Niko Kovac über die aktuelle Situation bei Borussia Dortmund

Niko Kovac über die aktuelle Situation bei Borussia Dortmund

In letzter Zeit hatte Borussia Dortmund einige Schwierigkeiten, und Trainer Niko Kovac steht unter kritischer Beobachtung. Nach über 30 Jahren im Profifußball bleibt er jedoch gelassen.

Erstmals in seiner Amtszeit muss Kovac eine kleinere Krise managen. Die schwankenden Leistungen der letzten Wochen, die vor der Länderspielpause in einer deutlichen 1:4-Niederlage gegen Manchester City und einem 1:1-Unentschieden in Hamburg gipfelten, haben auch Kritik an seiner Person zur Folge.

Für Kovac ist dies jedoch kein Grund zur Sorge. Im Interview mit dem kicker erklärt er: „Wenn man sich die aktuelle Tabellensituation anschaut, stehen wir deutlich besser da als im Februar, als ich den BVB übernommen habe.“ Er betont, dass sich seine „Mannschaft gut entwickelt und in die richtige Richtung bewegt. Diesen Weg wollen wir konsequent fortsetzen.“

Kovac war sich bereits bei seinem Amtsantritt bewusst, dass er am Borsigplatz auch Gegenwind erleben könnte: „Ich habe mich darauf gefreut. Ich habe diesen Schritt bewusst gewählt. Die Erwartungen hier sind hoch, und ich habe auch hohe Ansprüche an mich selbst.“ Nach über drei Jahrzehnten im Fußball lässt sich Kovac von Kritik nicht aus der Ruhe bringen.

„Ich bin so lange im Fußball tätig, erst als Spieler und dann als Trainer. Ich weiß, wie das Geschäft funktioniert, besonders während der Länderspielpausen. Ich habe gelernt, Kritik nicht persönlich zu nehmen, und bin es gewohnt, dass bestimmte Themen in eine bestimmte Richtung gelenkt werden. Das ist nichts Neues. Wichtig ist, dass die Kritik sachlich bleibt“, zeigt sich der 54-Jährige gelassen.

Nach einer starken Rückrunde, in der Kovac den BVB in die Champions League führte, stimmt die aktuelle Ausbeute jedoch nicht mehr. Ein möglicher Grund dafür ist die hohe Belastung der Spieler. „Das soll kein Alibi sein, aber wir hatten sechs von sieben Spielen auswärts und viel Reisen“, erklärt Kovac.

Darüber hinaus kann die Borussia ihre individuelle Klasse nicht konstant abrufen. „Wir haben klare Abläufe und Automatismen, die in der letzten Saison funktioniert haben, aber die wir derzeit zu selten gut umsetzen. Es mangelt an präzisen Pässen, der Ballannahme und der Ballmitnahme“, so Kovac weiter.

Die wenigen Trainingstage spielen ebenfalls eine Rolle: „Es ist ein Kreislauf, keine gerade Linie. Man arbeitet nicht alle Themen ab und endet irgendwann“, weiß Kovac. Mit seinen Spielern gilt es nun, einen Schritt zurückzugehen, „um die Aspekte, die möglicherweise aufgrund der vielen englischen Wochen und der wenigen Trainingseinheiten vernachlässigt wurden, aufzufrischen.“

Kovac erinnert sich an seine Anfangszeit am Borsigplatz: „Wenn wir Tabellenelfter wären, würden wir nicht darüber reden, ob unser Fußball schön genug ist. Dann ginge es um die Ergebnisse“, sagt er bestimmt. „Für mich als Trainer ist es wichtig, mich nicht von äußeren Debatten beeinflussen zu lassen oder in Aktionismus zu verfallen. Ich stelle wegen eines Unentschiedens in Hamburg nicht alles in Frage, was zuvor gut war.“

Nach der Konsolidierung des BVB unter Kovac wird nun auch auf andere Aspekte Wert gelegt. „Jetzt geht es um die Art und Weise, das ist völlig legitim. Aber auch andere Mannschaften, die viel Geld investiert haben, verlieren deutlich, wie zum Beispiel Liverpool gegen City. Muss man danach sofort alles infrage stellen?“ fragt Kovac rhetorisch.

Vor der Länderspielpause gab es eine positive Nachricht für den BVB-Trainer. Der Stürmer Serhou Guirassy, der in letzter Zeit mit Oberschenkel- und Schulterproblemen zu kämpfen hatte, sagte seine Reise mit der Nationalmannschaft Guineas ab – eine Entscheidung, die Kovac „sehr“ erfreute. Ohne den 29-Jährigen in Bestform hatte das Offensivspiel in den vergangenen Wochen gelitten.

„Seine Tore fehlen uns im Moment. Aber ich bin optimistisch, dass er wieder in Form kommt. Ich bin froh, ihn im Team zu haben, und werde an ihm festhalten. Er ist nicht nur ein großartiger Stürmer, sondern auch ein wunderbarer Mensch“, so Kovac. Am Samstag (15:30 Uhr) hat Guirassy im Duell gegen den VfB Stuttgart die nächste Gelegenheit, seine Torflaute zu beenden.

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