derzeit zu den spektakulärsten Fußballern Europas. Trotz seiner beeindruckenden Leistungen sollte der FC Bayern jedoch auf erste Warnsignale achten. Olise ist nicht nur brillant, sondern zeigt auch gelegentlich Anzeichen von Überheblichkeit.
Der 23-Jährige verkörpert die neue Spielfreude des FC Bayern unter Trainer Vincent Kompany. Mit zwölf Scorerpunkten in Pflichtspielen und zahlreichen zauberhaften Aktionen spielt Olise, als wäre er auf dem Platz unantastbar. Doch genau hierin liegt eine gewisse Gefahr, wie das Portal 90min analysiert. Seine Coolness, die ihn so besonders macht, kann in entscheidenden Momenten riskant sein. Olise neigt dazu, Situationen unnötig zu verkomplizieren, in denen ein einfacher Pass oder ein direkter Abschluss die bessere Wahl wäre.
Wer Olise beobachtet, erkennt schnell, dass er den eleganten Moment liebt. In bestimmten Szenen wirkt seine Spielfreude jedoch fast wie ein Spiel mit dem Feuer. Statt den schnellen Abschluss zu suchen, entscheidet er sich manchmal für eine Finte oder einen Trick zu viel. Dies mag auf den Rängen für Begeisterung sorgen, raubt der Mannschaft jedoch gelegentlich den Rhythmus.
Sein Selbstbewusstsein, das für viele der Schlüssel zu seinem Erfolg ist, kann in solchen Momenten auch als Leichtfertigkeit angesehen werden. Französische Medien beschrieben seinen Auftritt in der Nationalmannschaft zuletzt als „nonchalant“, also etwas zu lässig. Dennoch kann man ihm Einsatz und Leidenschaft nicht absprechen. Das zeigte Olise eindrucksvoll beim 2:0 gegen Borussia Dortmund, als er seinen Treffer per Grätsche erzielte – ein Sinnbild für einen Spieler, der alles geben will. Doch die Mischung aus Kampfgeist und spielerischer Arroganz ist ein schmaler Grat.
Olises komplexe Persönlichkeit zeigt sich auch in seiner Vergangenheit. Laut kicker galt er in jungen Jahren als schwieriger Typ, der im Chelsea-Internat und später bei Manchester City wegen Streitigkeiten auffiel. Er wurde mehrmals aussortiert, bevor er über Umwege den Durchbruch schaffte. Seitdem hat er sich sowohl sportlich als auch charakterlich stabilisiert und beim FC Bayern den nächsten Schritt gemacht.
Interviews gibt Olise nur selten, meist kurz und distanziert. Während einige seine Wortkargheit als „cool“ deuten, sehen andere darin eine Form von Schutz – einen Versuch, Angriffsfläche zu vermeiden. Hinter der Fassade steckt offenbar ein sensibler Charakter, der gelernt hat, mit öffentlichem Druck umzugehen.
Olise ist jung, brillant und steht im Rampenlicht. Mit jedem Spiel wächst seine Strahlkraft, aber auch die Gefahr, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Der FC Bayern muss darauf achten, dass der 23-Jährige den Fokus behält und sich nicht zu sehr auf seine Genialität verlässt. Wie Karl-Heinz Rummenigge einst über Jérôme Boateng sagte: „Man muss auch mal back to earth kommen.“ Momentan steht Olise noch fest auf dem Boden, doch seine Fersen beginnen leicht abzuheben.
Wenn der FC Bayern es schafft, diesen Balanceakt zu begleiten, ohne Olise in seiner Kreativität einzuschränken, könnte der Franzose nicht nur ein Ausnahmefußballer bleiben, sondern auch ein Spieler, der die Bundesliga-Ära des FC Bayern prägt, ähnlich wie einst Ribéry oder Robben. (Dieser Artikel entstand in Kooperation mit FCBinside.de)