Debatte um Thomas Tuchel nach WM-Aus: Michael Owen fordert Verbot ausländischer Trainer
Nach dem enttäuschenden WM-Aus gegen Argentinien wächst der Druck auf Thomas Tuchel, den Nationaltrainer Englands. Michael Owen, eine Legende des englischen Fußballs, hat sich nun mit einer radikalen Forderung zu Wort gemeldet, die über die derzeitige Diskussion um Tuchel hinausgeht.
Der ehemalige Stürmer von Liverpool, Real Madrid und Manchester United äußerte auf der Plattform X, dass noch kein ausländischer Trainer ein Nationalteam zu einem Weltmeistertitel geführt habe. Seine Schlussfolgerung: „Es sollte im Nationalmannschaftsfußball keine ausländischen Trainer geben.“ Damit stellt Owen auch Tuchels Eignung für die Position in Frage.
Der deutsche Trainer sieht sich seit der 1:2-Niederlage gegen den Titelverteidiger Argentinien, bei der England eine Führung ab der 85. Minute verspielte, starkem Druck ausgesetzt. Besonders seine zurückhaltende Spielweise nach dem Führungstor durch Anthony Gordon wird in den englischen Medien kritisiert. Trotz der Herausforderungen plant der 52-Jährige, seinen Vertrag bis zur Heim-EM 2028 zu erfüllen.
Bis zu dem dramatischen Halbfinal-Aus konnte Tuchel jedoch auf eine bemerkenswerte Bilanz verweisen: Seit seinem Amtsantritt im Januar 2025 blieben die Three Lions in Pflichtspielen ungeschlagen, verloren lediglich zwei Testspiele. Diese Serie brachte ihm einen historischen Rekord unter Europas Nationaltrainern ein, der in der aktuellen Kritikwelle fast in Vergessenheit gerät.
Owen ist nicht die einzige Stimme, die an Tuchel zweifelt. Auch Gary Lineker, eine weitere Ikone des englischen Fußballs, hat öffentlich in Frage gestellt, ob der Deutsche die Nationalmannschaft weiterbringen kann, und dabei die deutsche Fußballkultur kritisiert. Wayne Rooney hat ebenfalls Bedenken geäußert. Der öffentliche Druck auf den Nationaltrainer wächst somit aus mehreren Richtungen.
Tuchel sorgte für Aufsehen, als er die Passivität seines Teams nach dem Führungstor auf eine grundsätzliche Schwäche der englischen Fußballkultur zurückführte, anstatt eigene taktische Entscheidungen zu hinterfragen. Diese Haltung stößt erwartungsgemäß auf Widerstand im stolzen Mutterland des Fußballs.
Owens Forderung spiegelt einen aktuellen Trend wider: Bei über der Hälfte der 48 WM-Teilnehmer – konkret 26 Nationen – steht ein ausländischer Trainer an der Seitenlinie. Im Vergleich zur vorherigen Weltmeisterschaft ist dieser Anteil deutlich gestiegen.
Neben England mit Tuchel haben auch Brasilien unter dem erfahrenen Carlo Ancelotti und andere Nationen auf den großen Wurf gehofft, jedoch blieb der Erfolg aus. Im Finale stehen sich nun Spaniens Luis de la Fuente und Argentiniens Lionel Scaloni, beide aus ihren Heimatländern stammend, gegenüber.
Somit steht bereits fest, dass auch 2026 kein ausländischer Trainer einen Titel gewinnen wird. Dieser Fakt untermauert Owens Argumentation. Ob dies in England zu einem Umdenken führt und künftig nur noch auf englische Trainer gesetzt wird, liegt in den Händen des Nationalverbands FA. Eine vorzeitige Trennung von Tuchel scheint derzeit unrealistisch.
Trotz aller Kritik zeigt Tuchel Kampfgeist und betont, weiterhin „hundertprozentig“ an einen großen Titelgewinn mit England zu glauben. „Natürlich machen wir weiter“, erklärte er. Zunächst möchte er sich bei diesem Turnier im Spiel um Platz drei versöhnlich von der Weltbühne verabschieden. In vier Jahren könnte er möglicherweise einen neuen Versuch starten, Historisches zu erreichen – sofern man ihm die Chance dazu gibt.