Schiedsrichterleistungen und WM-Finale im Fokus bei "Die WM-WG"
Am Samstag waren die ehemalige Nationalspielerin Julia Simic und der Ex-Bundesliga-Schiedsrichter Patrick Ittrich zu Gast in der Sendung „Die WM-WG“ von Absolut Fussball, unterstützt von IPPEN.MEDIA. Der Schwerpunkt lag auf den Leistungen der Schiedsrichter während der WM, und die beiden Experten wagten zudem einen Ausblick auf das bevorstehende WM-Finale am Sonntag.
In Bezug auf das WM-Finale zwischen Spanien und Argentinien sagte Simic: „Beide Mannschaften haben sich zurecht für das Finale qualifiziert. Wir sehen hier die beiden besten und formstärksten Teams. Die Argentinier haben eine bemerkenswerte Mentalität bewiesen: Sie können Rückstände aufholen und sind einfach nicht zu bezwingen.“
Über Lionel Messis Leistung in der WM äußerte sich Ittrich: „Er hat mich wirklich überrascht. Wir alle waren uns unsicher, wie er physisch durch das Turnier kommen würde. Doch nun hat er bereits sieben Spiele absolviert. Das ist eine unglaubliche Leistung, und sein Wert für das Team ist immens. Besonders wenn sie unter Druck stehen, wird er am gefährlichsten.“
Zur spanischen Mannschaft bemerkte Simic: „Spanien hat bisher nur ein Gegentor kassiert. Oft denkt man, die Spanier sind hauptsächlich Offensivspieler, aber auch sie profitieren von einer stabilen Defensive, die ihnen hilft, ihre Spiele zu gewinnen.“
Bezüglich des VAR (Video Assistant Referee) während der WM sagte Ittrich: „Es ist wichtig, dass die Schiedsrichter das Gefühl haben, dass sie das Spiel unter Kontrolle haben und Entscheidungen treffen dürfen. Das ist das Ziel des VAR, den Schiedsrichter nicht in seiner Autorität zu beeinträchtigen. Ich habe jedoch das Gefühl, dass dieses Entscheidungsgefühl manchmal fehlt.“
Zu Donald Trumps Kritik an Thomas Tuchel äußerte sich Simic: „Ich glaube, Thomas Tuchel denkt nicht mehr viel darüber nach. Er wurde oft gefragt, was nach der 1:0-Führung aus englischer Sicht passiert ist und warum er das Spiel so gecoacht hat. Ich ziehe meinen Hut vor seiner ruhigen und klaren Art, wie er das gehandhabt hat.“
Über das Spiel um Platz drei sagte Simic: „Ich habe einmal bei einer U20-WM als Spielerin daran teilgenommen und wir haben gewonnen. Damals dachte ich, es sei schön, dass es dieses Spiel gibt. Es ist wichtig, einen emotionalen Zugang zu diesem Spiel zu finden. Kylian Mbappé, Harry Kane und Bellingham könnten individuelle Preise gewinnen, was zusätzliche Motivation bietet.“
Zum WM-Finale meinte Simic: „Ich hatte vorher auf Argentinien getippt, also wird es wahrscheinlich Spanien (lacht). Aber im Ernst: Ich denke, sie können es schaffen. Es wäre das dritte Mal in der Geschichte der WM, dass eine Mannschaft den Titel verteidigt. Sie haben einfach die Mentalität, solche Spiele zu entscheiden.“
Auf die Frage nach seiner Zukunft nach dem Ende seiner Schiedsrichterkarriere erklärte Ittrich: „Das wird natürlich eng mit meiner Familie abgestimmt. Wir haben nur Auswärtsspiele, und man muss schauen, wie man das organisiert. Ich möchte dem Fußball verbunden bleiben, denn es macht mir Spaß. Auch die Fernsehtätigkeiten bereiten mir Freude, daher könnte ich in diese Richtung weitermachen, aber es ist noch nichts entschieden.“
Zu den umstrittenen VAR-Entscheidungen während der WM sagte Ittrich: „Jede Situation ist einzigartig und kann nicht pauschal bewertet werden. Bei der einen Entscheidung habe ich nicht einmal erkannt, ob es eine Berührung gab. Am Ende wurde es regeltechnisch korrekt gelöst, und wenn es nicht erkannt wurde, wird das Spiel weiterlaufen gelassen.“
Über die Trinkpausen bei der WM äußerte sich Ittrich: „Es macht Sinn, und es sollte im Ermessen des Schiedsrichters liegen, je nach Temperatur ein Hydration Break einzulegen. Allerdings wird dies auch für Werbepausen genutzt, was dann nicht mehr als Hydration Break, sondern als Technical Break betrachtet werden kann.“
Zur Kapitänsregel während der WM meinte Simic: „Ich habe das Gefühl, dass diese Regel während der WM ausgesetzt wurde. Es ist gruselig, wenn plötzlich zehn oder zwölf Spieler um einen herumstehen. Das ist kein gutes Vorbild, insbesondere für den Amateurfußball.“
Über die Ernennung von Slavko Vincic als Schiedsrichter für das WM-Finale sagte Ittrich: „Vincic ist ein Top-Schiedsrichter, einer der besten in Europa. Es ist völlig nachvollziehbar, dass er das Finale leitet. Natürlich ist man aufgeregt, aber er weiß, wie man damit umgeht. Er hat bereits das Champions-League-Finale gepfiffen und viele große Spiele geleitet.“
Abschließend sprach Ittrich über Bastian Dankerts Rolle als Videoschiedsrichter im WM-Finale: „Bastian Dankert hat in den letzten Jahren viele große Finalspiele als Videoassistent geleitet. Er ist der gefragteste Videoassistent der Welt.“