Werder Bremen Stabilisiert Sich Unter Trainer Daniel Thioune

Werder Bremen Stabilisiert Sich Unter Trainer Daniel Thioune

Unter Trainer Daniel Thioune hat sich die Abwehr von Werder Bremen deutlich verbessert. Der Coach arbeitet intensiv an der defensiven Stabilität seiner Mannschaft.

Bremen – In der unteren Tabellenhälfte hat eine Zahl momentan besondere Bedeutung: die 31. Sowohl der SV Werder Bremen als auch der Hamburger SV, Borussia Mönchengladbach und der 1. FC Köln haben genau so viele Punkte gesammelt. Alle vier Teams hoffen, ihr dünnes Polster auf den Relegationsplatz 16, den derzeit der FC St. Pauli mit 26 Punkten belegt, oder sogar auf die direkte Abstiegszone (VfL Wolfsburg, 24 Punkte) in den verbleibenden vier Spielen zu verteidigen. „Wie viele Punkte wir am Ende wirklich brauchen, kann ich nicht sagen“, erklärt Werder-Coach Daniel Thioune, der sich von Rechenspielen fernhält. „Für ein gutes Gefühl bräuchte ich noch zwölf Punkte. Dann wäre alles so gelaufen, wie ich es mir wünsche.“ Doch bereits jetzt läuft vieles nach seinen Vorstellungen – und das hat auch mit entscheidenden Zahlen zu tun.

Der 51-Jährige arbeitet seit Wochen mit seiner Mannschaft an der defensiven Stabilität. Dies ist keine leichte Aufgabe, da es in der Abwehr von Werder Bremen kaum personelle Verlässlichkeiten gibt. Immer wieder fallen Abwehrspieler verletzungsbedingt oder aufgrund von Sperren aus, auch im defensiven Mittelfeld sind häufig Anpassungen notwendig. Normalerweise ist dies hinderlich für die Entwicklung stabiler Automatismen. Dennoch gelingt es dem Team. Das Fachmagazin „kicker“ stellte anerkennend fest, dass Werder seit Thiounes Amtsantritt die wenigsten gegnerischen Torschüsse aller Bundesligisten zugelassen hat. Insgesamt waren es 107, was einem Schnitt von 10,7 pro Spiel entspricht – selbst der große FC Bayern München liegt mit 108 nur knapp dahinter. Auch die Anzahl der Gegentore hat sich im Vergleich zu seinem Vorgänger Horst Steffen verringert; Bremen kassiert nun durchschnittlich 1,5 Tore statt 1,9. Parallel dazu ist die Zahl der gegnerischen Chancen von 6,0 auf 4,2 gesunken. Dies freut auch Torhüter Mio Backhaus, der nach dem Nordderby lobte: „Wir bekommen momentan die wenigsten Schüsse aufs Tor. Chapeau an unsere Verteidiger, die alles geben und voll da sind. In den letzten Wochen haben wir eine unglaublich stabile Defensivleistung gezeigt.“

Die Mannschaft meistert auch kurzfristige Anpassungen. So wie am Samstag gegen den HSV, als Stürmer Robert Glatzel dem SV Werder Bremen zeitweise Schwierigkeiten bereitete. „Er hat uns in der ersten Halbzeit Probleme bereitet, weil wir zu hoch standen. Das haben wir angepasst, weshalb wir es in der zweiten Hälfte sehr gut gemacht und kaum noch etwas zugelassen haben“, sagt Thioune. „Natürlich kann es inhaltlich noch besser werden, aber wenn man dreimal trifft und das Derby gewinnt, gibt es erst einmal wenig zu beklagen.“

Tabellarisch könnte die defensive Robustheit für die Bremer von großer Bedeutung sein. Momentan reicht es für Werder noch nicht, das punktgleiche Trio aufgrund des Torverhältnisses hinter sich zu lassen, doch zumindest der HSV (drei Tore) und Gladbach (vier Tore) sind nicht weit entfernt. Aber: Auf Werder warten bis zum Saisonende noch echte Herausforderungen; der VfB Stuttgart, FC Augsburg, die TSG Hoffenheim und Borussia Dortmund gehören allesamt zur oberen Tabellenhälfte. „Jetzt bekommen wir ein bisschen Momentum“, sagte Mittelfeldspieler Jens Stage unmittelbar nach dem Derbysieg, „aber Stuttgart auswärts ist eines der schwierigsten Spiele der Saison“. Der psychologische Effekt des jüngsten Erfolges ist in der Tat nicht zu unterschätzen und könnte neue Kräfte für den Endspurt freisetzen. Eine Derby-Niederlage hätte möglicherweise zu Verkrampfungen geführt. „Mit der Niederlage im Hinspiel hat die Abwärtsspirale begonnen“, erinnert sich Thioune, der jetzt auf zusätzliche Energiereserven setzt. „Wir haben oft von Endspielen gesprochen“, sagt er, „jetzt steigt die Chance, solche Spiele zu unseren Gunsten zu entscheiden. Wir nehmen viel Selbstvertrauen mit.“ Auch Werder Bremens Fußball-Chef Clemens Fritz betont im Rückblick auf die letzten Monate: „Damals, als wir beim HSV verloren haben, gab es einen Stimmungsumschwung, auch medial. Deshalb war es jetzt umso wichtiger. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn es nicht in diese Richtung gegangen wäre.“ Mit Sicherheit wäre es ziemlich unangenehm geworden.

So aber fühlt es sich anders, besser an. Doch ein Blick auf die Tabelle zeigt, dass die kurzfristige Erleichterung gnadenlos auf die harte Realität trifft. Auch aus diesem Grund sagt Fritz: „Uns muss bewusst sein, dass wir noch Punkte brauchen. Ich möchte daran erinnern. Wir haben noch einen Weg vor uns und sind noch nicht gesichert.“ Auch Mio Backhaus erkennt dies an. Doch der Torhüter des SV Werder Bremen ist optimistisch: „Hoffen wir, dass wir nächste Woche mit der gleichen Intensität und Leidenschaft weitermachen. Dann bin ich überzeugt, dass wir es schaffen werden.“

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