SV Werder Bremen bereitet sich auf das Nordderby gegen den HSV vor

SV Werder Bremen bereitet sich auf das Nordderby gegen den HSV vor

Die Vorfreude auf eine Revanche gegen den Hamburger SV ist beim SV Werder Bremen groß, doch der Druck ist ebenfalls spürbar. So gehen die Grün-Weißen in die Woche des Nordderbys.

Bremen – Kaum war das letzte Nordderby im Dezember mit einer 2:3-Niederlage gegen seinen Lieblingsverein zu Ende gegangen, äußerte Justin Njinmah, ein gebürtiger Hamburger und Spieler des SV Werder Bremen, eine kühne Prognose: „Wir werden das Rückspiel auf jeden Fall gewinnen.“ Diese Worte spiegeln den Frust wider, den die Niederlage bei ihm hinterlassen hatte. Auch sein Teamkollege Senne Lynen war damals im Volksparkstadion so enttäuscht, dass er direkt nach dem Spiel ein Datum für das Rückspiel in Bremen festlegen wollte. Am Samstag um 15:30 Uhr (im DeichStube-Liveticker) ist es nun endlich soweit – das prestigeträchtige Duell steht vor der Tür, und es wird die 110. Auflage in der langen Geschichte der Bundesliga sein, die unter besonderen Vorzeichen stattfindet.

„Der Druck ist nicht zu leugnen, aber wir versuchen, ihn richtig zu kanalisieren und unser bestes Spiel abzuliefern“, erklärt Peter Niemeyer, Leiter Profifußball des SV Werder Bremen, im Gespräch mit der DeichStube. „Ich möchte dieses Spiel nicht kleiner reden, als es ist, aber auch nicht unnötig aufbauschen. Ich bin mir der Bedeutung für unsere Fans und die Region sowie der tabellarischen Situation des Vereins bewusst. Daher wollen wir am Samstag unsere beste Leistung zeigen.“ Diese Erwartungshaltung hat auch die Fans: Eine weitere Niederlage gegen den HSV in dieser Saison würde nicht nur das Selbstbewusstsein der Mannschaft ankratzen, sondern wäre auch nicht im Sinne des grün-weißen Selbstverständnisses. Die negativen Folgen einer Niederlage wurden bereits im Winter deutlich, als Werder Bremen sportlich ins Straucheln geriet und die Unruhe im Umfeld zunahm. Fünf Monate später befindet sich die Mannschaft im Abstiegskampf, und unter dem aktuellen Trainer Daniel Thioune ist der Klassenerhalt zwar noch möglich, aber alles andere als sicher. „Ich habe das letzte Spiel nur aus der Ferne verfolgt, aber es wurde gesagt, dass wir nicht in den Derbymodus gefunden haben“, meint der 51-Jährige. „Wenn die Spieler das jetzt persönlich nehmen, haben sie zumindest eine Grundlage für ihre Motivation. Dann muss ich nicht so viel dazu beitragen.“

Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass Thioune zusätzliche Impulse setzen wird. Auch die Fans planen, beim Abschlusstraining des SV Werder Bremen am Freitag eine Stimmung zu erzeugen und für den Spieltag eine große Choreografie zu organisieren. Auch der Empfang des Mannschaftsbusses wird voraussichtlich emotionaler ausfallen als gewöhnlich. Solche Szenen können die Spieler motivieren, bringen aber auch das Bewusstsein mit sich, dass sie die Erwartungen der Menschen enttäuschen könnten. Ex-Werder-Kapitän Zlatko Junuzovic hatte dies einst in Bezug auf das legendäre Abstiegsfinale 2016 gegen Eintracht Frankfurt treffend formuliert. „Wir halten an unseren gewohnten Abläufen fest, setzen aber gezielt Akzente. Mit jedem Tag wächst die Anspannung, aber auch die Vorfreude“, ist sich Peter Niemeyer sicher. „Die Fans haben sich bereits in Köln auf das Derby eingestimmt und werden dies auch in dieser Woche fortsetzen. Vor dem Heidenheim-Spiel gab es diesen besonderen Zusammenhalt, und auch jetzt können wir wieder auf unsere Fans zählen. Es wird ein ganz besonderes Ereignis, das Nordderby nach so vielen Jahren wieder zu Hause zu haben.“

Das letzte Mal fand ein solches Derby im September 2021 statt, damals noch in der 2. Bundesliga und unter Corona-Bedingungen. 21.050 Zuschauer erlebten im Weserstadion eine 0:2-Heimniederlage. Im Februar 2018, beim letzten Erstliga-Derby am Osterdeich, feierte Werder Bremen hingegen einen 1:0-Sieg. Die Polizei wird erneut in erhöhter Alarmbereitschaft sein. Zwar ist noch nicht offiziell von einem „Hochrisikospiel“ die Rede, doch laut Informationen der DeichStube könnten am Mittwoch seitens der Bremer Innenbehörde und Polizei Neuigkeiten dazu mitgeteilt werden. Damit ist der Rahmen für eine Partie gesetzt, die anders ist als alle anderen. „Es ist Derbyzeit. Hier geht es um mehr als nur um drei Punkte“, weiß auch Daniel Thioune, der im Sommer 2020 beim HSV das Traineramt übernommen hatte, aber bereits im folgenden Mai wieder entlassen wurde. Daher gibt es keinen Raum für Zweifel an seiner sportlichen Gesinnung. „Ich bin meinen Farben verpflichtet, ich bin Grün-Weißer“, betont er. „Es ist mir wichtig, allen ein gutes Gefühl zu geben. Deshalb gehe ich mit vollem Einsatz in die nächsten Tage. Ich weiß um die Bedeutung eines Derbys und kenne es aus meiner Vergangenheit an anderen Standorten. Das Nordderby ist jedoch von ganz anderer Dimension.“

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