Serge Gnabry strebt Führungsrolle in der deutschen Nationalmannschaft an
Die deutsche Nationalmannschaft sucht nach Führungsspielern, und ein Angreifer des FC Bayern München möchte in dieser Rolle vorangehen.
München – Wer soll im aktuellen Kader der deutschen Nationalmannschaft Verantwortung übernehmen? Diese Frage wird vor dem dritten WM-Qualifikationsspiel am Freitagabend (20:45 Uhr) gegen den Underdog Luxemburg laut. Einer, der in die Führungsrolle hineinwachsen möchte, ist Serge Gnabry, der 24 Stunden vor Anpfiff der Partie auf dem Podium saß.
Der Offensivstar des FC Bayern München hat einen starken Saisonstart hingelegt. Der mittlerweile 30-Jährige war in zehn Pflichtspielen an sieben Treffern beteiligt. Gnabry wirkt deutlich reifer, ist in sich gekehrt und kennt seine Qualitäten. Mit 53 Länderspielen zählt der gebürtige Stuttgarter zu den erfahrensten Spielern im DFB-Kader.
Auf die Frage von Absolut Fussball, dem Fußballportal von Home of Sports, ob er mehr Verantwortung übernehmen wolle, antwortete er: „Definitiv. Ich habe Erfahrung und viele Länderspiele bestritten. Wir haben viele junge Spieler dabei.“ Er nannte seine drei Vorbilder: „Ich möchte ihnen helfen, so wie mir damals Mesut Özil, Sami Khedira und Thomas Müller geholfen haben, als ich neu zur Nationalmannschaft kam.“
Es sind große Namen, an denen sich Gnabry orientiert. Das Trio Khedira, Müller und Özil feierte bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien den wohl größten Erfolg ihrer Karriere. Dies war der Abschluss eines Zyklus, der mit der Heim-WM 2006 begann und im Endspiel gegen Argentinien (1:0) gipfelte. Seitdem hat sich die Situation allmählich gewandelt.
Besonders das Ausscheiden aus der Vorrunde bei den globalen Turnieren 2018 und 2022 hat den deutschen Fußball erschüttert. Gnabry selbst erlebte dabei einige Rückschläge. Vor der WM in Russland zog er sich einen Muskelbündelriss zu, und in Katar waren seine zwei einzigen Scorerpunkte gegen Costa Rica (4:2) unzureichend. Auch die Europameisterschaft im eigenen Land verpasste er erneut verletzungsbedingt.
Gnabry kennt die Höhen und Tiefen im Fußballgeschäft. Er hat alle Facetten erlebt: Hoffnungsträger, Leistungsträger, Superstar, Strahlemann einerseits; Buhmann, hart kritisiert und häufig verletzungsbedingt außer Gefecht gesetzt andererseits. Wer solche Erfahrungen gemacht hat, kann authentisch vorangehen und talentierten Spielern zur Seite stehen.
Bundestrainer Julian Nagelsmann freut sich jedenfalls über die gute Verfassung des Angreifers. Er nannte die Gründe: „Serge hat körperlich keinerlei Probleme. In der Vergangenheit hatte er immer wieder kleinere Wehwehchen, aber jetzt ist er superfit – und das ist entscheidend.“ Gnabry kann befreit aufspielen und sich voll und ganz in den Dienst der Mannschaft stellen.
Der kleine Kader beim FC Bayern kommt ihm dabei zugute. Gnabry muss, wie alle anderen auch, Leistung bringen. Doch bei der begrenzten Mannschaftsgröße fliegt er nicht sofort aus dem Team, wenn es mal ein bis zwei Partien nicht gut läuft: „Serge ist reflektiert und denkt viel über seine Leistung nach. Es tut ihm gut, dass er relativ befreit aufspielen kann.“ Davon soll auch das DFB-Team profitieren.