Eintracht Frankfurt zeigt Interesse an Robert Andrich
Das Interesse an Robert Andrich verdeutlicht, wie Eintracht Frankfurt die Planungen für das zentrale Mittelfeld vorantreibt.
Robert Andrich, der Kapitän von Bayer Leverkusen, ist bekannt für seine schlagfertigen Äußerungen, die sowohl pfiffig als auch provokativ sein können. In den letzten Wochen musste er jedoch als TV-Experte bei Magenta in den WM-Stadien etwas zurückhaltender agieren, insbesondere während der deutschen Spiele. Schließlich ist er ein Spieler, der gerne Teil der Mannschaft gewesen wäre, für die er während der Qualifikation noch auf dem Platz stand.
„Ich habe oft darüber nachgedacht, wie ich meine Kommentare formuliere“, erklärt Andrich. „Es schmerzt ein wenig, die Jungs dort unten zu sehen, während ich oben sitze.“ Bei der Heim-EM vor zwei Jahren bildete er noch zusammen mit Toni Kroos das deutsche Mittelfeld. Seine Nichtnominierung für die WM war ein harter Rückschlag nach einer schwierigen Saison bei Bayer Leverkusen. Obwohl er die Kapitänsbinde trägt, ist er nicht unumstritten, und sein Marktwert ist von 17 Millionen Euro auf derzeit 6 Millionen gesunken. In diesem Kontext könnte Eintracht Frankfurt ins Spiel kommen.
Erste Berichte über das Interesse der Hessen an Andrich stimmen mit Informationen dieser Zeitung überein. Die Eintracht hat grundsätzliches Interesse an dem defensiven Mittelfeldspieler bekundet, hält sich jedoch bedeckt. Andrich könnte ein Kandidat auf der Liste der Frankfurter sein, um die dringend benötigte Verstärkung im defensiven Mittelfeld zu finden. Die Verantwortlichen sind sich des Handlungsbedarfs bewusst, insbesondere mit Blick auf das Trainingslager in Grassau, das am 23. Juli beginnt. Zu diesem Zeitpunkt soll idealerweise der ein oder andere Neuzugang mit dem Team reisen. Ob dies auch für das Bayern-Talent Noel Aseko zutrifft, bleibt abzuwarten. Der Deal ist, entgegen anderslautender Berichte, noch nicht perfekt. Es geht – wie immer – ums Geld. Aseko ist vom Profil her mehr ein offensiver Mittelfeldspieler, während Raphael Onyedika vom Club Brügge, den die Eintracht bereits in früheren Transferperioden ins Visier genommen hat, mehr den klassischen Sechser verkörpert.
Andrich steht ebenfalls auf der Liste der Hessen. Bereits im vergangenen Sommer hatten sie Interesse an dem 19-fachen Nationalspieler, der unter Meistertrainer Xabi Alonso kaum Einsatzzeiten erhielt. Damals blieben die Gespräche jedoch lose, da Andrich sich unter dem neuen Trainer Erik ten Hag beweisen wollte, der dann jedoch schnell entlassen wurde. Ob er dies auch unter Ten Hags Nachfolger Carles Martinez versuchen wird, ist ungewiss. Da Martinez jedoch mehr auf eine Viererkette setzen soll und das zentrale Mittelfeld bei Bayer überbesetzt ist, könnte Andrich zu den Verkaufskandidaten am Rhein gehören. Das bleibt jedoch abzuwarten.
Fest steht: Ein möglicher Transfer zu Eintracht Frankfurt würde einige Hürden mit sich bringen. Andrich wäre kein Schnäppchen, was weniger an seinem Gehalt von etwa 2 Millionen Euro plus Prämien liegt, sondern an der Ablöseforderung von Leverkusen, die bei rund 10 Millionen Euro liegt. Der 31-Jährige hat einen Vertrag bis 2028, sodass noch einige Verhandlungsrunden anstehen könnten. Positiv zu vermerken ist, dass Andrich trotz seines fortgeschrittenen Alters kaum Verletzungen hatte.
Er bringt die Eigenschaften mit, die die Eintracht dringend benötigt: Robustheit, Härte, Erfahrung und Führungsqualitäten. Als Abräumer kann er anstacheln und auch unangenehm werden, wenn es nicht läuft. Mit 33 Torbeteiligungen in 197 Bundesligapartien hat er zudem eine gewisse Offensivqualität, auch wenn diese zuletzt etwas nachgelassen hat.
In der letzten Saison wurde Andrich vornehmlich als zentrales Glied in einer Dreierkette eingesetzt, was ihn zu einem Sechser mit Libero-Qualitäten macht. Diese Position dürfte Trainer Adi Hütter sehr zusagen, da die Eintracht bereits gute Erfahrungen mit ähnlichen Spielern wie Makoto Hasebe gemacht hat.
Abgesehen von den sportlichen Aspekten gibt es auch persönliche Faktoren zu berücksichtigen: Andrichs Frau Alicia stammt aus Wiesbaden, wo sich das Paar kennengelernt hat. Robert spielte zwei Saisons beim SVWW. Die Andrichs, die auf ihrem eigenen YouTube-Kanal Einblicke in ihr Familienleben geben, erwarten zudem ihr drittes Kind. Eine Rückkehr in die hessische Heimat ist somit nicht ausgeschlossen.