Nach Niederlage gegen Bayern: Kovač kritisiert Schiedsrichter
Nach der Niederlage gegen den FC Bayern München muss sich Borussia Dortmund an die eigene Nase fassen. Trainer Niko Kovač äußerte jedoch auch Kritik an der Schiedsrichterleistung.
In München musste der BVB am Samstagabend die erste Bundesliga-Niederlage seit Mitte März hinnehmen. Das 1:2 im „Klassiker“ gegen Bayern war geprägt von einem passiven Auftreten des BVB, der Glück hatte, dass der Rückstand über lange Zeit nur ein Tor betrug. Neben der fehlenden Aggressivität in der ersten Halbzeit machte Kovač auch die Schiedsrichterentscheidung als entscheidenden Faktor aus.
Der sonst ruhige BVB-Coach sah sich in der zweiten Halbzeit mit einer Gelben Karte von Schiedsrichter Bastian Dankert konfrontiert, als er sich über eine Zweikampfbewertung ärgerte. „Ich habe ihm gesagt, die Gelbe Karte ist in Ordnung. Meine erste Halbzeit war nicht gut, aber auch sein gesamtes Spiel war nicht überzeugend“, sagte Kovač in einem Interview mit Sky.
„Ich respektiere ihn und wir arbeiten zusammen. Doch ich muss auch sagen dürfen, dass wir viele Gelbe Karten bekommen haben. Harry Kane ist ein herausragender Spieler, aber die Fouls, die er heute gepfiffen bekommen hat, würden in England nicht einmal zu 20 Prozent gepfiffen werden“, fügte Kovač hinzu. Tatsächlich gab es keine Verwarnung für einen Dortmunder Spieler, die auf einen Pfiff zugunsten von Kane zurückzuführen war.
Kane war jedoch in der entscheidenden Aktion beteiligt, die Kovač am meisten ärgerte: Vor seinem Kopfballtreffer zum 1:0 schob der Engländer seinen Gegenspieler Serhou Guirassy im Luftzweikampf mit beiden Händen. Ob dies für ein Offensivfoul ausreicht, ist umstritten.
TV-Experte Lothar Matthäus sprach sich während und nach dem Spiel vehement für einen Pfiff aus. Bayerns Joshua Kimmich reagierte darauf mit einem Lachen: „Wenn wir das so handhaben, müssten wir bei Standards im Sechzehner viele Fouls pfeifen. Der Lothar kann gerne mal wieder mit in den Sechzehner kommen, um zu kämpfen.“ Nach dem Spiel bezeichnete Schiedsrichter Dankert die Situation als „handelsüblichen“ Zweikampf.
Kovač ging es bei seiner Kritik nicht nur um die eine Szene, sondern um die allgemeine Schiedsrichterleistung: „Bastian Dankert hat heute so gepfiffen, dass er auch diese Szene hätte abpfeifen müssen. Er war sehr kleinlich und hat alles zerpfiffen. Für mich war das eine klare Fehlentscheidung.“
Diese Argumentation kann nachvollzogen werden. Der BVB sollte es sich jedoch nicht zu leicht machen und die Niederlage allein darauf schieben. Die Dominanz der Bayern in der ersten Halbzeit hätte das Spiel bereits entscheiden können, unabhängig von der Entstehung des Führungstreffers. Auch Kovač stellte fest, dass die erste Halbzeit schlichtweg nicht gut genug war.
Der BVB wird diese Niederlage aufarbeiten müssen, hat jedoch kaum Zeit dafür: Bereits am Dienstag geht es in der Champions League gegen den FC Kopenhagen um Punkte. Kovač erwartet zudem eine Reaktion vom DFB. Nachdem er die Leistung von Dankert als „nicht gut, zu kleinlich, schlecht“ bezeichnete, ahnte er: „Jetzt bekomme ich Ärger, aber ich muss es mal sagen.“
Für öffentliche Kritik an Schiedsrichtern wurden Bundesliga-Trainer bereits mit Geldstrafen belegt. Dankert hingegen hatte kein Problem mit den Aussagen des BVB-Trainers: „Er kann seine Meinung äußern, das ist ganz normal. Ich akzeptiere, was er sagt. Das war alles im Rahmen.“ Ob der DFB dies ebenfalls so sieht, bleibt abzuwarten.