Neue WM-Euphorie für die deutsche Nationalmannschaft in Toronto
Die deutsche Nationalmannschaft hat mit ihrem 2:1-Sieg gegen die Elfenbeinküste eine neue WM-Euphorie entfacht. Auch in Toronto sorgen die deutschen Fans für Aufsehen.
In Toronto wohnte die deutsche Mannschaft im Stadtzentrum, umgeben von Hochhäusern. Julian Nagelsmann bemerkte beim Blick aus dem Hotelfenster: „Hier sind viele deutsche Trikots. Ich war überrascht. Das gibt uns Kraft.“ Später äußerte er: „Das Stadion hat gebrannt.“
Nach dem WM-Gewinn 2014 gab es nur wenige Turniere, die für deutsche Fans ein Fest waren. Die EM 2016 in Frankreich wurde von Ausschreitungen überschattet, an denen auch eine kleine rechte Szene aus Deutschland beteiligt war. Die WM 2018 in Russland war kein typisches Ziel für Fans, die EM 2021 litt unter Corona-Einschränkungen, und die WM 2022 in Katar schuf eine Art Reiseschuld. Nur wenige Deutsche, die sich trauten, reisten für ein paar Tage an, um ein dichtes Programm an Spielen zu erleben – oft nicht einmal deutsche Spiele, da es davon nicht viele gab. Die bevorstehende Heim-EM 2024 wird daher ein unbeschwertes Erlebnis nach Jahren sein.
Die Richtung, in die es 2026 gehen wird, ist noch ungewiss. Am Samstag spielte die deutsche Mannschaft in Toronto, Kanada, im freundlichen Teil der WM – bei einem Freund Europas. Allerdings gelten auch hier die hohen Ticketpreise der FIFA. Kanada ist keineswegs die günstigere Option, um das Turnier zu erleben. Dennoch zählte die Polizei 12.000 Teilnehmer am deutschen Fanmarsch zum Stadion. „Das finde ich immer total cool“, sagte Julian Nagelsmann, „das ist für die Mannschaft ein emotionaler Push.“
Das nächste Spiel der deutschen Mannschaft findet am Donnerstag in New York statt. Wie groß der Zuspruch sein wird, bleibt abzuwarten. Mit dem „German House of Soccer“ versucht der DFB, seinen Anhängern einen zusätzlichen Anreiz zu bieten. In den kommenden Tagen werden dort Jürgen Klinsmann und Mario Götze zu Gast sein. Allerdings stehen auch das Transportchaos nach East Rutherford und die hohen Preise im Raum.
Die Mannschaft unterstützt ihre Fans, indem sie für 600 deutsche Anhänger Busse chartern lässt. „Eine kleine Geste, die sich unser Mannschaftsrat überlegt hat“, erklärte Manuel Neuer.
Unklar bleibt, woher all die Menschen stammen, die ein Deutschland-Trikot tragen. Sind es auch nordamerikanische Sympathisanten? „Es gibt viele Fans, die nicht aus Deutschland kommen – aber sie müssen ja von irgendwoher angereist sein“, würdigte Julian Nagelsmann ihre Teilnahme.
Die ganz großen Zeiten der Fankultur rund um die deutsche Mannschaft werden 2026 wohl nicht erreicht werden. 2010 in Südafrika konnte der DFB nur staunen, als im Viertelfinale gegen Argentinien in Kapstadt 30.000 deutsche Touristen im Stadion waren. Das Ziel war damals angesagt, das Nachwirken des Sommermärchens von vier Jahren zuvor plus eine Mannschaft, die Großes vorbereitete – es kam einfach alles zusammen.