FC Bayern und der Fall Gravenberch: Eine schmerzhafte Fehleinschätzung

FC Bayern und der Fall Gravenberch: Eine schmerzhafte Fehleinschätzung

Der FC Bayern München hat in der Vergangenheit einige Fehlentscheidungen getroffen, doch im Fall von Ryan Gravenberch muss sich der Verein besonders ärgern.

München/Liverpool – Der Gewinn der englischen Meisterschaft 2025 wurde beim FC Liverpool stark mit zahlreichen Offensivstars in Verbindung gebracht. Im Schatten dieser Superstars entwickelte sich Ryan Gravenberch auf der defensiven Mittelfeldposition im 4-2-3-1-System unter Trainer Arne Slot zu einem unverzichtbaren Schlüsselspieler.

Der Niederländer absolvierte über 4.000 Minuten auf dem Platz und war nicht zu übersehen. Auch in der laufenden Saison verpasste er lediglich den ersten Spieltag, nachdem er sich am Ende der vorherigen Saison eine Rote Karte eingehandelt hatte. Es ist ein Zeichen von Qualität, dass sich ein erst 23-jähriger Spieler in einer englischen Spitzenmannschaft so durchsetzt.

Mit einer Passquote von 88,89 Prozent gehört er zu den besten Mittelfeldspielern der Premier League. Zudem erzielte er in 270 Minuten 14 Ballgewinne, was seine Stärke unterstreicht. Gravenberch kombiniert schnelle Entscheidungsfindung mit einer beeindruckenden Physis von 1,90 Metern. Bei einem Spiel gegen Newcastle United erzielte er zudem ein entscheidendes Tor. Wie konnte der FC Bayern München diesen vielversprechenden Werdegang so falsch einschätzen?

Im Sommer 2022 überwies der deutsche Rekordmeister 18,5 Millionen Euro an Ajax Amsterdam. Gravenberch äußerte rückblickend nach weniger als 1.000 Einsatzminuten: „Ich bin fast verrückt geworden. Ich hatte Glück, dass meine Eltern nach München gezogen sind. Ich weiß nicht, was passiert wäre, wenn ich ganz allein dort gewesen wäre. Es war mental wirklich hart.“

Vor allem Ex-Trainer Julian Nagelsmann fand für das damals hoch eingeschätzte Talent keine Verwendung. Der Wechsel zu Thomas Tuchel kam zu spät, um die Situation zu retten. Doch warum konnte Nagelsmann ihn nicht häufiger einbinden und zu einem Spitzenspieler der Bundesliga entwickeln?

„Es war ein Problem, da wir Joshua Kimmich und Leon Goretzka hatten. Deshalb war es kompliziert für einen jungen Spieler, mehr Spielzeit zu bekommen. Ich war neuer Trainer bei Bayern, und es war nicht einfach, Spieler der deutschen Nationalmannschaft auf die Bank zu setzen“, erklärte der Coach rückblickend.

Anstelle von Gravenberch verpflichtete der FC Bayern ein Jahr nach seinem Abgang Joao Palhinha für 50 Millionen Euro. Der Portugiese stellte sich als teures Missverständnis heraus und ist mittlerweile an Tottenham Hotspur verliehen. Leon Goretzka hat nie wieder die Bedeutung erlangt, die er damals hatte, und pendelt zwischen Bank und Platz. Gravenberch hingegen bleibt ein zentraler Spieler bei einem der derzeit stärksten Teams weltweit.

Obwohl es für alles Erklärungen gibt, muss sich der FC Bayern schmerzlich ärgern, Gravenberch für 40 Millionen Euro fast schon verschleudert zu haben. Sein Marktwert ist bereits auf 75 Millionen Euro gestiegen – mit weiter steigender Tendenz! Solche schmerzhaften Fehleinschätzungen dürfen sich auf dieser Ebene in Zukunft nicht wiederholen. Die gute Leistung von Gravenberch ist ein Schlag ins Gesicht für den FC Bayern.

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