Jonathan Tah über seine Rolle als Kapitän und den Fortschritt im Kampf gegen Rassismus
Der Spieler reflektiert über seine Rolle als Kapitän der Nationalmannschaft und die gesellschaftlichen Fortschritte.
Hamburg – Als Jonathan Tah im November beim Länderspiel gegen Luxemburg die Kapitänsbinde für die deutsche Nationalmannschaft trug, war dies für ihn mehr als nur eine sportliche Ehre. „Es war wirklich eine Riesenehre für mich, das bedeutet mir sehr viel“, erklärte Tah nach dem Spiel. Doch hinter dieser Ehre verbirgt sich eine tiefere Bedeutung, die weit über den Fußball hinausgeht.
Tah reflektierte nun einen Monat später gegenüber der AZ über die Fortschritte, die die Gesellschaft und der Fußball in Bezug auf Rassismus gemacht haben: „Dass ich im Länderspiel gegen Luxemburg als Kapitän für die deutsche Nationalmannschaft aufgelaufen bin. Ich weiß nicht, ob das vor 30 Jahren oder 40 Jahren möglich gewesen wäre für einen deutschen Spieler mit meiner Hautfarbe.“
Tah fügt hinzu: „Ob das als normal angesehen worden wäre und mir viele Leute gratuliert hätten. Ich glaube nicht.“ Diese Aussage unterstreicht nicht nur die persönliche Bedeutung dieses Moments für Tah, sondern wirft auch ein Licht auf die anhaltenden Herausforderungen im Kampf gegen Rassismus – auch im Fußball.
Die Tatsache, dass Tah als Kapitän auflaufen konnte, zeigt zwar die Fortschritte, die der Fußball in den letzten Jahrzehnten gemacht hat. Doch trotz dieser positiven Entwicklungen gibt es immer noch viele Herausforderungen. Tah selbst hat in der Vergangenheit – bereits als Jugendspieler – rassistische Beleidigungen erlebt und betont die Notwendigkeit, weiterhin über Rassismus zu sprechen.
„Es ist wichtig, im Austausch zu bleiben, denn nur so versteht jemand auch, was es überhaupt bedeutet: Wieso hat das gerade jemanden verletzt oder wieso war das rassistisch?“, so Tah. „Aber ich habe manchmal das Gefühl, dass sich die Leute nicht so richtig trauen, zu fragen“, erklärt der Abwehrspieler und betont: „Da könnten wir noch mehr erreichen und mehr verbessern.“
Die deutsche Gesellschaft hat sich verändert, und der Fußball ist ein Spiegel dieser Entwicklung. Dennoch bleibt Rassismus ein Problem, das nicht ignoriert werden darf. Es bleibt entscheidend, dass sowohl im Fußball als auch in der Gesellschaft weiterhin aktiv gegen Rassismus gearbeitet wird, um eine inklusive und respektvolle Umgebung für alle zu schaffen.