Hans-Joachim Watzke neuer Präsident des BVB

Hans-Joachim Watzke neuer Präsident des BVB

Hans-Joachim Watzke wurde zum neuen Präsidenten des BVB gewählt. Bei der Mitgliederversammlung erhielt der langjährige Geschäftsführer lediglich 59 Prozent der Stimmen.

Dortmund – Die Wartezeit für Hans-Joachim Watzke verlängerte sich, als technische Pannen bei der Online-Anmeldung sowie vor Ort in Halle 3 der Westfalenhallen den Beginn der Mitgliederversammlung am Sonntag um eine Stunde verzögerten. Für den 65-Jährigen, der die Präsidentschaft als seinen „Lebenstraum“ bezeichnete, bedeutete dies zusätzliche Anspannung vor der Entscheidung.

Vorab gab es jedoch keine Zweifel an seiner Wahl. Nachdem der amtierende Präsident Dr. Reinhold Lunow im August auf eine erneute Kandidatur verzichtet hatte, wurde Watzke einstimmig als einziger Kandidat vorgeschlagen. Damit war der Weg von der Geschäftsführung, die Watzke zwei Jahrzehnte prägte, zur Präsidentschaft des Gesamtvereins frei.

Ein ruhiger Wahlsonntag war jedoch nicht zu erwarten. Ein erbitterter Machtkampf hatte Gräben im Verein aufgedeckt. Lunow hatte im Mai überraschend seine erneute Kandidatur angekündigt, obwohl er zuvor zugesagt hatte, Watzke den Platz zu überlassen. Diese Männerfreundschaft zerbrach unter anderem an Lunows wechselhaften Positionen zum umstrittenen Sponsoring durch Rheinmetall.

Ursprünglich stimmte Lunow selbst für den Deal mit dem Rüstungsunternehmen, stellte sich später jedoch öffentlich als Gegner dar und sprach von „roten Linien“, während er sich als Verfechter gesellschaftlicher Werte präsentierte. Als Lunow dann auch noch eine neue Kandidatur ankündigte und ein Team von Watzke-Kritikern zusammenstellte, war das letzte Band zwischen den beiden zerschnitten.

Watzke reagierte mit einem Ultimatum: Er drohte, seine Bewerbung zurückzuziehen, falls Lunow nominiert werden sollte. Der politische Druck auf den Wahlausschuss war enorm. Im August kritisierte der Wahlausschuss-Chef Winfried Materna Lunow öffentlich für mangelnde Transparenz, was dessen Position erheblich schwächte und den Weg für Watzkes Nominierung ebnete.

Lunow musste letztlich erkennen, dass ihm die Unterstützung in den relevanten Vereinsgremien fehlte und dass die Satzung des BVB nicht für ein Duell um die Präsidentschaft ausgelegt ist. Nur der vom Wahlausschuss vorgeschlagene Kandidat kann in den ersten drei Urnengängen zur Wahl stehen.

In der Mitgliederschaft gibt es deshalb Bestrebungen zur Demokratisierung: Ein Vorschlagsrecht für Kandidaten, mehr Transparenz im Wahlausschuss und eine Reform des Wirtschaftsrats standen am Sonntag zur Abstimmung auf der Tagesordnung. Ein Antrag zur Erweiterung des Vorstands um eine vierte Position wurde vom amtierenden Vorstand unter Lunow zurückgezogen.

Mit Daniel Lörcher als Vizepräsidenten setzt Watzke ein Zeichen. Lörcher, ehemaliger Leiter Corporate Responsibility der KGaA und Antidiskriminierungsbeauftragter von Borussia Dortmund, soll das moralische Profil des Vereinsvorstands stärken. Dies ist eine Antwort auf die wertebasierten Kritiken, die sich nicht nur um den Rheinmetall-Konflikt drehen.

Ob der versöhnliche Neuanfang gelingt, bleibt die zentrale Frage. Watzke muss überzeugend beweisen, dass er die Rolle des Präsidenten für den gesamten Verein ausfüllen kann, der über 238.000 Mitglieder zählt und nicht nur eine Profiabteilung, sondern auch eine aufstrebende Frauenabteilung sowie erfolgreiche Mannschaften in anderen Sportarten bietet.

In seinem Geschäftsbericht sprach Watzke versöhnliche Töne und bedankte sich bei Lunow: „Du hast mich immer unterstützt und warst immer für mich da.“ Den Mitgliedern versprach er, „Präsident für alle Borussinnen und Borussen“ zu sein. „Mit sehr viel Demut und großem Respekt“ gehe er die Aufgabe an, sagte Watzke noch vor seiner Wahl.

Die Wahl fiel jedoch mit nur 59 Prozent der Stimmen überraschend schwach aus. Dass 1.729 Mitglieder vor Ort oder online gegen Watzkes Präsidentschaft stimmten, war ein deutliches Signal. „Auch denjenigen, die mich nicht gewählt haben, drücke ich meinen Respekt aus“, erklärte der neue Präsident.

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