Politische Brisanz vor dem WM-Halbfinale zwischen Argentinien und England
Vor dem WM-Halbfinale gegen England sorgen Videos aus dem argentinischen Lager für Aufsehen. Spieler besingen die umstrittenen Falklandinseln, während Fans eine britische Flagge verbrennen.
In Atlanta findet am Mittwochabend das entscheidende Spiel um den Einzug ins Finale der WM 2026 statt. Für Lionel Messi könnte es die letzte Chance auf einen weiteren großen Titel sein und es handelt sich um eine der emotionalsten Rivalitäten im Weltfußball. Doch auch die historische Vergangenheit der beiden Länder rückt vor dem Halbfinale zwischen Argentinien und England in den Fokus. Videos von singenden Nationalspielern und einer brennenden britischen Flagge verleihen dem Duell zusätzliche politische Brisanz.
Wie die BBC berichtet, stimmten die argentinischen Spieler während dieser Weltmeisterschaft wiederholt ein Lied an, das sinngemäß besagt: „Für die Malvinas, für Diego, für Leos letztes Kapitel.“ Ein entsprechendes Video auf Instagram zeigt Teile der Mannschaft tanzend und singend. In einem weiteren Clip auf X sind mutmaßliche argentinische Anhänger zu sehen, die eine Flagge Großbritanniens verbrennen.
„Malvinas“ bezieht sich auf die Falklandinseln, eine im Südatlantik gelegene Inselgruppe, die seit 1833 unter britischer Verwaltung steht und von Argentinien weiterhin beansprucht wird. Die Gesänge sind in Argentinien nicht nur Teil des Fußballs, sondern auch des nationalen Gedächtnisses. Der WM-Song verbindet drei Themen: den Anspruch auf die Inseln, die Erinnerung an Diego Maradona und den Wunsch, Lionel Messi in seinem möglicherweise letzten WM-Turnier zum Titel zu führen.
Die Gesänge bedeuten jedoch nicht zwangsläufig, dass die Spieler das Halbfinale als Fortsetzung eines Krieges betrachten. Mittelfeldspieler Rodrigo de Paul erklärte vor dem Spiel, es gehe vor allem um die argentinischen Gefallenen und nationalen Helden. Die Frage der Falklandinseln müsse an anderer Stelle diskutiert werden. Für die Mannschaft sei das Aufeinandertreffen in erster Linie ein Fußballspiel.
Argentinische Verbände ehemaliger Kriegsteilnehmer äußerten sich ebenfalls deutlich. Die Vereinigung „2 de Abril“ betonte in einer Stellungnahme, dass Sport kein Krieg sei. Das WM-Halbfinale dürfe nicht als bewaffnete Revanche oder historische Entschädigung gesehen werden. Der Souveränitätsstreit müsse diplomatisch gelöst werden. Auch Nationaltrainer Lionel Scaloni versuchte, die Stimmung zu beruhigen. „Es ist nur ein Fußballspiel, lasst uns nichts anderes daraus machen“, sagte er.
Eine weitere Veteranenvereinigung verwies auf die sportliche Vergangenheit und erinnerte daran, dass Diego Maradona die offene Rechnung beglichen habe. Gemeint war Argentiniens 2:1-Sieg gegen England bei der WM 1986, als Maradona den Ball mit der Hand ins Netz beförderte und später eines der berühmtesten Tore der Fußballgeschichte erzielte. Jahre später bezeichnete er den Sieg selbst als eine Form von Rache an England.
Am Mittwoch treffen beide Länder zum sechsten Mal bei einer Weltmeisterschaft aufeinander. England hat bislang drei dieser Duelle gewonnen, Argentinien zwei. Für Messi wird es jedoch eine Premiere sein: In mehr als 200 Länderspielen hat der 39-Jährige noch nie gegen die „Three Lions“ gespielt. Bis dahin dürften die Gesänge über die Falklandinseln trotz aller Mahnungen kaum zu überhören sein.