Atakan Karazor: Skurrile Situation bei der türkischen Nationalmannschaft
Die Situation von Atakan Karazor in der türkischen Nationalmannschaft ist ungewöhnlich. Der Trainer des VfB Stuttgart, Sebastian Hoeneß, äußert sich zwar zurückhaltend, lässt jedoch durchblicken, dass er sich eine andere Entwicklung wünscht.
Stuttgart – Es ist eine bemerkenswerte Geschichte. Atakan Karazor, Kapitän des VfB Stuttgart, wurde bereits dreimal für die türkische Nationalmannschaft nominiert, doch sein Debüt steht weiterhin aus. Auch bei den jüngsten klaren Siegen gegen Bulgarien (6:1) und Georgien (4:1) blieb er unberücksichtigt. Im ersten Spiel war er nicht im Kader, im zweiten saß er die gesamte Spielzeit auf der Bank.
Diese irritierende Situation hat auch Hoeneß bemerkt. Auf eine Anfrage von Absolut Fussball, dem Fußball-Portal von Home of Sports, sagte er: „Zunächst einmal hat die türkische Nationalmannschaft sehr viele talentierte Spieler. Ich mache kein Geheimnis daraus, dass ich mir gewünscht hätte, dass Ata sich jetzt offiziell Nationalspieler nennen kann.“
Hoeneß ist der Überzeugung, dass Karazor in der Lage ist, auch bei der Türkei seine Stärken einzubringen. Dennoch wollte er sich nicht in die Entscheidungen des Nationaltrainers einmischen: „Das wäre nicht korrekt, da er als Nationaltrainer viele Aspekte berücksichtigen muss, die ich nicht nachvollziehen kann.“
Hoeneß betonte, dass er sich auch nicht zu den Entscheidungen von Bundestrainer Julian Nagelsmann äußern würde. Die Odyssee begann im Oktober 2024, als Karazor erstmals für die Türkei berufen wurde. Der in Essen geborene Spieler mit türkischen Wurzeln hatte sich entschieden, für das Heimatland seiner Eltern zu spielen, nachdem er keine Einladungen vom DFB erhalten hatte.
Doch anstelle von Freude folgte in der Türkei ein medialer Aufschrei: Ein laufendes Strafverfahren gegen Karazor führte zu heftiger Kritik. Nationaltrainer Vincenzo Montella strich ihn daraufhin zunächst aus dem Kader. Inzwischen hat sich die Aufregung gelegt, und Karazor durfte erneut zur Nationalmannschaft reisen, jedoch kam er erneut nicht zum Einsatz.
Besonders kurios war die Situation beim 4:1-Sieg gegen Georgien: Karazor war der einzige Spieler im Aufgebot ohne bisheriges Länderspiel. Statt ihn bei komfortabler Führung sein Debüt feiern zu lassen, wurde beispielsweise Salih Öczan eingewechselt, der bei Borussia Dortmund kaum Spielzeit erhält und in dieser Saison bislang nur 20 Minuten in der Bundesliga gespielt hat.
Der Umgang des türkischen Verbands mit Karazor ist kaum nachvollziehbar. Leistungstechnisch könnte es Gründe geben, da ihm Chema Andres in Stuttgart den Rang abgelaufen hat. Doch warum wird er dann überhaupt nominiert? Oft wird angeführt, dass Nationaltrainer Montella lieber auf Spieler setzt, die in der türkischen Süper Lig aktiv sind. Dennoch bleibt die Situation irritierend.