WM 2026: Nagelsmann vor entscheidenden Fragen gegen Ecuador
Gruppensieg gesichert, doch Julian Nagelsmann steht vor entscheidenden Fragen vor dem letzten Gruppenspiel gegen Ecuador bei der WM 2026.
New York – Drei Fragen, ein Spiel, viele Antworten gesucht: Wenn Deutschland am Donnerstag um 22:00 Uhr gegen Ecuador antritt, hat Bundestrainer Julian Nagelsmann mehrere wichtige Entscheidungen zu treffen. Der Gruppensieg ist bereits sicher, das Sechzehntelfinale ebenfalls – also: Wer spielt, wer bleibt auf der Bank, und wird Deniz Undav endlich von Beginn an auflaufen?
„Es erschließt sich mir nicht, warum ich 26 Spieler dabei habe, wenn ich sie nur auf der Bank sitzen lasse, obwohl alle gut sind und spielen wollen“, äußerte Nagelsmann bereits vor dem Turnier. Jetzt hat er die Gelegenheit, dies zu ändern. Sechs Feldspieler warten noch auf ihre ersten WM-Minuten: Malick Thiaw, Angelo Stiller, Pascal Groß, Maximilian Beier, Nick Woltemade und Assan Ouedraogo. Das Spiel gegen Ecuador bietet ihnen ihre Chance.
Zusätzlich gibt es eine neue FIFA-Regel, die Nagelsmann mehr Freiraum verschafft: Gelbe Karten werden nach der Gruppenphase gestrichen. Kein einziger der 18 bisher eingesetzten Deutschen hat eine Gelbe Karte erhalten – das Risiko einer Sperre ist somit null. Da zwischen dem Spiel gegen Ecuador und dem ersten K.o.-Spiel am 29. Juni in Foxborough nur vier Tage liegen, ist eine Rotation in der Belastungssteuerung praktisch Pflicht. Spieler wie Kai Havertz und Jamal Musiala könnten beispielsweise eine Pause erhalten.
Die zentrale Frage, die die Fußballnation beschäftigt, lautet jedoch: Undav – Starter oder Joker? Der Stuttgarter hat in lediglich 56 Spielminuten drei Tore erzielt und zwei weitere vorbereitet. Beide Male wurde er erst in der 60. Minute eingewechselt und entschied dennoch die Spiele. Nagelsmann brachte das Thema nach dem 2:1-Sieg gegen die Elfenbeinküste auf den Punkt: „Jetzt wird wieder die Frage aufgeworfen: Wird er irgendwann mal starten?“ Er ließ beide Optionen offen.
„Man kann sagen, lass ihn in seinem Flow, weil er in dieser Rolle erfolgreich war. Oder man bringt ihn von Beginn an“, so Nagelsmann. Eine Entscheidung steht noch aus: „Wir werden beide Möglichkeiten diskutieren, auch mit Deniz.“ Undav selbst bleibt gelassen: „Es liegt am Bundestrainer. Er trifft die Entscheidung. Ich versuche einfach, meinen Job zu machen“, erklärte er. Was das Geheimnis seiner Tore angeht, meint er: „Einfach nur draufballern.“
Kapitän Joshua Kimmich lobt die Wirkung seines Teamkollegen: „Man spürt in jedem Moment, wenn er den Ball bekommt, dass er das Gefühl hat, mit jeder Aktion das Spiel entscheiden zu können. Das ist sehr wichtig.“ Zudem fügte er hinzu: „Gerade bei Spielern, die von außen kommen, sind manchmal 30 Minuten genug Zeit, um einen entscheidenden Einfluss zu haben. Das hat Deniz bereits zweimal gut gezeigt.“
TV-Experte Mats Hummels dämpft bei MagentaTV die Erwartungen an einen Startplatz mit einem historischen Hinweis: „Fragen Sie mal André Schürrle, ob er 2014 glücklich war.“ Schürrle hatte damals als Joker im WM-Finale den entscheidenden Treffer von Mario Götze vorbereitet und wurde Weltmeister. Manchmal ist die Bank der beste Platz.
Unabhängig von Nagelsmanns Entscheidung zur Undav-Frage hat er in der Abwehr keine Wahl. Nico Schlotterbeck ist verletzt. Der 26-Jährige zog sich im Spiel gegen die Elfenbeinküste bereits in der 13. Minute einen Innenbandriss im linken Sprunggelenk zu. Er spielte die erste Halbzeit noch unter Schmerzen und wird nun für mehrere Monate ausfallen.
Die WM ist für den BVB-Star beendet. Antonio Rüdiger, der zur Halbzeit eingewechselt wurde, wird voraussichtlich den Platz neben Jonathan Tah einnehmen. Thiaw und Anton stehen als Backup bereit. Eine Nachnominierung ist nicht möglich – die FIFA-Frist ist bereits abgelaufen. Dies hinterlässt eine taktische Lücke, die schwer zu schließen ist, da Schlotterbeck der einzige Linksfuß in der deutschen Innenverteidigung war.
Sein Spielaufbau durch Diagonalbälle und vertikale Pässe war ein Markenzeichen von Nagelsmanns System. Alle Ersatzspieler sind Rechtsfüße. Teamkollege Nadiem Amiri, der beim Physiotherapeuten direkt neben Schlotterbeck lag, als die Diagnose bekannt gegeben wurde, schilderte die Situation auf der Pressekonferenz: „Da weiß man natürlich erstmal gar nicht, was man sagen soll. Man sieht einfach, dass er leer ist.“
Die Anteilnahme der Mannschaft war groß, aber auch erdrückend. „Wenn dann jeder auf ihn zugeht, gute Besserung wünscht und ihn aufmuntern will, ist das auch ziemlich viel“, sagte Amiri. „Ein gewisser Abstand tut ihm, denke ich, ganz gut, um das alles erstmal zu verarbeiten.“ Schlotterbeck selbst fand auf Instagram klare Worte: „Ich brauche noch etwas Zeit, um das Ganze zu verarbeiten. Was jetzt zählt, ist die Mannschaft.“