Bayern München lässt Punkte bei Union Berlin liegen
Der FC Bayern München hat beim Spiel gegen Union Berlin erstmals in dieser Saison Punkte abgegeben. Das 2:2-Unentschieden in der Hauptstadt offenbarte mehrere wichtige Erkenntnisse.
Mit dem Remis in Berlin endete die beeindruckende Siegesserie der Bayern, die zuvor 16 Pflichtspiele in Folge gewonnen hatten. Der einzige Punkt, den die Münchner in diesem Spiel holten, resultierte aus einem späten Ausgleichstreffer von Harry Kane, der eine mögliche Niederlage verhinderte.
Besonders in der ersten Halbzeit konnte der FC Bayern nicht überzeugen und war den Hausherren deutlich unterlegen. Es war offensichtlich, dass die Spieler erschöpft und überlastet waren. Trainer Vincent Kompany überraschte mit seiner Aufstellung, indem er nur eine Änderung im Vergleich zum 2:1-Sieg gegen Paris Saint-Germain vornahm: Leon Goretzka startete anstelle von Aleksandar Pavlovic. Das Spiel in Berlin zeigte jedoch, dass eine umfassendere Rotation notwendig gewesen wäre.
Die intensive Begegnung am Dienstag im Parc des Princes gegen eine der stärksten Mannschaften Europas hatte viel Kraft gekostet. Es ist gut möglich, dass einige Spieler sich vor dem Spiel in der Alten Försterei selber für einen Einsatz gemeldet hatten. Joshua Kimmich beispielsweise hatte nach dem Abpfiff in Paris erklärt, dass er unbedingt in Berlin spielen wolle. Dennoch war auch ihm anzusehen, dass die Energie fehlte, ebenso wie vielen anderen Leistungsträgern des FC Bayern.
Besonders auffällig war, dass der beste Spieler auf dem Platz, Luis Diaz, aufgrund seiner Roten Karte in Paris eine Halbzeit Pause hatte. Kompany hoffte anscheinend, dass seine Spieler vor der Länderspielpause noch einmal alle Reserven mobilisieren könnten, was jedoch nicht gelang. Spieler wie Minjae Kim, Sacha Boey, Lennart Karl oder Nicolas Jackson hätten von Beginn an spielen können, da sie frischer gewesen wären. Die Stammspieler hätten später eingewechselt werden können.
Auf der anderen Seite konnte Goretzka als einziger frischer Spieler in Berlin ebenfalls nicht überzeugen – im Nachhinein ist es natürlich immer leichter zu urteilen. Letztendlich war der Punktverlust für die Bayern jedoch kein schwerwiegendes Problem. Torschütze Kane äußerte nach dem Ausgleich bei Sky zur beendeten Siegesserie: „Natürlich wollen wir jedes Spiel gewinnen, aber so eine Serie kann auch Druck aufbauen.“ Sein Fazit lautete: „Vielleicht ist es gar nicht schlecht, dass sie jetzt endet – Hauptsache, nicht mit einer Niederlage.“
Manuel Neuer spielte bisher eine herausragende Saison, und viele gehen davon aus, dass der 40-Jährige ein weiteres Jahr beim FC Bayern dranhängen wird. Möglicherweise wird sein Vertrag noch in diesem Jahr um ein weiteres Jahr verlängert. Trotz seines fortgeschrittenen Alters zeigt Neuer weiterhin hervorragende Leistungen. In Berlin machte er jedoch auch deutlich, dass er nicht unfehlbar ist.
Das Gegentor zum 0:1 ging auf seine Kappe, als er den schwachen Schuss von Danilho Doekhi unter seinem Körper durchrutschen ließ. Neuer zeigte sich nach dem Spiel selbstkritisch: „Am ersten Tor hatte ich natürlich auch meine Anteile dran“, sagte er bei Sky. „Die Sicht war nicht perfekt für mich, aber ich habe die falsche Entscheidung getroffen.“
Kompany nahm Neuer jedoch in Schutz: „Was glauben Sie, was ich auf diese Frage antworte?“, fragte der Trainer, als er auf den Fehler angesprochen wurde. „Dass ich etwas gegen meine Nummer eins sage? Sicher nicht.“
Beide Gegentore in Berlin fielen nach Standardsituationen – das 1:0 durch Doekhi nach einer Ecke und der zweite Treffer nach einem langen Freistoß. Zuvor war ein Ball bereits nach einer Ecke im Bayern-Netz gelandet, jedoch wurde das Tor wegen einer knappen Abseitsposition von Berlins Ilyas Ansah nicht anerkannt.
Insgesamt zeigt sich eine Schwäche in der Defensive der Bayern bei gegnerischen Standards. Auch beim 4:1-Sieg im DFB-Pokal in Köln geriet die Mannschaft nach einer Ecke in Rückstand und hatte bei weiteren Standards Schwierigkeiten. Hier sollten die Bayern in Zukunft besonders vorsichtig sein.
Die meisten Teams sind derzeit spielerisch unterlegen, jedoch können Standards eine Möglichkeit sein, der Mannschaft von Kompany zu schaden. Besonders schmerzhaft wäre eine Niederlage im nächsten Aufeinandertreffen mit Union im Stadion An der Alten Försterei: Am 3. Dezember müssen die Münchner dort im DFB-Pokal erneut antreten. Danach streben die Bayern an, im selben Wettbewerb erneut nach Berlin zu reisen, um im Olympiastadion das Finale zu erreichen. Daher sollten sie sich gegen Union keine weiteren Schwächen bei der Verteidigung von Standards erlauben.