Borussia Dortmund: Ambitionen und Kommunikationsschwierigkeiten

Borussia Dortmund: Ambitionen und Kommunikationsschwierigkeiten

Der BVB ist in der noch jungen Saison der erste Verfolger des FC Bayern, doch in Dortmund gibt es keine einheitliche Sprachregelung dazu.

Dortmund – Borussia Dortmund ist neben dem FC Bayern die einzige ungeschlagene Mannschaft der Bundesliga nach vier Spieltagen und belegt mit zehn Punkten den zweiten Platz in der Tabelle. Die logische Frage, ob der BVB der erste Herausforderer der Bayern ist, sorgte nach dem Sieg gegen Wolfsburg am Sonntag für unterschiedliche Reaktionen.

Nico Schlotterbeck, der nach fünfmonatiger Verletzungspause überraschend über 90 Minuten auf dem Platz stand, strahlte vor Freude und erklärte bei DAZN: „Wichtig ist jetzt, an den Bayern dranzubleiben, vorne wegzumarschieren, denn dann entwickelt sich vielleicht etwas. Bei Borussia Dortmund spielt man, um etwas zu gewinnen. Dafür bin ich hierhergekommen und dafür arbeiten wir.“

Gleichzeitig vermittelte Sebastian Kehl in der Mixed Zone, unter anderem gegenüber Absolut Fussball, eine völlig andere Botschaft: „Diesen Begriff ‚Bayern-Jäger‘ hatte ich in den letzten Tagen irgendwie mit einem anderen Klub in Verbindung gebracht. Es ist mir völlig egal. Nach dem vierten Spieltag darüber zu reden, macht gar keinen Sinn“, betonte der Sportdirektor.

Bereits nach dem Sieg gegen den 1. FC Heidenheim am dritten Spieltag gab es Wirbel um die unterschiedliche Kommunikation beim BVB. „Unser Ziel ist: Wir wollen Meister werden“, sagte Angreifer Maximilian Beier beim TV-Sender Sky. Trainer Niko Kovač schmunzelte in der Pressekonferenz anschließend und bemerkte, dass er dem jungen Nationalspieler solche „Flausen“ schon austreiben werde.

Auch am Sonntag wiederholte Kovač bei DAZN sein Understatement und verwies auf die Statistik, die der Kroate in diesen Wochen fast schon gebetsmühlenartig präsentiert: „Wir hatten letztes Jahr 25 Punkte Rückstand auf den FC Bayern und zwölf auf Bayer Leverkusen. Wir müssen erst einmal zusehen, dass wir wieder in die Champions League kommen.“

Der Eindruck, der entsteht, ist folgender: Die Spieler gehen offensiv und ambitioniert in die Saison, während die Verantwortlichen bremsen. Die Vorsicht von Kehl und Kovač ist jedoch nachvollziehbar. Wer sich selbst zum „Bayern-Jäger“ erklärt, rutscht oft auf das „Glatteis“, auf das sich der Trainer nicht führen lassen möchte. Besteht aber auch die Gefahr, zu sehr auf die Euphoriebremse zu treten?

Ein Blick auf den FC Bayern verdeutlicht den Unterschied. Dort ist die Erwartung, jedes Spiel zu gewinnen, unbestrittene Prämisse. Die geschlossene Front, verewigt im Mantra ‚Mia san mia‘, bietet einen Anker, an dem sich alle festhalten können, und erzeugt gleichzeitig Druck auf die Konkurrenz. Beim BVB fehlt diese klare Leitplanke.

Widersprüchliche Aussagen bieten eine gewisse Angriffsfläche. Die Erzählung von Unstimmigkeiten ist schnell hergestellt. Schon die mediale Reaktion auf den vermeintlichen Maulkorb von Kovač gegenüber Beier übersah die Lockerheit, mit der der Trainer die Angelegenheit eigentlich moderiert hatte.

Um solchen Fällen entgegenzuwirken, benötigt der BVB eine kohärente Kommunikationsstrategie. Dabei ist es nicht entscheidend, ob der Verein offensiv Ambitionen verkündet oder sich vorsichtig auf Prozesse und den eigenen Weg konzentriert. Entscheidend ist, dass alle die gleiche Sprache sprechen. Vom Reden allein kommt kein Erfolg – aber widersprüchliche Kommunikation kann zum Problem werden, wenn sie Unruhe stiftet.

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