Thomas Müller kritisiert Nagelsmann nach WM-Aus
Thomas Müller hat das Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft noch immer nicht vollständig verarbeitet. Der Weltmeister von 2014 äußert erneut Kritik an Julian Nagelsmann.
Frankfurt – Das enttäuschende WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft liegt nun bereits über zwei Wochen zurück, doch für Thomas Müller besteht weiterhin Diskussionsbedarf. Im Podcast „Kerners 11“ von Moderator Johannes B. Kerner hat sich der Weltmeister erneut mit den Gründen für die Blamage des DFB auseinandergesetzt und dabei Nagelsmann kritisiert.
Ein Punkt, der Müller während des Turniers missfiel, war die unklare Positionsverteilung der Topspieler im DFB-Team. „Wir haben nicht unbedingt das Gefühl entwickelt, wo unsere Superstars spielen müssen. Und wir haben uns auch schwergetan, Entscheidungen zu treffen“, bemängelte der 36-Jährige. Besonders in der Offensive fehlte ihm eine klare Zuordnung: „Musiala, Wirtz, wer spielt jetzt eigentlich wo? Wir wissen, dass beide gerne im Zentrum spielen.“
Auch die Diskussion um Kai Havertz störte Müller. Wie bereits bei der Europameisterschaft 2024 stellte Nagelsmann den Arsenal-Star in jedem Spiel im Sturmzentrum auf. Müller ist jedoch der Meinung, dass nicht klar ist, ob Havertz „wirklich ein Mittelstürmer ist oder nicht.“ Neben den drei Offensivspielern war für Müller auch die Position seines ehemaligen Bayern-Teamkollegen Joshua Kimmich von entscheidender Bedeutung.
„Wo platziere ich meine Säulen? Kimmich war natürlich eine klare Säule. Aber platziere ich meine Säule auf einer Position, in der er gar nicht so dominant sein kann?“, fragte Müller rhetorisch und zog einen Vergleich zu den Top-Teams Spanien, England und Frankreich: „Das ist bei anderen Nationen völlig anders. Dort spielt der Superstar an der Position, an der er auch im Klub spielt.“
Nagelsmann setzte Kimmich jedoch als Rechtsverteidiger ein, obwohl dieser beim FC Bayern unter Vincent Kompany nahezu jedes Spiel im zentralen Mittelfeld bestritten hat. Trotz der Möglichkeit, dass Kimmich diese Position gegen weniger druckvolle Gegner ebenfalls bekleiden kann, sieht Müller darin ein grundlegendes Problem.
„Wenn du überlegst, dass unsere Topspieler auf fachfremden Positionen spielen oder zumindest auf angepassten, dann könnte das Konzept falsch aufgesetzt sein. Dann muss ich vielleicht eher damit leben, dass ich einen Hauch weniger Qualität auf dem Platz habe“, betonte der Ex-Nationalspieler und fügte hinzu: „Wir haben weniger starke Superstars. Wir haben Potenzial, aber es geht darum: Wer kann es schon abliefern? Andere Nationen und Spieler sind einfach weiter.“
Die Herausforderung, die Lücke zwischen Deutschland und den Top-Nationen zu schließen oder zumindest zu verringern, wird künftig wohl die Aufgabe von Jürgen Klopp sein. Der 59-Jährige ist als Nachfolger von Nagelsmann vorgesehen und der Wunschkandidat der gesamten DFB-Führung. An seiner Seite wird Rudi Völler weiterhin als Sportdirektor fungieren.