FC Bayern München beeindruckt mit Rekordstart in die Saison
Die Fußballwelt ist beeindruckt von dem Rekordstart des FC Bayern München. Könnte dieser Erfolg sogar auf zwei ursprünglich als Schwachstellen identifizierte Komponenten zurückzuführen sein? Ein Kommentar.
München - Obwohl es zu diesem Zeitpunkt der Saison noch früh ist, kann man vor der zweiten Länderspielpause nach zehn Pflichtspielen des FC Bayern bereits ein positives Zwischenfazit ziehen: Zehn Siege, 38:8 Tore, ein Bundesligarekord seit 1963 und ein Vereinsstartrekord. Mit einem Sieg im kommenden Bundesliga-Heimspiel gegen Borussia Dortmund könnte dieser Rekord weiter ausgebaut werden, ebenso mit einem weiteren Sieg in der Champions League gegen Brügge, was zum Europarekord führen könnte. Zudem gibt es zahlreiche individuelle Bestleistungen.
Zu Saisonbeginn gab es erhebliche Skepsis gegenüber der Transferpolitik des Rekordmeisters. Wunschspieler wie Florian Wirtz und Nick Woltemade wechselten für hohe Summen in die Premier League, während der Kader aufgrund notwendiger Gehaltseinsparungen und zugunsten der Talente aus dem Campus geschmälert wurde. Leider verließen auch vielversprechende Nachwuchsspieler wie Adam Aznou und Paul Wanner den Verein. Trotz der beeindruckenden Rückkehr des FC Bayern in die Erfolgsspur unter Trainer Vincent Kompany wurden dessen Fähigkeiten von Medien und vielen eigenen Fans kritisch betrachtet.
Besonders kritisch wurde der Neuzugang Luis Díaz aus Liverpool betrachtet, der von vielen Experten als viel zu teuer eingeschätzt wurde. Der 28-jährige Kolumbianer kostete mit 70 Millionen Euro zwar „nur“ die Hälfte von Wirtz, doch seine Fähigkeiten und sein Alter sprachen in den Augen der Skeptiker gegen ihn. Während der deutsche Nationalspieler in Liverpool Schwierigkeiten hat und dort bereits in der Kritik steht, fühlt sich „Lucho“ in München wohl. Er zeigt sich begeistert vom Verein, seinen Teamkollegen, dem Trainer und der Stadt, die er sich „nicht so schön vorgestellt hätte“. Auf dem Spielfeld überzeugt er mit sechs Toren und vier Assists, zuletzt mit einem herausragenden 3:0-Sieg in Frankfurt, bei dem er zwei Tore erzielte und eine Vorlage gab.
Besonders hervorgehoben wird sein Einsatzwillen, der in Liverpool schmerzlich vermisst wird. Der ehemalige LFC-Spieler Daniel Sturridge äußerte: „Luis Díaz fehlt mir sehr. Wenn man sich Liverpool letztes Jahr anschaut und wie sie pressten, war er derjenige, der im Pressing die meisten Akzente setzte.“
Im Gegensatz dazu hat Wirtz, wie sein Team in Liverpool, mit Problemen zu kämpfen. Der englische Meister musste zuletzt drei Niederlagen in Folge hinnehmen. Es gab viel Spott für Kompany, als bekannt wurde, dass LFC-Coach Arne Slot den talentierten Nationalspieler angeblich mit seiner Spielidee für den Premier-League-Club begeistern konnte. Doch genau mit dieser Idee hat der 22-Jährige nun Schwierigkeiten, und Experten rätseln bereits, ob Slot und Wirtz in Liverpool überhaupt kompatibel sind.
Im Gegensatz dazu funktioniert das Spielsystem des FC Bayern im zweiten Jahr unter Kompany nahezu perfekt. Die Abläufe sind automatisiert, was zu guten Ergebnissen und einer hervorragenden Integration der Neuzugänge führt. Alle sind begeistert von Chefcoach Kompany, seiner Spielidee und seiner Empathie. Spieler wie Leon Goretzka und aktuell vor allem Serge Gnabry, der nach Verletzungen und persönlichen Schicksalsschlägen zurückgekehrt ist, zeigen beeindruckende Leistungen.
Der 30-jährige Gnabry spielt derzeit so gut, dass die Nichtverpflichtung von Woltemade sich als Glücksfall erweisen könnte, da Jamal Musiala auf dieser Position noch in diesem Jahr zurückkehren soll. Der viel beschworene Teamgeist ist ein weiterer Erfolgsfaktor. Die Mannschaft soll bei der Klub-WM weiter zusammengewachsen sein, und die bevorstehenden Comebacks von „Positivspielern“ wie Musiala und Alphonso Davies werden diese Entwicklung weiter fördern. Auch die Abgänge der unzufriedenen Aznou und Wanner haben zur positiven Entwicklung beigetragen. Max Eberl und sein Team haben in dieser Hinsicht alles richtig gemacht.
Trotz des derzeit perfekten Laufs ist es sehr wahrscheinlich, dass Kompany und sein Team in dieser Saison auch Rückschläge erleben werden. Diese gab es auch für die legendären Triple-Bayern 2012/13 unter Jupp Heynckes, mit denen die aktuelle Mannschaft häufig verglichen wird. Diese Supertruppe hatte vor allem in der entscheidenden Saisonphase das Glück, nahezu verletzungsfrei zu bleiben – neben einer Topform die wichtigste Voraussetzung für ein großartiges Saisonfinale. Das ist allen bewusst.