VfL Wolfsburg holt Dieter Hecking zurück zur Rettung des Klassenerhalts

VfL Wolfsburg holt Dieter Hecking zurück zur Rettung des Klassenerhalts

Der VfL Wolfsburg, ausgestattet mit einem der teuersten Kader der Bundesliga, sieht sich ernsthaft mit der Gefahr des Abstiegs konfrontiert. Um dieser Herausforderung zu begegnen, hat der Verein entschieden, auf die Unterstützung einer Club-Legende zurückzugreifen.

Im Bestreben, die negative Stimmung im Team zu bekämpfen und den ersten Abstieg in der Bundesliga-Geschichte zu verhindern, hat der VfL Wolfsburg Dieter Hecking als neuen Trainer verpflichtet. Hecking tritt die Nachfolge von Daniel Bauer an, von dem sich der Tabellenvorletzte nach einer Niederlage von 1:2 gegen den Hamburger SV getrennt hat. Zudem wurde der umstrittene Sport-Geschäftsführer Peter Christiansen freigestellt.

„Dieter Hecking bringt genau die Erfahrung mit, die wir in der aktuellen Situation brauchen. Er kennt den Verein, das Umfeld und die Anforderungen der Bundesliga sehr gut“, erklärte Sportdirektor Pirmin Schwegler. Hecking kehrt nach zehn Jahren nach Wolfsburg zurück und soll mit seiner Ruhe, Expertise und klaren Linie Stabilität in die Mannschaft bringen, um das gemeinsame Ziel, den Klassenerhalt, zu erreichen.

Die drastischen personellen Maßnahmen waren längst überfällig, nachdem das Team nach einer katastrophalen 0:4-Niederlage gegen den VfB Stuttgart in der Vorwoche in der Kritik stand. Trotz dieser Niederlage konnte Christiansen Bauer noch eine letzte Chance gegen den HSV geben, doch auch in diesem entscheidenden Spiel konnte der 43-jährige Trainer keine Wende herbeiführen. Nach dem Schlusspfiff herrschten chaotische Zustände in der Volkswagen Arena, als schwarze Rauchschwaden aufstiegen und brennende Pyrofackeln auf dem Boden lagen. Eine Ordnerkette musste das Team vor den wütenden Ultras schützen, was den Eindruck erweckte, der Club stehe bereits vor dem Abstieg.

Hecking, der Wolfsburg 2015 zum DFB-Pokalsieg und in die Champions League führte, soll nun verhindern, dass die Grün-Weißen mit einem der teuersten Kader der Liga in die Zweitklassigkeit abrutschen. „Die Rückkehr zum VfL Wolfsburg bedeutet mir viel. Ich habe hier eine intensive und erfolgreiche Zeit erlebt und weiß, welche Qualität und Energie in diesem Verein steckt“, sagte Hecking, der an diesem Montag offiziell vorgestellt werden soll. Details zur Vertragslaufzeit wurden noch nicht bekannt gegeben. „Jetzt gilt es, den Fokus voll auf die kommenden Aufgaben zu richten und gemeinsam alle Kräfte zu bündeln, um in der Bundesliga zu bleiben.“ Am Samstag steht für den VfL ein Auswärtsspiel gegen Hoffenheim an.

Die prekäre Situation des Vereins, der neun Spieltage vor Saisonende auf dem vorletzten Platz steht, ist maßgeblich Christiansens zuzurechnen. Der 51-jährige Däne war verantwortlich für die unzureichende Kaderzusammenstellung und traf in der Trainerfrage zweimal die falsche Entscheidung. Sowohl der junge Niederländer Paul Simonis als auch Bauer, der zuvor die U19 des Clubs erfolgreich trainierte, waren überfordert.

Obwohl Wolfsburgs Aufsichtsratsvorsitzender Rudolph Christiansens Arbeit bei den Frauen lobte, stellte er fest: „Bei den Männern fehlten leider die sportlichen Ergebnisse. Daher haben wir entschieden, die Zusammenarbeit zu beenden.“ Eine Nachfolge wird zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben.

Vorläufig übernimmt der erst im Dezember verpflichtete Sportdirektor Schwegler mehr Verantwortung. Auch der frühere Torwart Diego Benaglio, der im Aufsichtsrat sitzt, könnte sich stärker einbringen. Beide hatten nach der Niederlage gegen den HSV versucht, im Dialog mit den frustrierten Fans die Wogen zu glätten.

Bauer, der im November Simonis nachfolgte und kurz vor Weihnachten zum Cheftrainer ernannt wurde, musste in den letzten sieben Spielen sechs Niederlagen hinnehmen. „Diese Entscheidung ist uns alles andere als leichtgefallen. Wir haben gehofft, die Wende gemeinsam zu schaffen. In der Analyse der Gesamtsituation sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir der Mannschaft einen neuen Impuls geben müssen, um den Klassenerhalt zu sichern“, erklärte Schwegler. Bauer verließ am Samstag um 19:14 Uhr die Arena, wohl wissend, dass seine Zeit abgelaufen war.

Hecking hingegen bringt langjährige Erfahrung mit. Vor und nach seiner ersten Zeit in Wolfsburg trainierte er unter anderem Hannover 96, den 1. FC Nürnberg, Borussia Mönchengladbach und den Hamburger SV. Zuletzt wurde er am 15. September beim VfL Bochum entlassen, nachdem der Verein in die zweite Liga abgestiegen war und der Neuaufbau der Mannschaft nicht gelang.

Der gescheiterte Neuaufbau in Wolfsburg ist vor allem Christiansen anzulasten. Als er im Sommer 2024 vom FC Kopenhagen nach Wolfsburg kam, versprach er eine neue Club-Identität und offensiven Fußball, doch die erforderlichen Spieler wurden nicht verpflichtet. Die großen Schwachstellen in Angriff und Abwehr blieben auch im Winter unadressiert.

Nach dem ersten Trainerwechsel im November wurde zunächst nur der Sportdirektor unter Christiansens Leitung ausgetauscht: Der Schweizer Schwegler ersetzte Sebastian Schindzielorz.

Jetzt greift der von Volkswagen dominierte Aufsichtsrat beim VfL Wolfsburg so stark durch wie seit dem Frühjahr 2011 nicht mehr. Damals verloren Geschäftsführer Dieter Hoeneß und Interimstrainer Pierre Littbarski gleichzeitig ihre Ämter. Für sie kehrte der Meistertrainer Felix Magath mitten im Abstiegskampf zurück.

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