Neuausrichtung des DFB nach WM-Aus 2026
Nach dem frühen Ausscheiden bei der WM 2026 steht der DFB vor der Notwendigkeit eines grundlegenden Wandels. Hier ist eine Analyse darüber, was im deutschen Fußball bereits geschehen ist und was in naher Zukunft ansteht.
Traditionell werden nach misslungenen Turnieren wie der WM 2026 zahlreiche ehemalige Nationalspieler befragt. Zu den Stimmen gehören unter anderem Mertesacker, Kramer, Schweinsteiger, Hummels, Bierhoff, Kahn, Ballack, Thon, Buchwald, Kohler und Andi Möller. Die zentrale Botschaft lautet, dass die Aufarbeitung des Scheiterns nicht ausschließlich auf den Bundestrainer fokussiert werden darf, dessen Rücktritt beim DFB unmittelbar bevorsteht.
Eine umfassendere Analyse ist notwendig, da neben dem Trainer auch die Spieler, die das Ergebnis des deutschen Talentförderungssystems repräsentieren, in der Verantwortung stehen. Daher wird gefordert, die Strukturen des Fußballs auf den Prüfstand zu stellen.
In der Tat hat dieser Prozess bereits begonnen: Oliver Bierhoff wies bereits 2017 beim DFB-Bundestag in einer eindringlichen Rede darauf hin, dass der deutsche Fußball auf eine Mauer zusteuert, wenn er weiterhin lethargisch verharrt. Allerdings konnten seine kostspieligen Reformbestrebungen, die als Goldstandard im „Projekt Zukunft“ zusammengefasst wurden, nicht vollständig umgesetzt werden.
Dennoch mündete die Initiative in tiefgreifende Änderungen in der Ausbildung, deren Auswirkungen jedoch erst in einigen Jahren sichtbar werden. Ob diese positiv sein werden, bleibt abzuwarten. Es wurden bereits bedeutende Schritte unternommen: 2024 wurden die Junioren-Bundesligen abgeschafft und durch neue U19- und U17-DFB-Nachwuchsligen ersetzt. Ziel ist es, kürzere Anfahrtswege durch regionalere Gruppen zu schaffen, eine bessere individuelle fußballerische Ausbildung zu gewährleisten und die Angst vor dem Abstieg zu verringern.
Gleichzeitig hat der DFB die „Trainingsphilosophie Deutschland“ eingeführt, um mehr Ballkontakte und Freude im Kinder- und Jugendfußball zu fördern, indem altersgerechte kleinere Spielfelder genutzt werden. Die Umsetzung dieser Ideen gestaltet sich jedoch oft als herausfordernd in strukturerhaltenden Vereinsumfeldern. Obwohl die Vorschläge sinnvoll sind, können sie ehrenamtliche Trainer manchmal überfordern.
Ab diesem Spätsommer startet die freiwillige „Bundesliga Talent Series“, an der elf Erstligisten und 15 Zweitligisten teilnehmen, um Spielern von U17 bis U23 mehr Einsatzzeiten zu ermöglichen. Erschreckend ist, dass 33 der 36 deutschen Lizenzklubs mindestens 18 Spieler bis 22 Jahren in den Kadern der U17, U19, U21 und Profis haben, die weniger als 450 Minuten pro Saison spielen, also weniger als fünf volle Spiele im gesamten Jahr absolvieren. Der Rest bleibt auf der Bank oder der Tribüne und somit wird Talent leichtfertig verschwendet.
Auch innerhalb des Verbands wurden bereits Strukturen aufgebrochen und Personal ausgetauscht. Supermanager Bierhoff musste nach dem WM-Aus 2022 sofort gehen, und im September 2023 folgte Andreas Rettig, der nach dem EM-Vorrunden-Aus 2000 die zunächst erfolgreichen Nachwuchsleistungszentren für jeden Klub als notwendig erachtete. Unter Geschäftsführer Rettig arbeiten Rudi Völler und Nia Künzer als sportliche Verantwortliche, und die Zusammenarbeit mit der Bundesliga wurde intensiviert.
Es ist nicht ausgeschlossen, dass Völler sich bald zurückzieht. Ein Anlass, wie 2004 von Jürgen Klinsmann gefordert, „jeden Stein umzudrehen“, gibt es trotz des WM-Debakels nicht. Dennoch sollte der DFB dringend mit Per Mertesacker über eine Verpflichtung sprechen, nachdem dieser als Nachwuchschef beim FC Arsenal zurückgetreten ist.