Ottmar Hitzfeld spricht über seine schwerste Krise
Erstmals äußert sich Ottmar Hitzfeld über eine der größten Krisen seines Lebens: Ein Vorfall brachte den erfolgreichen Trainer von Bayern München und Borussia Dortmund an den Rand des Todes.
Dortmund – Was als gewöhnliches Trainingslager geplant war, entwickelte sich für Ottmar Hitzfeld zu einem Kampf ums Überleben. Im Jahr 1994, während seiner Zeit als Trainer von Borussia Dortmund, erlebte die Trainerlegende den Albtraum eines jeden Sportlers: Sein Körper versagte völlig und er befand sich in akuter Lebensgefahr.
Ein anfänglicher Hexenschuss führte bei Hitzfeld, der kürzlich auch über einen Besuch bei Uli Hoeneß berichtete, zu einem medizinischen Notfall mit dramatischen Konsequenzen. Fast drei Jahrzehnte später bricht der 76-Jährige sein Schweigen über diese Tage, die sein Leben nachhaltig veränderten.
„Es ist 1994, als wir mit Dortmund ins Trainingslager fliegen sollen. Ich erleide einen Hexenschuss und bekomme Kortison“, erzählt Hitzfeld in dem am 18. August erscheinenden Buch „Mensch Fußballstar“ von Andreas Böni. Doch die Behandlung schlug fehl: „Mir wird zu viel Kortison verabreicht, was zu einer Entzündung meines Darms führt und schließlich zu einem Darmdurchbruch“, berichtet er in einem vorab veröffentlichten Auszug des Buches.
Die Situation eskalierte dramatisch. Der erfolgreiche Trainer musste notoperiert werden: „Ich schwebte in Lebensgefahr und man musste mir den Bauch aufschneiden.“ Wochenlang kämpfte Hitzfeld auf der Intensivstation um sein Leben. „Ich war lange in einem kritischen Zustand auf der Intensivstation. Ja, es fehlte nicht viel und ich wäre gestorben“, gesteht er offen.
Für Hitzfeld war dieser lebensbedrohliche Vorfall mehr als nur ein medizinischer Notfall; es war ein Weckruf seines Körpers. „Es ist ein erstes Signal meines Körpers“, reflektiert der ehemalige Bayern-Trainer in seinem Buch. Doch diese beinahe katastrophale Erfahrung sollte nicht die letzte Warnung bleiben.
Jahre später folgte ein kompletter Zusammenbruch: Burn-out, Panikattacken und die Behandlung mit Antidepressiva. „Als Trainer von Borussia Dortmund und Bayern München war es mehrmals so, dass ich als Mensch fast nicht mehr konnte und kurz vor dem Zusammenbruch stand“, erklärt Hitzfeld, der in seiner Trainerkarriere einst ein unmoralisches Angebot ablehnte, um die Belastungen seiner Karriere zu bewältigen.
Das Problem liegt im System des Spitzenfußballs selbst. „Das Dilemma als Fußballtrainer ist, dass dein Innen- und Außenbild oft weit auseinanderklaffen“, analysiert die Trainerlegende. „In der Öffentlichkeit kannst und willst du keine Schwäche zeigen. Du frisst vieles in dich hinein.“
Die Warnsignale des Körpers werden ignoriert, da Auszeiten im Profifußball als unmöglich gelten. „Du bist im Hamsterrad gefangen“, beschreibt Hitzfeld die Situation. Der Druck, „vor Millionen Zuschauern zu funktionieren, Leistung zu bringen und die Erwartungen von Fans und Öffentlichkeit zu erfüllen“, wurde schließlich zu viel für den legendären Trainer, der sowohl mit Bayern als auch mit Dortmund die Champions League gewinnen konnte – mit beinahe tödlichen Konsequenzen.