Borussia Dortmund setzt auf Nachwuchsförderung
In einem überraschenden Schritt wollen zwei Münchner Borussia Dortmund an die Spitze des europäischen Nachwuchsfußballs führen. Der Plan des BVB zeigt bereits erste Erfolge.
Dortmund – Hätten die Profis von Borussia Dortmund am Dienstag die Gelegenheit gehabt, bei der U19 vorbeizuschauen, hätten sie möglicherweise eine wichtige Lektion gelernt. Während die Mannschaft von Niko Kovač in der Nachspielzeit das Spiel gegen Juventus verlor, brachte der Nachwuchs seine Führung in der Youth League erfolgreich über die Zeit.
Der 3:2-Sieg war ein starkes Zeichen der wichtigsten Jugendmannschaft des BVB, die intern als in einem Übergangsjahr befindlich angesehen wird. Dortmund durchläuft derzeit einen grundlegenden Wandel in der Nachwuchsarbeit. Paul Schaffran, Thomas Broich und Felix Hirschnagl sind die zentralen Figuren dieser Neuausrichtung, die bereits erste Früchte trägt.
Schaffran leitet das Nachwuchsleistungszentrum, nachdem er den Posten von Sportchef Lars Ricken übernommen hat. Broich ist der Sportliche Leiter und Vordenker im Jugendbereich des BVB, während Hirschnagl als neuer Cheftrainer der U19 die Nachfolge von Mike Tullberg angetreten hat. Das Trio verfolgt eine klare Mission: Den BVB wieder an die Spitze der europäischen Jugendarbeit zu bringen.
In den vergangenen Jahren war Dortmund zwar in Bezug auf Titel erfolgreich, hatte jedoch Schwierigkeiten, Spieler für den eigenen Profibereich zu entwickeln. Dies muss jedoch das Kerngeschäft eines Bundesliga-Klubs im Nachwuchsbereich sein. Der Fokus liegt unter der neuen Führung daher stärker auf der Förderung von Talenten als auf der Orientierung an Ergebnissen – ohne dass der BVB plötzlich zahlreiche Spiele verlieren würde.
Im Gegenteil, der 3:2-Sieg gegen Juventus war bereits das dritte Ausrufezeichen der neuen Saison. Auch die Siege in der DFB-Nachwuchsliga gegen die favorisierten Teams des VfL Bochum und Bayer Leverkusen hinterließen einen bleibenden Eindruck. „Das war mein bisher größtes Spiel als Trainer“, sagte Hirschnagl nach dem Erfolg gegen die italienischen Talente.
Der 41-Jährige hat sich vor seinem Wechsel zum BVB beim FC Augsburg und insbesondere bei 1860 München einen Namen unter Jugendexperten gemacht. Für den gebürtigen Münchner war der Schritt nach Dortmund auch aufgrund der Zusammenarbeit mit Broich und Schaffran, die beide ebenfalls aus München stammen, besonders reizvoll.
„Felix und seine Ideen zur Spielerentwicklung passen hervorragend zu unseren Zielen im Nachwuchsbereich“, erklärte Schaffran die Verpflichtung von Hirschnagl im Sommer. „Bereits im ersten Gespräch mit den BVB-Verantwortlichen fühlte es sich wie ein ‚Perfect Match‘ an. Ich treffe hier auf großartige Menschen, kann Impulse setzen und die Spielidee weiterentwickeln“, sagte Hirschnagl.
Talente wie Mathis Albert und Samuele Inacio, die bereits zum Trainingskader der BVB-Profis bei der FIFA Klub-WM gehörten, profitieren von einem Konzept, das individuelle Stärken fördert. Das Ziel ist es, „eine Rampe zu den Profis zu bauen“, erklärten Schaffran und Broich in einem BVB-Podcast. „Unsere Vision ist es, in fünf bis 15 Jahren die führende Talentschmiede Europas zu sein“, fügte Schaffran hinzu.
Dies verdeutlicht, dass diese Revolution kein Sprint, sondern ein Marathon ist. Der BVB möchte ein Sprungbrett für internationale Talente bleiben, eigene Spieler zu Topprofis entwickeln und natürlich auch sportlichen Erfolg haben. Fans können übrigens hautnah dabei sein: Die Liga-Spiele der U19 im Trainingszentrum des BVB im Stadtteil Brackel sind kostenfrei zugänglich.