Einblicke in Neapel: Eintracht Frankfurt und die Atmosphäre der Stadt

Einblicke in Neapel: Eintracht Frankfurt und die Atmosphäre der Stadt

In der neuen Kolumne „Aus dem Herzen von Europa“ gibt Reporter Christopher Michel Einblicke hinter die Kulissen von Eintracht Frankfurt. Diesmal liegt der Fokus auf dem Miteinander.

Neapel – Am Dienstagvormittag erstrahlt die Millionenstadt Neapel in sonnigem Licht. Es lohnt sich, durch die verwinkelten Gassen zu schlendern und die einzigartige Atmosphäre aufzusaugen. Ein wenig schmutzig, chaotisch durch die zahlreichen Rollerfahrer und insgesamt etwas verrucht – und dennoch liebenswert. Über all dem thront die SSC Neapel mit ihren Helden.

Diego Armando Maradona ist überall präsent. Der vor genau fünf Jahren verstorbene Argentinier gilt als Held der Stadt. Eine Kneipe trägt den Namen „La Mano De D10s“, in Anlehnung an die „Hand Gottes“. Das Stadion wurde im Dezember 2020 in „Stadio Armando Diego Maradona“ umbenannt. Fußball-Romantik pur in einer charmanten Stadt.

Was könnte schöner sein, als bei Temperaturen um die 20 Grad einen Espresso im Schatten des Vesuv zu genießen? Mein Kollege Konrad Ringleb von der FAZ rettet mich jedoch vor einem Missgeschick. Plötzlich fällt Taubenkot vom Himmel, und sein „Vorsicht“ lässt mich rechtzeitig zurückweichen. Was bleibt uns also anderes übrig?

Wir verlagern uns an einen Tisch unter einem Schirm. Der Espresso schmeckt, das Wetter ist angenehm. Was fehlt? Fans von Eintracht Frankfurt, die am Ende trotzdem in geringer Zahl anwesend sein werden. Offiziell dürfen sie nicht einreisen, doch halten sie sich diesmal an dieses Verbot? Wir setzen unseren Weg ins Stadtzentrum fort. Am Piazza del Gesù Nuovo ist es friedlich.

Im März 2023 war die Atmosphäre wenige Stunden vor dem Anpfiff bedrohlich. Damals trafen die Fangruppen von Neapel und Frankfurt an diesem Platz aufeinander, was zu Zusammenstößen führte und Bilder von brennenden Autos in die Welt setzte. Diesmal lächeln die Carabinieri, reagieren gelassen und versichern auf Nachfrage: „No!“

Es sind noch etwa vier Stunden bis zum Anpfiff. Die Eintracht hat im Vorfeld alles für die Journalisten organisiert. Ein Shuttle-Bus pendelt zwischen den Hotels. Der Verkehr in Neapel gleicht einem Abenteuer und erinnert an das Spiel Mario Kart. Während der Busfahrer uns zum Stadion bringt, fühle ich mich nicht ganz wohl.

Wenige Meter von der Arena entfernt befindet sich das Hotel, in dem viele Kollegen untergebracht sind. Gemeinsam marschieren wir ins hell erleuchtete Stadion – und werden trotz unserer Akkreditierungen abrupt gestoppt. Wieder einmal ist es Konrad, der mit seinen Italienischkenntnissen als Retter auftritt. Er regelt alles und sorgt für einen entspannten Eintritt.

Der Rest des Abends? Er lässt sich schnell zusammenfassen: Im Stadion wird es nur kurz vor dem Anpfiff und in der Schlussphase der Partie richtig laut. Gänsehaut kommt auf, als die SSC-Anhänger die Vereinshymne „Napoli è della gente“ a cappella singen. Ansonsten gelingt es der Eintracht, die Atmosphäre im italienischen Stil auf ein Minimum zu reduzieren.

Nach dem torlosen Remis, den Gesprächen in der Mixed Zone und der Pressekonferenz, in der Trainer Dino Toppmöller einen Mix aus Kampfgeist und gesundheitlicher angeschlagenheit präsentiert, sitze ich noch einen Moment im sich leerenden Pressebereich. 0:0 – klingt nach wenig, fühlt sich aber nach viel an. Die Rückfahrt verläuft ruhiger, die Straßen von Neapel sind leer. Während ich aus dem Busfenster auf die schlafende Stadt blicke, wird mir wieder bewusst: Eine Reise mit der Eintracht ist mehr als nur Fußball.

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