Thomas Müller erzielt entscheidenden Elfmeter für Vancouver Whitecaps
Thomas Müller hat nach Jahren wieder einen Elfmeter verwandelt. Die Bayern-Legende enthüllt, dass Robert Lewandowski seine Technik kopiert hat, und nun schlägt er zurück.
Vancouver – Die Genugtuung war Thomas Müller deutlich anzumerken. Nach seinem verwandelten Elfmeter in der 14. Minute der Nachspielzeit, der den 3:2-Sieg für die Vancouver Whitecaps gegen St. Louis City sicherte, konnte der 35-Jährige seine Freude kaum zurückhalten. Es war sein erstes Elfmetertor in einem Pflichtspiel seit fast fünf Jahren und ein kleiner Triumph über die Vergangenheit.
Die Geschichte hinter diesem Treffer reicht zurück zu seiner Zeit beim FC Bayern München. Dort war Müller einst der erste Elfmeterschütze, bis eine verheerende Serie im Jahr 2016 alles veränderte. Sechs Elfmeter in Folge verschoss er in entscheidenden Spielen, darunter im Pokal gegen Augsburg, bei der EM gegen Italien und im Champions-League-Halbfinale gegen Atlético Madrid. Infolgedessen übernahm Robert Lewandowski seine Rolle als Schütze Nummer eins.
Besonders schmerzlich war für Müller, dass der Pole seine eigene Technik kopierte und perfektionierte. „Ich denke, ich habe es am Ende mit den Techniken übertrieben. Bei Lewandowski war es dann umgekehrt. Er hat meine Technik kopiert und verbessert. Er hat die Torhüter ausgetrickst, aber den Elfmeter noch fester geschossen“, erklärte Müller in einer Medienrunde bei Apple TV.
Lewandowski verwandelte für Bayern 27 seiner 30 Elfmeter – eine Quote, die Müller längst nicht mehr erreichte. Müller gibt ehrlich zu: „Es gab Gründe, warum ich nicht mehr der erste Elfmeterschütze beim FC Bayern war. Meine Quote ist im Laufe der Jahre gesunken.“ Während seine ersten etwa 30 Elfmeter hervorragend waren, verschoss er in den letzten 10 bis 15 deutlich häufiger. Allein in der Saison 2015/16 vergab er viermal, danach wurde er seltener eingesetzt.
Nach Lewandowski übernahm Harry Kane die Rolle des sicheren Schützen. Doch Müller, der auch emotionalen Besuch aus der Heimat bekam, wollte sich nicht geschlagen geben. „Ich habe im stillen Kämmerlein weiter fleißig Elfmeter trainiert, das wollte ich nicht auf mir sitzen lassen“, gestand er. Diese Hartnäckigkeit zahlte sich nun in Vancouver aus, wo er gegen den ehemaligen Bundesliga-Keeper Roman Bürki eiskalt traf.
Das Spiel gegen St. Louis City war ein Drama über 113 Minuten. Müller bezeichnete die Partie als „außergewöhnlich“, in der er über die volle Distanz spielte. Obwohl er nicht als erster Schütze der Whitecaps eingeplant war – Brian White hatte bereits den ersten Elfmeter des Spiels verwandelt – schnappte sich Müller in der dramatischen Schlussphase den Ball und versetzte Vancouver in Ekstase.
„Aber dass ich mir den Elfer dann schnappe und die Verantwortung übernehme, dafür wurde ich geholt. Zumindest ist das mein Verständnis“, erklärte er seine Entscheidung. Die Szene war typisch für Müller: Er schaute nur auf den Torwart, stoppte kurz ab und überlistete Bürki gekonnt. Gegen den Schweizer war er bereits im Oktober 2015 beim 5:1 von Bayern gegen Dortmund erfolgreich gewesen.
Mit seinem Wechsel zu den Vancouver Whitecaps hat Müller nicht nur geografisch einen Neustart gewagt. Nach 25 Jahren beim FC Bayern erhielt er keinen neuen Vertrag mehr in München. In Kanada sieht er nun „eine andere Situation“: „Ich komme als sehr erfahrener Spieler in die Mannschaft und traue es mir da natürlich auch zu.“ Dennoch kehrt Müller schon bald wieder nach München zurück.
Der Elfmeter gegen St. Louis war mehr als nur ein Tor – es war ein Statement. Müller bewies, dass er trotz seiner 35 Jahre noch immer die Nerven und die Technik besitzt, in entscheidenden Momenten zu treffen. Die jahrelange Arbeit im „stillen Kämmerlein“ hat sich ausgezahlt, und der Stachel der Lewandowski-Geschichte sitzt vielleicht nicht mehr ganz so tief.