Thomas Strunz über Giovanni Trapattonis legendäre Wutrede

Thomas Strunz über Giovanni Trapattonis legendäre Wutrede

München – Vor fast 30 Jahren, am 10. März 1998, erregte Giovanni Trapattoni mit seiner berühmten Wutrede Aufsehen, als er während einer Pressekonferenz für den FC Bayern München das Mikrofon ergriff. In gebrochenem Deutsch rief der italienische Trainer: „Was erlauben Strunz?“ und machte damit Thomas Strunz, den damaligen Bayern-Profi, zum Ziel von öffentlichem Spott.

Fast drei Jahrzehnte später spricht Strunz in einem Interview mit Absolut Fussball, dem Fußball-Portal von Home of Sports, über diesen Wendepunkt seiner Karriere. „Es überrascht mich nicht, dass immer noch Fragen zu Giovanni Trapattoni kommen“, bemerkt er. „Es ist bemerkenswert, dass diese Pressekonferenz nach so langer Zeit noch so präsent ist.“

Strunz reflektiert über die Auswirkungen von Trapattonis Wutrede, die sein Leben für Monate zur Hölle machte. „Einerseits bin ich stolz darauf, Teil der Bundesliga-Geschichte zu sein“, sagt er, „aber die Zeit war zunächst sehr schwierig für mich.“ Der öffentliche Spott, der ihm überall entgegengebracht wurde, war eine enorme psychische Belastung. „Ich wurde oft zum Sündenbock gemacht, weil wir sportlich nicht die Leistung gebracht hatten, die beim FC Bayern erwartet wurde.“

Die Situation führte dazu, dass Strunz ernsthaft darüber nachdachte, Deutschland zu verlassen. Doch dann kam die Wende, als Ottmar Hitzfeld, Trapattonis Nachfolger, ihn anrief und ihm versicherte: „Thomas, ich möchte, dass du bleibst. Ich stehe voll hinter dir.“ Diese Worte waren für Strunz wie Balsam für die Seele.

„Hitzfeld sagte mir, dass ich mit Mario Basler die rechte Seite bespielen soll. Das war der entscheidende Moment, der mich dazu brachte, in Deutschland und beim FC Bayern zu bleiben“, erinnert sich Strunz. Diese Entscheidung erwies sich als richtig, denn unter Hitzfeld fand er zu alter Stärke zurück und wurde wieder zu einem wichtigen Bestandteil des Bayern-Systems. Der Respekt kehrte zurück und die Schmährufe verstummten.

„Die ersten zwei Monate nach der Pressekonferenz waren hart und haben mir sicherlich geschadet“, gesteht Strunz. Doch aus der Krise erwuchs eine neue Stärke, und er kämpfte sich zurück ins Rampenlicht – diesmal auf positive Weise. Heute, fast 30 Jahre später, hat er eine bemerkenswerte Erkenntnis gewonnen.

„Es ist kurios: Viele Menschen wissen zwar, dass ich Fußball gespielt und Titel gewonnen habe, aber die Details meiner Karriere sind verblasst“, sagt er mit einem Augenzwinkern. „Sobald jedoch die Sprache auf Trapattonis Pressekonferenz kommt, ist es überraschend, wie viele Menschen – Männer wie Frauen, Jung und Alt – diese Szene noch kennen.“

Die Ironie des Schicksals: Sein größter Tiefpunkt machte ihn unsterblich. Was einst als Demütigung begann, betrachtet Strunz heute mit Gelassenheit. „Im Rückblick bin ich Giovanni Trapattoni dankbar – er hat mich bekannter gemacht, als ich ohnehin schon war“, sagt der Ex-Profi. Heute kann Strunz über „Was erlauben Strunz?“ lachen, und das ist vielleicht sein größter Triumph.

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