WM 2026: Ein Rückblick auf die Erfahrungen in den USA

WM 2026: Ein Rückblick auf die Erfahrungen in den USA

Die WM 2026 ist vorbei, und Spanien hat den Titel errungen. Die Wochen waren intensiv für Spieler, Trainer, Fans und Journalisten – hier ist ein Bericht aus erster Hand.

New York – Fast sechs Wochen in den USA während einer extremen WM waren sowohl anstrengend als auch voller Erlebnisse. Hier ist ein kleines ABC aus der Sicht der Journalisten – eine subjektive Betrachtung.

Die Liebe auf den zweiten Blick nach dem Ortswechsel von New York war spürbar. Weniger hektisch und in einem anderen Bundesstaat mit anderen Menschen. In Atlanta, der Geburtsstadt von Martin Luther King Jr., sollte jeder Besucher zunächst das National Center for Civil and Human Rights aufsuchen, um die Mission des Zentrums zu verstehen, gefolgt von einem Besuch seines Geburtshauses in der Auburn Avenue. Danach war der Beltline Rundweg nicht weit entfernt.

Der vor knapp zehn Jahren angelegte Rundweg ist ein Eldorado für Radfahrer, Jogger und Flaneure, der die Menschen in Atlanta auf entspannende Gedanken bringen soll. Dieses Konzept sollte jede deutsche Großstadt in Betracht ziehen, auch wenn es vielleicht aufgrund von Umweltschutzmaßnahmen nicht möglich ist.

Besonders erwähnenswert war die Erfahrung, im German House of Soccer in New York die Schüler der International German School zu unterrichten. Volker Ovelgönne, der Leiter der Schule in White Plains, traf zufällig auf mich. Zwei Norddeutsche auf einer Wellenlänge – so entstand die Idee, dass der deutsche Berichterstatter in der WM-Projektwoche seinen Schülern etwas erzählen kann.

Haben alle wirklich zugehört? Egal, die Rückfahrt im gelben Schulbus war erhebend, als alle Frank Sinatra nachsangen – ein unvergessliches Erlebnis. Ein Goldpokal für diese goldigen Schüler.

Die meisten Aktivitäten waren durchweg kostenlos, was bei einer WM von großem Wert war, da ein Blick auf die Kreditkartenabrechnung alles verderben könnte. Allerdings begann der von der FIFA-Media App empfohlene Transport in New York als Vollkatastrophe, mit zu wenigen Bussen. Auf dem Hinweg suchten die Fahrer den richtigen Eingang, und auf dem Rückweg ging im Siegestaumel der New York Knicks am Madison Square Garden nichts mehr voran.

Das konnte niemand verhindern, aber die Beschwerde fruchtete. Danach war der Transport zu abgelegenen Stadien, wie von Boston nach Foxborough, gut organisiert, und die Shuttles brachten auch zahlreiche deutsche Journalisten zurück in die Stadt.

Von den Ausflügen mit dem Mietrad war der Trip nach South Beach der heißeste. Die Einblicke in eines der wildesten Partygebiete Amerikas waren beeindruckend, aber nichts für die „normalen“ Touristen. Es war eine schräge Feierkultur, die nach Rauschmitteln roch – eine Lebenserfahrung. Vermutlich war Lionel Messi hier nie, aber das junge Publikum könnte ihn glatt übersehen. Sport in Florida ist bei der Schwüle eine Tortur, und nach der Radtour war eine lange kalte Dusche nötig.

Um einen Platz zum Bahnenschwimmen im Hallenbad zu finden, musste ich auf künstliche Intelligenz zurückgreifen. Diese half mir, zwei ausgezeichnete Schwimmbäder zu finden, in denen ich alle paar Tage meinen Kopf freischwimmen konnte. In New York empfehlenswert: der Upper East Side Campus auf der 90. Straße. Für 35 Dollar gab es abgesperrte Bahnen und freundliche Bademeister. Oft kam ich mit anderen Schwimmern ins Gespräch.

Der teure Eintritt lohnte sich. Noch besser war das C.T. Martin Natatorium am King Drive in Atlanta. Eine Fahrt aus der Innenstadt kostete rund 20 Dollar mit dem Uber, und die freundlichen Damen verlangten keinen Eintritt. Ein 50-Meter-Becken mit zehn Bahnen – einmal eine Stunde ganz allein gekrault. Mein „American Dream“ – die US-Flagge hing an der Wand des Hallenbades.

Die Eigenart amerikanischer Stadien: Während es im Winter beim American Football angenehm sein kann, hinter Glasscheiben zu sitzen, möchte man beim Fußball das Geschehen direkt erleben und hören. Diese Abtrennung war ein Stimmungskiller. Wenn vorne der Fernseher lief und dahinter ein Radioreporter schrie, entstand ein Mix, der das Stadionerlebnis ruinierte. Der Blick aus der Kurve war nicht so schlimm, an die Pressboxen gewöhnte man sich jedoch nicht.

Es war aufregend und atemberaubend. Nach der Landung ging es gleich in den Central Park. Welch Flair! So viele Menschen. Ich verbrachte fast eine Stunde damit, beim Pickleball zuzuschauen. Die Stadt zwang zur ständigen Aufmerksamkeit, von früh bis spät. Nach ein paar Tagen hatte ich den Mut, mir ein City Bike zu mieten.

Aber Vorsicht: Nur einige Straßen haben die grünen Streifen, ohne die das Radfahren nicht möglich wäre. Es war gefährlich, denn viele Lieferdienste ignorierten die vorgegebene Fahrtrichtung und rasten mit hoher Geschwindigkeit über diese Streifen. Autofahrer übersahen beim Abbiegen alles, was nicht aus Blech war. Ehrlich gesagt, ohne Helm zu fahren, war leichtsinnig, aber es machte trotzdem Spaß.

An den US-Flughäfen sind lange Schlangen unerlässlich, aber sie lösten sich schnell auf, da alles perfekt organisiert war. Vor einem WM-Stadion hingegen wuchs die Schlange minütlich, wenn es so unorganisiert ablief wie vor dem Halbfinale oder Finale. Viel zu wenige Scanner am Medien-Eingang. Als die bunten Bänder für Rucksäcke und Taschen ausgingen, ging in Atlanta gar nichts mehr.

Tumultartige Szenen entstanden, als ein FIFA-Mitarbeiter die Medienvertreter zum Eingang B schickte – eine Sackgasse. Verzögerungen. Eine Minute vor Anpfiff weigerte sich eine Frau, den gestressten Freelancer aus Deutschland nach unten zu bringen. Zusammenbruch. Weinkrampf. Und das in der Lieblingsstadt. Die WM war eine Gratwanderung zwischen Traum und Albtraum in einem Land, das Extreme fördert. Der Abschied nach der WM fiel schwerer als gedacht.

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