WM-Finale: Taktik-Analyse von Spanien und Argentinien

WM-Finale: Taktik-Analyse von Spanien und Argentinien

Zwei Welten treffen im WM-Finale aufeinander: Taktik-Experte Sebastian Friedl erläutert, warum Spanien das Spiel dominieren könnte, aber am Ende möglicherweise dennoch leer ausgeht.

New York – Ballbesitz gegen Pressing, Geduld gegen Aggressivität – das WM-Finale am Sonntag, den 19. Juli, um 21 Uhr im MetLife Stadium in New York verspricht, ein taktisches Meisterwerk zu werden. Spanien und Argentinien verfolgen völlig unterschiedliche Ansätze, um den Titel zu erringen. Sebastian Friedl vom Internationalen Fußball Institut hat beide Teams in der „WM-WG“ powered by Absolut Fußball genau analysiert und erklärt, warum ein einzelner Spieler den Unterschied ausmachen könnte.

Spaniens Strategie ist einfach, aber wirkungsvoll: den Ball kontrollieren, das Spiel dominieren und den Gegner zermürben. Im Halbfinale gegen Frankreich funktionierte dies so gut, dass die Franzosen nur auf einen Erwartete-Tore-Wert von 0,31 kamen, während Spanien 1,63 erzielte. Auch gegen Argentinien soll dieser Plan aufgehen. „Spanien wird im Finale versuchen, durch hohen Ballbesitz das Spiel zu kontrollieren und Argentinien zu vielen Defensivaktionen zu zwingen, um sie zu ermüden und ihre Motivation zu brechen“, erläutert Friedl.

Die Logik dahinter ist klar: Wer Argentinien den Ball abnimmt, entzieht auch Messi den Einfluss. Argentinien hat gegen England gezeigt, wie es dagegen vorgehen kann: früh stören, provozieren und Fouls erzeugen. In der ersten Halbzeit begingen sie allein zwölf Fouls, ohne eine einzige Torchance – ein WM-Rekord. Trainer Lionel Scaloni ließ seine Mannschaft bewusst unangenehm spielen, was sie auch gegen Spanien beabsichtigen wird.

„Argentinien wird versuchen, das Spiel früh zu stören und Spanien unter Druck zu setzen, ähnlich wie gegen England“, so Friedl. Allerdings ist Spanien schwerer aus dem Konzept zu bringen als England. „Spanien ist im Ballbesitz technisch und in der Positionstaktik überlegen“, urteilt der Experte.

Argentinien hat jedoch auch bewiesen, dass es in der Lage ist, Rückschläge zu verkraften. Nach einem Rückstand drehten die Südamerikaner das Spiel gegen England noch in der regulären Spielzeit – Fernandez (85.) glich aus, und Martinez (90.+2) köpfte den Sieg, wobei beide Tore von Messi vorbereitet wurden, der zuvor kaum sichtbar war.

Und genau das ist das Problem für Spanien. Messi kann 80 Minuten lang unsichtbar sein und dennoch das Finale entscheiden. „Messi ist immer ein entscheidender Faktor im argentinischen Spiel. Auch wenn er für einen Teil des Spiels nicht auffällt, weiß er, dass seine Momente kommen werden“, sagt Friedl.

Je länger das Spiel dauert, desto gefährlicher wird er: „Mit zunehmender Spieldauer erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass er seine Chancen nutzt. Egal, ob es die 20. oder die 87. Minute ist, Messi weiß, wie er diese Gelegenheiten ausspielen kann.“ Spanien kann alles richtig machen und dennoch verlieren. „Deshalb bleibt er eine Trumpfkarte, die über die gesamte Spieldauer des WM-Finales in argentinischer Hand ist – auch wenn er zwischenzeitlich nicht wahrgenommen wird.“

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