Der deutsche Clásico: Bayern gegen Dortmund im internationalen Vergleich
München – Am Samstagabend empfängt der FC Bayern München Borussia Dortmund zum deutschen Clásico. Die Vorfreude ist groß, sowohl bei Experten wie Lothar Matthäus als auch bei vielen Fans, da es sich bei diesem Duell um die beiden besten Mannschaften Deutschlands handelt. Ob man dieses Topspiel tatsächlich als "Klassiker" oder "Clásico" bezeichnen kann, bleibt jedoch zu diskutieren.
Unbestritten ist Bayern gegen Dortmund das bedeutendste Duell in der Bundesliga, das mit dem größten Zuschaueraufkommen aufwartet. Doch wie schneidet dieses Duell im internationalen Vergleich ab? Das Fußball-Portal Absolut Fussball von Home of Sports beleuchtet die Situation in anderen europäischen Top-Ligen.
In Frankreich stehen zwei Duelle national über allen anderen: Olympique Marseille gegen Olympique Lyon, bekannt als „Choc des Olympiques“, und Olympique Marseille gegen Paris Saint-Germain, auch „Le Classique“ genannt. Diese Begegnungen waren jedoch aus unterschiedlichen Gründen zunächst relativ harmlos und erhielten erst mit der Kommerzialisierung des Fußballs an Bedeutung.
Ein weiterer Faktor war, dass PSG bis zu Beginn der 1990er-Jahre sportlich kaum relevant war. Erst der Einstieg von Katar veränderte die Machtverhältnisse im französischen Fußball. Seitdem wird versucht, eine politische und historische Dimension in das Aufeinandertreffen von PSG und OM einzubringen, was teilweise durch Ausschreitungen belegt wird.
In Italien ist das größte nationale Duell das „Derby d’Italia“ zwischen Juventus (36 Meistertitel) und Inter Mailand (20 Titel). Dieses Aufeinandertreffen hat vor allem sportliche Bedeutung, da beide Mannschaften seit den 1960er-Jahren als die konstantesten und erfolgreichsten in Italien gelten. Zudem liegt der Abstand zwischen den beiden Städten nur bei 150 Kilometern, was die Rivalität um die Vorherrschaft im Norden des Landes verstärkt.
In England gilt nicht das Derby unter den vielen Londoner Top-Klubs als das größte Spiel, sondern die Rivalität zwischen Manchester United und dem FC Liverpool. Ähnlich wie in Italien gelten beide Städte im Norden als ehemals prosperierende Wirtschaftsstandorte, die nur etwa 50 Kilometer voneinander entfernt sind.
Beide Teams sind aktuell gleichauf als englische Rekordmeister mit jeweils 20 Titeln und haben zahlreiche Europapokal-Triumphe gefeiert. Während Liverpool sechsmal den Landesmeistercup bzw. die Champions League gewann, war Manchester United dreimal erfolgreich. Die Rivalität zwischen den Fans ist intensiv, und gehässige Lieder über verstorbene Spieler sind an der Tagesordnung.
Über allen Top-Spielen steht jedoch das Aufeinandertreffen in Spanien zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona, bekannt als „Clásico“. Diese Begegnung vereint auf historischer, kultureller, politischer, wirtschaftlicher und sportlicher Ebene so viele Gegensätze, dass sie alle Fußballfans elektrisiert.
Ein Höhepunkt dieser Rivalität wurde in den 2010er-Jahren erreicht, als beide Teams ihre Auseinandersetzung weiter anheizten. Real-Trainer José Mourinho brachte sogar eine Verschwörung gegen die Königlichen ins Spiel, da Barcelona unter Coach Pep Guardiola zu dieser Zeit für das Hilfswerk der Vereinten Nationen Werbung machte.
Die Weltstars Cristiano Ronaldo (Real) und Lionel Messi (Barcelona) trugen zudem dazu bei, das Spiel zu einem weltweiten Event zu entwickeln. Der deutsche „Clásico“ träumt noch von solch einer Strahlkraft, kann sich jedoch vor den Top-Duellen in Frankreich sehen lassen. Im Vergleich zu den großen Rivalitäten in Spanien, England und Italien sind die historischen, politischen und sportlichen Komponenten jedoch noch ausgeprägter.