Watzke als BVB-Präsident mit geringer Zustimmung gewählt
Die Presse analysiert die niedrige Zustimmung für Hans-Joachim Watzke als neuen Präsidenten von Borussia Dortmund und beleuchtet die vielfältigen Gründe für die Spaltung unter den Mitgliedern.
Dortmund – Hans-Joachim Watzke wurde am Sonntag während der Mitgliederversammlung zum neuen Präsidenten von Borussia Dortmund gewählt, allerdings mit einem äußerst schwachen Zuspruch. Die Presse untersucht die Hintergründe dieses enttäuschenden Ergebnisses für den langjährigen Geschäftsführer des BVB.
Die nackten Zahlen sprechen für sich: Borussia Dortmund zählt derzeit rund 237.000 Mitglieder, von denen jedoch nur 4.466 an der Wahl teilnahmen. Von diesen stimmten 2.515 für Watzke, während 1.729 gegen ihn votierten, obwohl es keinen weiteren Kandidaten gab. 232 Mitglieder enthielten sich der Stimme, was eine Zustimmung von lediglich 59 Prozent bedeutet.
Die Süddeutsche Zeitung bezeichnet dieses Ergebnis als „Demütigung für Watzke“, da in seinem Lager mit mindestens 75 Prozent Zustimmung gerechnet worden war. Watzke hatte angekündigt, die Wahl bei einem Ergebnis unter 70 Prozent nicht anzunehmen, was jedoch nicht der Fall war.
Die Welt spricht von einer „Revolution“ beim BVB, die auch durch andere Beschlüsse ausgelöst wurde. Laut dem Kicker waren selbst Buhrufe während Watzkes Rede vernehmbar. Die Medien vermuten, dass dieser Konflikt auch andere Traditionsvereine betreffen könnte.
Der Kicker sieht das Ergebnis als mehr als nur einen „Denkzettel“, vielmehr als eine „Abstrafung“, die Watzke sichtlich getroffen hat. Dies ist auch das Resultat einer Reihe von Konflikten, die Watzke insbesondere in den letzten Monaten bewältigen musste.
Sein Umgang mit dem Missbrauchsskandal sowie der Sponsorenvertrag mit dem Waffenproduzenten Rheinmetall stießen auf erhebliche Kritik. Hinzu kommen der Kleinkrieg mit seinem Vorgänger Lunow und ein weiterer Skandal bezüglich seiner Nutzung von Privatjets. Diese Faktoren, zusammen mit seiner „Alleinherrscher-Attitüde“, führten zu dem schlechten Wahlergebnis, wie DerWesten kommentiert.
Watzke habe Borussia Dortmund zuletzt „nach Gutsherrenart“ geleitet, was zu einer Polarisierung führte und letztlich seinen Willen durchsetzte. Als Geschäftsführer konnte er dies tun, doch als Präsident des Gesamtvereins, dessen Mitglieder ihm fast zur Hälfte die Gefolgschaft verweigerten, wird ihm dies nicht mehr gelingen.
Es bleibt abzuwarten, wie Watzke mit dieser Ohrfeige umgehen wird. Als Oberhaupt der Handballer, Boxer und Tischtennisspieler im Verein wird er viel Arbeit investieren müssen, um die entstandenen Gräben zu schließen, glaubt ran. Angesichts seiner zahlreichen weiteren Ämter bei DFL, DFB und UEFA bleibt jedoch unklar, wie Watzke das neu übernommene Ehrenamt des BVB-Präsidenten ausfüllen wird.