Deutsche U19 erreicht EM-Finale und gibt Hoffnung für die Zukunft
Während die Profimannschaft mit den Nachwirkungen des WM-Debakels kämpft, schreibt die deutsche U19-Nationalmannschaft eine Erfolgsgeschichte. Die U19 hat das Finale der Europameisterschaft erreicht und gibt Anlass zur Hoffnung.
Wrexham – Der deutsche Fußball befindet sich in einer Krise, was nicht übertrieben ist. Das frühe Ausscheiden im WM-Sechzehntelfinale gegen Paraguay, das dramatische Elfmeterschießen und der Rücktritt von Bundestrainer Julian Nagelsmann werfen einen Schatten über den DFB. Doch während die Profis noch nach Lösungen suchen, präsentieren die Nachwuchsspieler beeindruckende Leistungen, die optimistisch in die Zukunft blicken lassen. Die deutsche U19-Nationalmannschaft steht nach einem spannenden 2:1-Halbfinalsieg gegen die Ukraine im Finale der Europameisterschaft in Wales.
Otto Stange vom Hamburger SV erzielte kurz vor der Halbzeit das 1:1, bevor Francis Onyeka von Bayer Leverkusen in der zweiten Minute der Nachspielzeit für die Erlösung sorgte und das DFB-Team ins Endspiel schoss. Trainer Christian Wörns ließ seine Mannschaft in einer anspruchsvollen Partie geduldig agieren und wurde am Ende belohnt. Für Deutschland ist es der vierte Finaleinzug in der Geschichte der U19-EM.
Im Endspiel am Samstag (20 Uhr, alle TV-Infos) wartet mit Spanien jener Gegner, der die DFB-Junioren in der Gruppenphase mit 4:0 besiegt hatte – Wörns bezeichnete dies als „Backpfeife“. Der neunmalige Titelträger gilt als klarer Favorit, doch gerade in dieser Konstellation liegt auch eine Chance. Im vergangenen Jahr scheiterte die deutsche U19 im Halbfinale an denselben Spaniern, nachdem sie ein verrücktes 5:6 nach Verlängerung erlitten hatte. Diese Erinnerung dürfte noch frisch sein. Ein Titelgewinn wäre für Deutschland nach 2008 und 2014 der dritte U19-Europameistertitel.
Der Kontrast zur A-Nationalmannschaft könnte kaum größer sein. Während die Herren beim dritten frühen WM-Aus in Folge enttäuschten und Nagelsmann schließlich die Konsequenzen zog, marschiert der Nachwuchs unerschütterlich durch das Turnier. Der DFB führt unterdessen Gespräche mit Jürgen Klopp über die Nachfolge des zurückgetretenen Bundestrainers – ob ein Trainerwechsel allein die strukturellen Probleme lösen kann, bleibt abzuwarten.
Die Geschichte hat bewiesen, dass aus U19-Finalisten von heute die Nationalspieler von morgen werden können. Beim letzten deutschen Titelgewinn 2014 war ein gewisser Joshua Kimmich im Kader, während Davie Selke damals mit sechs Treffern Torschützenkönig war. Wer von den heutigen Talenten den Sprung in die A-Mannschaft schafft, wird sich zeigen. Doch der Weg, den Wörns‘ Team gerade beschreitet, stimmt zumindest optimistisch.
Wrexham könnte am Samstag zum Symbol für einen deutschen Fußball werden, der trotz aller Herausforderungen noch Substanz hat. Ob die U19 tatsächlich den Titel holt, bleibt abzuwarten. Doch allein der Finaleinzug sendet ein Signal: Irgendwo im DFB-System funktioniert noch etwas. Vielleicht sind es gerade diese jungen Spieler, die in ein paar Jahren dafür sorgen, dass auch die Herrenmannschaft wieder für Begeisterung statt Ernüchterung sorgt.