Hans-Joachim Watzke spricht über Machtkampf und Zukunft von Borussia Dortmund

Hans-Joachim Watzke spricht über Machtkampf und Zukunft von Borussia Dortmund

Vor der bevorstehenden Mitgliederversammlung von Borussia Dortmund befindet sich der Verein in einer intensiven Führungsdebatte. Hans-Joachim Watzke äußert sich erstmals offen zu den Herausforderungen, die die turbulentesten Monate seiner langen Amtszeit geprägt haben.

Der 66-Jährige, der nach zwei Jahrzehnten als Geschäftsführer nun für das Amt des Präsidenten kandidiert, beschreibt eine Phase voller Konflikte, Unsicherheiten und persönlicher Belastungen. Auslöser war die überraschende Entscheidung von Reinhold Lunow, erneut für das Präsidium zu kandidieren – eine Nachricht, die Watzke völlig unvorbereitet traf. „Ich war überrascht, ja“, erklärte er in einem Interview mit schwatzgelb.de. Die darauffolgenden Monate seien für ihn außergewöhnlich herausfordernd gewesen: „In den letzten sechs Monaten habe ich Dinge erlebt, die ich in 20 Jahren nicht erlebt habe. Diese Erfahrungen haben mich auch persönlich sehr belastet.“

Die internen Gremien waren gespalten und das Vertrauensverhältnis beschädigt. Mittlerweile habe man jedoch Fortschritte gemacht und arbeite an einer Normalisierung der Beziehungen. Neben dem Führungsstreit sorgte insbesondere ein umstrittener Sponsorenvertrag mit dem Rüstungskonzern Rheinmetall für großen Unmut im Klub. Watzke räumt ein, dass er die Brisanz des Deals frühzeitig erkannt habe.

Es gab jedoch durchweg Zustimmung: „Hätte es eine Gegenstimme in einem Gremium gegeben, hätten wir es nicht gemacht.“ Umso mehr enttäuschte ihn die spätere Distanzierung einzelner Verantwortlicher. „Nachdem die Tinte trocken war, gab es plötzlich Verantwortungsträger, die sich davon distanziert haben“, äußerte er verärgert. Für 2026 kündigt er eine erneute Diskussion zu diesem Thema an – mit ungewissem Ausgang.

Sportlich richtet Watzke klare Worte an die Verantwortlichen. Besonders Trainer Niko Kovac hebt er hervor und lobt dessen Einfluss auf die Fitness und Mentalität der Mannschaft: Das aktuelle Leistungsniveau sei „überwiegend Niko zu verdanken“. Auch zu Sportdirektor Sebastian Kehl und Geschäftsführer Lars Ricken äußerte er sich positiv, betonte jedoch die fachliche Kompetenz sowie die Reibungen, die überwunden werden mussten. In operativen Fragen greift er selbst nur noch punktuell ein.

Falls Watzke am 23. November tatsächlich zum Präsidenten gewählt wird, kündigt er klare Strukturen, Reformen und ein stärkeres Wir-Gefühl an. Er wird nicht in den Aufsichtsrat der KGaA einziehen, was eine deutliche Abgrenzung zu seiner neuen Rolle darstellt.

Topics

Related news