Abed Nankishi über seine Zeit bei Werder Bremen und den VfB Stuttgart
Abed Nankishi spricht im DeichStube-Interview über seinen verpassten Durchbruch bei Werder Bremen, seine bevorstehende Zeit beim VfB Stuttgart und seinen Freund Salim Musah.
Stuttgart – Nankishi, der seit der U12 für Werder Bremen spielte und den Sprung vom Eigengewächs zum Profi schaffte, konnte seinen endgültigen Durchbruch an der Weser nicht erreichen. Im vergangenen Sommer verließ er die Grün-Weißen und wechselte zur zweiten Mannschaft des VfB Stuttgart in die 3. Liga. In einem Interview mit DeichStube spricht der gebürtige Bremerhavener vor dem Bundesliga-Spiel gegen seinen ehemaligen Club über sein herausforderndes Jahr beim VfB, die Gründe für seine „gescheiterte Werder-Mission“ und einen bevorstehenden Wechsel im Sommer.
„Herr Nankishi, Sie sind im vergangenen Sommer nach elf Jahren bei Werder Bremen, in denen Sie zweimal verliehen wurden, fest zum VfB Stuttgart gewechselt. Wie gefällt Ihnen das Leben im Süden?“ „Sehr gut, ich habe mich hier schnell eingelebt und bin wirklich sehr glücklich mit der Stadt und meinen Teamkollegen. Besser kann man sich nicht einleben.“
„Wie schwierig war es für Sie, den endgültigen Schritt nach so einer langen Zeit in Bremen zu gehen?“ „Das ging. Da ich bereits Zwischenstopps hatte und fast zwei Jahre in den Niederlanden verbracht habe, fiel es mir nicht so schwer.“
„Wie haben Sie die Zeit am Neckar bisher erlebt?“ „Bis heute würde ich es wie eine Achterbahnfahrt beschreiben – mit vielen Höhen und Tiefen. Am Anfang lief es gut, dann kam leider schnell eine Verletzung, die mich länger rausgeworfen hat. Aber jetzt geht es langsam wieder aufwärts.“
Nach einer Adduktorenverletzung hat Nankishi in seinen letzten sechs Einsätzen fünf Scorerpunkte erzielt. „Wie weit sind Sie von Ihrer Topform entfernt?“ „Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Aber ich nehme gerade einen guten Anlauf. Es ist wichtig für mich, Spiel für Spiel von Beginn an aufzulaufen. Natürlich ist es schön, dass ich der Mannschaft auch als Joker helfen kann, aber es ist nicht dasselbe, wenn man reingeworfen wird. Ich bin ein Spieler, der immer hungrig ist. Deshalb bin ich nicht ganz zufrieden mit dem, was ich leiste, weil ich denke: Es geht noch mehr.“
„Mit dem VfB Stuttgart spielen Sie eine sorgenfreie Saison, der Klassenerhalt in der 3. Liga ist gesichert. Mit welchen Zielen gehen Sie in die letzten Spiele?“ „Ich sage jetzt nicht: ‚Ich will sieben Tore schießen‘, weil ich finde, dass man sich damit eine Grenze setzt. Ich gehe auf den Platz und will immer das Bestmögliche herausholen – viele Tore oder Vorlagen, so wenig Ballverluste wie möglich.“
„Ihr Vertrag beim VfB läuft im Sommer aus. Haben Sie schon über eine mögliche Verlängerung gesprochen?“ „Ich habe kürzlich mit Tobias Werner gesprochen. Es ist klar, dass wir uns nach dieser Saison trennen. Die Verantwortlichen haben gesagt, dass sie mit meinem Jahr hier zufrieden sind, aber da ich ab Sommer nicht mehr unter die U23-Regelung falle, bekomme ich kein neues Angebot.“
„Sie werden im Sommer 24 Jahre alt. Was planen Sie für den nächsten Schritt?“ „Ich bin nicht mehr der jüngste Spieler, also muss ich die nächste Entscheidung im Sommer weise treffen. Ich werde schauen, was das Beste für meine Karriere ist.“
„Wollen Sie in Deutschland bleiben oder können Sie sich auch wieder eine Station im Ausland vorstellen?“ „Meine Zeit in Almelo hat mir gezeigt, dass ich die niederländische Liga mag. Deutschland oder die Niederlande sind die zwei Länder, die ich priorisiere.“
„Am Wochenende trifft der VfB Stuttgart auf Ihren langjährigen Club Werder Bremen. Wie blicken Sie auf das Spiel?“ „Ich bin echt gespannt. Ich kenne die Bremer Jungs noch etwas besser. Wenn es passt, verfolge ich noch einige Werder-Spiele. Ich drücke beiden die Daumen: Werder wünsche ich den Klassenerhalt und Stuttgart die Rückkehr in die Champions League.“
„Was ist aus Ihrer Sicht realistischer?“ „Ich würde sagen, beides. Werder ist in dieser Saison eine Wundertüte. Aber wenn sie gut drauf sind, können sie starke Gegner schlagen. Der VfB spielt eine starke Saison und hat in der Europa League sehr guten Fußball gezeigt.“
„Am Sonntag sind Sie mit der U21 in Havelse im Einsatz. Wären Sie sonst im Stadion dabei gewesen?“ „Genau, ich werde das Spiel wahrscheinlich auf dem Handy verfolgen.“
„Für Werder haben Sie unter Trainer Markus Anfang sechs Zweitliga-Spiele und einen DFB-Pokal bestritten. Warum hat es Ihrer Meinung nach nicht mit dem Durchbruch geklappt?“ „Am Anfang lief es gut. Ich hatte viel Pech mit Verletzungen. Als ich zurückkam, hatte die Mannschaft einen Lauf.“
„Unter Trainer Ole Werner mussten Sie damals wieder zurück in die U23. Wie schwierig war das?“ „Das war hart. Es fühlte sich wie ein Rückschritt an, aber ich wollte Spielzeit haben, da ich lange keine 90 Minuten in den Beinen hatte.“
„Blicken Sie eher mit Stolz oder Wehmut auf Ihre Zeit bei Werder zurück?“ „Es fühlt sich an, als hätte ich die Mission nicht abgeschlossen. Aber wer weiß, vielleicht spiele ich eines Tages nochmal für Werder. Ich schaue optimistisch in die Zukunft und genieße meine letzten Spiele beim VfB.“
„Zu Werder haben Sie nach wie vor einen guten Draht, Ihre Familie lebt in Bremen. Mit wem sind Sie noch häufig im Austausch?“ „Ich bin niemand, der sich zurückzieht, ich halte den Kontakt.“