Eintracht Frankfurt: Herausforderungen und Perspektiven in der laufenden Saison
Eintracht Frankfurt hat in dieser Saison mit Herausforderungen zu kämpfen. Kritiker führen die Probleme auf das Transfermodell des Vereins zurück, doch Experte Steffen Freund widerspricht dieser Sichtweise.
Frankfurt – In seiner Kolumne „Nachgehakt“ äußerte der renommierte Bild-Reporter und Fußballexperte Alfred Draxler am 28. Januar 2026 ein deutliches Urteil: „Das Frankfurter Modell ist gescheitert!“ Er begründet dies mit der Feststellung: „Wer immer nur verkauft, hat irgendwann keine Mannschaft mehr. Das Geschäftsmodell von Frankfurt hat dazu geführt, dass das Team auf dem Platz an Leidenschaft, Kampfgeist und Zusammenhalt vermissen lässt.“
Vor etwa sechs Wochen war die Situation jedoch eine andere. Nach der Entlassung von Dino Toppmöller war der neue Trainer Albert Riera noch nicht bekannt. Der Start ins Jahr 2026 verlief katastrophal für Frankfurt, das drohte, im Bundesliga-Mittelfeld zu versinken. Die Mannschaft kassierte wöchentlich drei Gegentore und wirkte verunsichert.
Dennoch ist Draxlers Analyse verfrüht und zu einseitig. Trotz der schwierigen Saison sind die Spieler von Eintracht Frankfurt auf dem Transfermarkt nach wie vor sehr gefragt. Talente wie Nathaniel Brown, Nnamdi Collins, Can Uzun, Jean-Matteo Bahoya, Hugo Larsson und Farès Chaibi könnten dem Verein zusammen über 200 Millionen Euro einbringen.
Die Marktwerte der Spieler in Hessen steigen seit Jahren. In der letzten Transferperiode kamen vielversprechende Akteure wie Ayoube Amaimouni-Echghouyab, Younes Ebnoutalib und Keita Kosugi hinzu, deren Marktwerte ebenfalls rasant ansteigen könnten. Steffen Freund, der die Eintracht in seiner Rolle als Experte in den letzten Jahren begleitet hat, wurde gemeinsam mit Kommentator Marco Hagemann zur Stimme des Europa-League-Runs 2022.
Der ehemalige Profi äußerte sich exklusiv bei Absolut Eintracht: „Ich sehe das nicht als Scheitern. Die Bewertung ist zu hart, denn dieses Modell kann nicht immer perfekt funktionieren. Viele Vereine versuchen, wie Eintracht Frankfurt, Topspieler zu entwickeln und teuer zu verkaufen. Wir haben gesehen, dass Spieler wie Randal Kolo Muani für 70 bis 100 Millionen Euro verkauft wurden.“
Nach wirtschaftlich schwierigen Zeiten während der Corona-Pandemie hat die Eintracht schnell an Fahrt aufgenommen. Auf Kolo Muani folgten Transfers von Omar Marmoush (rund 80 Millionen Euro zu Manchester City) und Hugo Ekitiké (etwa 95 Millionen Euro zu FC Liverpool). Sportvorstand Markus Krösche sagte im Gespräch mit Bild: „Es ist außergewöhnlich, dass wir regelmäßig Spieler für 80 oder 90 Millionen Euro verkauft haben. Das ist nicht normal.“
Der Traditionsverein hat in kurzer Zeit etwas erreicht, was in Europa nur wenigen gelingt, wie dem FC Brighton, der regelmäßig hohe Transferüberschüsse erzielt. Dennoch ist es nicht dauerhaft möglich, immer neue Stars zu finden. Freund betont, dass das Fundament der Eintracht stabil ist und verweist auf die jüngere Vergangenheit.
„Insgesamt hat Markus Krösche einen hervorragenden Job gemacht. Man darf nicht vergessen, wo Frankfurt herkommt: Als Niko Kovač vor etwa acht Jahren kam und den Pokal gewann, war das der Startpunkt für die Entwicklung des Vereins. Davor kämpfte man oft gegen den Abstieg“, so der Europameister von 1996.
