Schweinsteiger empfiehlt van Gaal für Bundestrainer-Posten
Die Suche des DFB nach einem Nachfolger für Julian Nagelsmann konzentriert sich aufgrund der enttäuschenden Fußball-WM auf Jürgen Klopp. Doch der Weltmeister Bastian Schweinsteiger bringt überraschend einen anderen Namen ins Spiel: seinen ehemaligen Bayern-Trainer Louis van Gaal. In seiner Funktion als ARD-Experte sprach Schweinsteiger eine klare Empfehlung für den Niederländer aus.
„Wenn Louis van Gaal gesundheitlich die Energie hat, dann ja, hundertprozentig. Er würde gut passen. Er ist jemand, der etwas Neues aufbauen kann und hat eine Struktur“, erklärte Schweinsteiger. „Er hat bereits bei den Holländern bewiesen, dass er die Mannschaften weit bringen kann.“ Sollte Klopp absagen, wäre van Gaal für Schweinsteiger die naheliegendste Alternative für den Posten des Bundestrainers.
Schweinsteiger kennt van Gaal aus eigener Erfahrung sehr gut: Zwischen 2009 und 2011 arbeiteten beide beim FC Bayern zusammen und gewannen gemeinsam die Meisterschaft, den DFB-Pokal und den DFL-Supercup. Van Gaal ist somit bestens mit der Bundesliga und dem deutschen Fußball vertraut. Das Lob von Schweinsteiger ist nicht unbegründet, wechselte der deutsche Spielmacher doch im Sommer 2015 zu Manchester United, vor allem aufgrund des damaligen Trainers van Gaal.
Die Trainerkarriere des niederländischen Großmeisters ist beeindruckend: Neben Stationen in München und Manchester war er auch bei Ajax Amsterdam, dem FC Barcelona und AZ Alkmaar tätig und stand zweimal als Nationaltrainer der Niederlande an der Seitenlinie. Bei der WM 2014 führte er die Elftal bis ins Halbfinale, wo sie im Elfmeterschießen gegen Argentinien ausschieden. Auch 2022 scheiterten die Niederländer im Viertelfinale erneut an Argentinien im Elfmeterschießen.
Ein Engagement des mittlerweile 74-Jährigen als Bundestrainer wäre historisch, da die deutsche Nationalmannschaft bislang ausschließlich von deutschen Trainern betreut wurde. Diese Personalie könnte jedoch in eine hitzige Debatte hineinfallen, die derzeit in Großbritannien über dieses Thema geführt wird.
England-Legende Michael Owen hatte nach dem WM-Aus der Three Lions gefordert, ausländische Trainer im Nationalmannschaftsfußball grundsätzlich zu verbieten und damit mehr oder weniger direkt auf Englands deutschen Coach Thomas Tuchel abgezielt. Seine Begründung: Noch nie hat ein ausländischer Trainer eine Nation zum WM-Titel geführt. Nach dieser Logik wäre auch ein Niederländer als deutscher Bundestrainer ein Novum, das Owens Argumentation zusätzlich befeuern würde.
Die englische Ikone Gary Lineker ließ es sich nicht nehmen, angesichts des enttäuschenden Ausscheidens süffisant gegen Tuchels deutsche Fußballprägung zu sticheln. In diese Debatte mischt sich auch eine Portion Rivalität zwischen den Fußballnationen England und Deutschland. Ähnliches könnte im Ernstfall auch van Gaal treffen, denn auch zwischen Deutschland und den Niederlanden ist das Verhältnis fußballerisch traditionell angespannt.
Wie stark der Gegenwind für ausländische Trainer derzeit weht, zeigt sich am Fall Tuchel: Trotz einer bemerkenswerten Bilanz und einer historischen Bestmarke unter Europas Nationaltrainern, die er mit England erreicht hat, steht er nach dem Halbfinal-Aus mit den Three Lions massiv in der Kritik. Ob den DFB eine mögliche Verpflichtung von van Gaal dennoch nicht abschreckt, bleibt abzuwarten.