Ermittlungen wegen Schiedsrichtermanipulation im italienischen Fußball
Die Mailänder Staatsanwaltschaft untersucht derzeit mögliche Manipulationen im Schiedsrichterwesen in Italien und erhebt schwere Vorwürfe.
Mailand – Im italienischen Fußball bahnt sich möglicherweise ein neuer Skandal an, der Erinnerungen an die dunkelsten Stunden der Serie A weckt. Im Zentrum der aktuellen Ermittlungen der Mailänder Staatsanwaltschaft steht Gianluca Rocchi, der bis vor kurzem als Koordinator für die Schiedsrichter der Serie A und B tätig war. Rocchi ist jüngst zurückgetreten, betont jedoch, dass dies kein Schuldeingeständnis darstellt, sondern vielmehr dazu dient, die laufenden Ermittlungen nicht zu behindern.
Die Vorwürfe gegen Rocchi beziehen sich auf angebliche Manipulationen bei der Schiedsrichteransetzung für bedeutende Spiele der vergangenen Saison 2024/25. Es wird behauptet, dass Rocchi zweimal Einfluss genommen hat, um Schiedsrichter zugunsten von Inter Mailand einzusetzen. Laut der Staatsanwaltschaft soll er im April 2025 dafür gesorgt haben, dass der von Inter bevorzugte Schiedsrichter Andrea Colombo das Spiel zwischen Bologna und Inter leitete.
Im Halbfinale der Coppa Italia zwischen Inter und AC Mailand soll Daniele Doveri absichtlich eingesetzt worden sein, damit er im Falle eines möglichen Finaleinzugs von Inter nicht erneut zum Einsatz kommen kann. Wie die Gazzetta dello Sport unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft berichtete, wollte Rocchi verhindern, dass Inter in der Endphase der Saison häufiger als nötig von Doveri gepfiffen wird – der 48-Jährige gilt derzeit als einer der besten italienischen Schiedsrichter.
Es ist zu beachten, dass Inter zu diesem Zeitpunkt in der Serie A einen engen Titelkampf mit der SSC Neapel hatte und somit davon profitieren konnte, wenn potenziell weniger erfahrene Schiedsrichter ihre Spiele leiteten. Ein weiterer, besonders brisanter Vorfall ereignete sich am 1. März 2025, als Rocchi angeblich Einfluss auf Entscheidungen des Video-Schiedsrichters nahm.
Während des Spiels Udinese Calcio gegen Parma soll er durch ein Klopfen an die Scheibe des VAR-Raums in Lissone einen Hinweis gegeben haben, der letztlich zu einem entscheidenden Elfmeter für Udinese führte. Intern wurde dieser Vorfall bereits behandelt, was jedoch nur zur Einführung eines neuen Protokollsystems in Lissone führte. Jetzt rückt der Fall jedoch erneut ins Zentrum der Untersuchungen und könnte nachträglich für erhebliche Probleme sorgen.
Der italienische Schiedsrichterverband AIA ist in Aufruhr, insbesondere nachdem auch der VAR-Supervisor Andrea Gervasoni aufgrund ähnlicher Vorwürfe am selben Tag wie Rocchi zurücktrat. Der italienische Sportminister Andrea Abodi fordert Transparenz und Schnelligkeit bei der Aufklärung der Vorwürfe und deutet eine Neuaufstellung im italienischen Fußballverband FIGC an. Er kritisiert vor allem die Art und Weise, wie die Vorfälle bislang behandelt wurden.