Die Führung des Klubs hat viele richtige Entscheidungen getroffen. Doch im Januar musste sie erstmals seit zehn Jahren während der Saison den Trainer wechseln. Toppmöller fand nach dem Verlust der beiden Stars Marmoush und Ekitiké keine dauerhafte Lösung mehr.
Unter Riera hat sich das Team stabilisiert. Die Saison 2025/26 wird zwar keine große Euphorie auslösen, aber es geht pragmatisch darum, einen Platz in einem europäischen Wettbewerb zu erreichen. Freund sieht das internationale Parkett jedoch nicht als zwingende Pflicht: „Von einem Misserfolg zu sprechen, halte ich für falsch. Wenn Eintracht Frankfurt unter die Top 9 kommt oder regelmäßig international spielt, dann ist das für mich kein Scheitern. Ganz klar: nein.“
Der Klub, der seit 2018 nur einmal die Qualifikation für europäische Wettbewerbe verpasst hat, könnte nun eine Verschnaufpause benötigen. Die Eintracht hat sich in den letzten neun Jahren von Platz 16 auf Rang drei verbessert, was eine bemerkenswerte Leistung darstellt, die oft zu wenig gewürdigt wird. Der Einzug in die Königsklasse wurde von vielen Beobachtern als folgerichtig angesehen.
Allerdings ist die Konkurrenz in der Liga erheblich, mit Teams wie dem FC Bayern München, Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen und RB Leipzig, die in einer anderen wirtschaftlichen Dimension agieren. Auch der VfB Stuttgart hat viel Potenzial, und Überraschungsteams wie die TSG Hoffenheim sind ebenfalls präsent.
Die Hinweise auf den Etat und Umsatz der Eintracht sind unbestreitbar. Ein siebter Platz liegt unter den Erwartungen. Manchmal ist es jedoch schwierig, ein leichtes Abrutschen zu vermeiden. Bei der Eintracht kam viel zusammen: Verletzungspech und eine herausfordernde Champions-League-Auslosung haben sowohl physisch als auch psychisch ihre Spuren hinterlassen.
Frankfurt fehlte die Kraft, die „Grenzen zu verschieben“, wie Hellmann es gerne formuliert. Er kündigte zum Jahreswechsel das Ende der „Wohlfühlatmosphäre“ an. Die Verantwortlichen zeichnen sich dadurch aus, dass sie frühzeitig Probleme erkennen und diese klar benennen. Daher kam eine kritische Betrachtung des Vereins zu früh.
Kritiker des Transfermodells ignorieren oft die Marktlage. Wenn Spieler in Deutschland herausragend sind, stehen Premier-League-Klubs mit ihren finanziellen Mitteln bereit. Mit Ausnahme des FC Bayern und teilweise Borussia Dortmund kann kaum ein Verein „nein“ sagen, wenn Newcastle, Brighton, Manchester oder Liverpool anklopfen.
Bereits unter dem ehemaligen Sportvorstand Fredi Bobic gab es einen Richtungswechsel bei der Eintracht. Nach dem 65 Millionen Euro schweren Abgang von Luka Jović zu Real Madrid haben Aufsichtsrat und Vorstand den neuen Kurs beschlossen. Ob sie damals bereits erahnt haben, wie sich der Markt auch bei Mittelklasseklubs in England entwickeln würde?
Das Interesse an Talenten wie Louey Ben Farhat (Karlsruher SC) und Cajetan Lenz (VfL Bochum) zeigt, wie die Frankfurter agieren. Teure Bundesligatransfers wie die von Ritsu Doan oder Jonathan Burkardt wird es zunächst wahrscheinlich nicht mehr geben. Krösche wird weiterhin auf Talente und Potenzial setzen und darauf, dass die nächsten Stars von seinem Trainer entwickelt werden.