Nadiem Amiri: Rückkehr zur Nationalmannschaft und WM-Pläne

Nadiem Amiri: Rückkehr zur Nationalmannschaft und WM-Pläne

Nadiem Amiri von Mainz 05 spricht über seinen Werdegang unter Trainer Julian Nagelsmann, seine Pläne für die kommende Weltmeisterschaft und seine Zukunft im Fußball.

Im letzten Testspiel auf deutschem Boden am Sonntag gegen Finnland (20:45 Uhr/ZDF) wird Nadiem Amiri in der ausverkauften Mainzer Arena eine zentrale Rolle spielen. Seit zweieinhalb Jahren ist er beim FSV Mainz 05 und hat nach fünfeinhalb Jahren Pause den Weg zurück in die Nationalmannschaft gefunden. Nach dem Morgentraining erzählt er im Herzogenauracher Mediencampus seine Geschichte.

„In Mainz habe ich viel über Verantwortung und Führungsstärke gelernt. Es war eine großartige Erfahrung, auch mal gegen den Strom zu schwimmen und nicht immer im Rampenlicht zu stehen“, erklärt der 29-Jährige. Am 20. Juni wird er bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Toronto gegen den Afrikameister Elfenbeinküste ein besonderes Spiel erleben. „Meine gesamte Familie kommt: meine Oma, Cousins, alle. Denn meine Familie mütterlicherseits lebt in Toronto.“

Amiris Eltern flohen in den 1980er Jahren aus Afghanistan nach Deutschland. „Ich komme aus Ludwigshafen und habe auf dem Bolzplatz mit dem Kicken begonnen. Ich habe hart gearbeitet, mir Selbstvertrauen erkämpft und verstecke mich vor niemandem. Jede Minute, die ich spielen kann, werde ich schätzen.“

Seine ersten Erfahrungen mit Bundestrainer Julian Nagelsmann hat er in der Jugend gesammelt. „Ich erinnere mich an ein Spiel, in dem wir mit Waldhof in Hoffenheim 3:0 gewonnen haben. Danach wurde es in der Kabine von Hoffenheim sehr laut.“ Kurz darauf wurde Amiri von Alex Rosen, dem damaligen Sportchef von Hoffenheim, beobachtet. „Ich war 14 und wusste, dass er kommt. Nach zehn Minuten war er jedoch schon wieder gegangen. Ich dachte, ich hätte etwas falsch gemacht. Später erzählte er mir, dass ihm zehn Minuten ausgereicht hätten.“

Dank Nagelsmann startete Amiri durch: „Er ist ein Trainer, der uns Spieler mental fordert und motiviert. Für so einen Trainer geht man durch Feuer.“ Unter Nagelsmann gewann Amiri 2014 die deutsche Meisterschaft der A-Junioren und spielte danach noch mehrere Jahre in der Profimannschaft von TSG Hoffenheim, bevor er zu Bayer Leverkusen wechselte. „Dort fühlte ich mich am Ende ungerecht behandelt. Ich wollte wieder glücklich sein, und Mainz war dafür der richtige Ort.“

Bei Bayer erhielt er Unterstützung von einer Mentaltrainerin, die ihm half, aus einer schwierigen Phase herauszukommen. „Sie hat mir gesagt, dass ein einziger Moment entscheidend sein kann. Diese Chance möchte ich auch bei der WM nutzen.“ In Mainz hat er es geschafft, und auch im DFB-Team konnte er bereits mit einem entscheidenden Tor in der Qualifikation gegen Nordirland auf sich aufmerksam machen.

Nagelsmann erinnert sich gerne an die frühen Jahre mit Amiri: „Er war ein kleiner, verrückter Mittelfeldspieler, der alles gegeben hat und jeden auf dem Feld angefeuert hat, egal aus welchem Team.“ Laut Nagelsmann ist Amiris Rolle im WM-Kader bereits besprochen: „Ab der 70. Minute kann er mit seiner positiven Energie noch etwas bewirken. Er ist für die Gegner extrem unangenehm.“

Allerdings musste Amiri zwischen Ende Februar aufgrund einer hartnäckigen Fersenverletzung pausieren. „So hart habe ich noch nie gearbeitet. Ich habe dem Athletiktrainer in Mainz gesagt, dass er mich quälen soll. Die Jungs kamen regelmäßig ins Fitnessstudio und haben mich ausgelacht, weil ich so früh und lange dort war.“ Die WM sei „die größte Motivation“ gewesen, und er hat es geschafft.

Am vergangenen Donnerstag, nur wenige Stunden vor der öffentlichen Kadernominierung, erhielt Amiri den Anruf vom Bundestrainer. Nagelsmann beschrieb später, dass der Spieler emotional berührt war. Amiri selbst sagt: „Ich bin nicht ausgerastet am Telefon, aber der Anruf kam spät, und wegen der Verletzung hatte ich manchmal Zweifel. Am Mittwochabend hatte ich ein mulmiges Gefühl.“ Am Donnerstag erfuhr er jedoch, dass „meine Frau und meine Familie schon seit Montag Bescheid wussten“. An diesem Tag wurde auf Initiative des DFB ein emotionales Video produziert, das die Nominierung jedes Spielers über die sozialen Netzwerke bekannt gab. „Ich wusste davon gar nichts, sonst wäre ich entspannter gewesen.“

Vor drei Wochen sorgte Nadiem Amiri für Schlagzeilen, als er nach dem Klassenerhalt mit Mainz 05 seine Zukunft offenließ. Dabei bleibt es: „Ich habe einen Vertrag bis 2028, aber ich weiß nicht, ob ich bleibe. Ich habe eine Top-Saison gespielt. Wenn sich die Möglichkeit ergibt, die für mich sinnvoll ist, werde ich das dem Verein mitteilen. Wenn ein größerer Verein kommt, wird Mainz mir sicher keine Steine in den Weg legen. Dann werden wir eine Einigung finden.“ Und wenn nicht? „Wenn ich bleibe, bin ich immer noch glücklich. Wir hatten eine großartige Zeit zusammen.“ Zunächst möchte er jedoch bei der Weltmeisterschaft glänzen und die große Bühne nutzen.

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