Harry Kane knackt 100-Tore-Marke beim FC Bayern
Harry Kane ist nicht zu stoppen und hat am Wochenende die 100-Tore-Marke geknackt. Der Engländer fühlt sich in München wohl – kehrt er trotzdem in die Premier League zurück?
München – Es wäre ein rauschender Wiesn-Abend geworden, man stelle sich das vor: Der gefeierte König der Bayern betritt das Bierzelt, lässt für jedes seiner 100 Treffer eine Maß springen und feiert sich selbst. Aber: Nicht mit Harry Kane! Der Spieler, der beim 4:0-Sieg des FC Bayern gegen Bremen erneut der Mann des Abends war, wollte seinen freien Samstag „mit der Familie“ verbringen. Auf dem Platz überragend, neben dem Platz professionell: Das Phänomen Kane ist kaum zu charakterisieren.
Obwohl Kane nicht anwesend war, wurde auf der überfüllten Festwiese mehrfach auf ihn angestoßen. Teamkollegen, die nicht wissen, „wer ihn stoppen soll“ (Leon Goretzka), und die Fans, die der Superstar im Kader Woche für Woche begeistert, hoben ihr Glas auf ihn. Als Kane am Freitag nach einem Elfmeter ein weiteres Tor erzielte – sein 100. in 104 Spielen für den FC Bayern – jubelte er ausgelassener als bei seinen vorherigen 99 Toren. Im Nachhinein gestand er: „Das ist sogar für mich verrückt, um ehrlich zu sein.“
Die Bezeichnung „verrückt“ beschreibt gut, was Kane derzeit auf dem Rasen leistet. Er benötigte für seine 100 Tore weniger Spiele als die bisherigen Rekordhalter Cristiano Ronaldo und Erling Haaland (105 Spiele). Zudem sind die Zahlen rund um diesen Rekord beeindruckend: In den ersten acht Spielen der Saison erzielte der 32-Jährige 15 Tore und gab drei Assists. Alle 37 Minuten ist Kane an einem Bayern-Treffer beteiligt. Und obwohl er nun die 100 erreicht hat, möchte er nicht aufhören: „Es geht weiter, auf die nächsten 100!“, sagte er und setzte damit das Motto für die kommenden Jahre – oder Monate?
Natürlich ist jedem bewusst, dass auch in der Premier League ein Rekord auf ihn wartet. 47 Tore fehlen ihm, um in der ewigen Torschützenliste zu Alan Shearer (260) aufzuschließen. Dennoch ließ Kane, trotz laufender Diskussionen über Ausstiegsklauseln, keine Zweifel daran, dass er die kommende Zeit im Trikot der Bayern verbringen möchte. Sein Vertrag läuft noch zwei Jahre, und obwohl „dieses Gespräch noch nicht geführt“ wurde, sagte Kane: „Ich bin in einer guten Situation und der Verein ist in einer guten Situation.“ Sobald man gemeinsam am Tisch sitze, werde man „offen und ehrlich darüber sprechen, wo ich stehe und wie die Zukunft des Vereins aussieht.“ Alles gehe „in die richtige Richtung“.
Die richtige Richtung bedeutet für Kane natürlich: Richtung Titel. Dass der Engländer den Eindruck erweckt, im fortgeschrittenen Fußballeralter stetig besser zu werden, ist eine vielversprechende Voraussetzung. „Es sind nicht nur die Tore“, sagte auch Kapitän Manuel Neuer: „Wie er sich reinhaut! Wie er als Charakter vorangeht!“ Das beeindruckt sowohl Mitspieler als auch Gegner. Und es ist nur logisch, dass Kane nach zehn Treffern in fünf Bundesliga-Spielen auf die 41 Tore zielt, die einst Robert Lewandowski in einer Saison erzielte. Die einfache Hochrechnung ergibt: Das ist definitiv möglich.
Es klang fast wie eine Drohung, als er andeutete: Die nächsten 100 Tore sollen noch schneller fallen. Vielleicht gibt es bei der 200 dann einen Umtrunk?!