Julian Nagelsmann und der DFB trennen sich: Finanzielle Folgen für den Verband
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und Julian Nagelsmann gehen getrennte Wege. Trotz eines bis 2028 laufenden Vertrages wird die Trennung für den DFB finanziell teuer werden.
Frankfurt am Main – Update vom 4. Juli, 8:39 Uhr: Wie bereits am Donnerstag exklusiv von Absolut Fussball berichtet, wird Julian Nagelsmann nicht länger als Bundestrainer tätig sein. Sein Rücktritt steht nun fest. Hier sind alle relevanten Informationen.
Eine der zentralen Fragen im Zusammenhang mit Nagelsmanns Absetzung betrifft die Art seines Rücktritts: Tritt er freiwillig zurück und verzichtet somit auf sein Gehalt? Laut Informationen von Absolut Fussball verdient Nagelsmann etwa sieben Millionen Euro pro Jahr und würde bei seinem Rücktritt eine Abfindung in Höhe eines Jahresgehalts erhalten. Damit könnte er auf insgesamt sieben Millionen Euro verzichten.
Dennoch könnte sich die Situation als vorteilhaft erweisen: Der DFB spart Gehaltskosten, während Nagelsmann die Möglichkeit hat, proaktiv nach einem neuen Verein zu suchen. In der Vergangenheit hat er stets Wert darauf gelegt, die Kontrolle über seine berufliche Zukunft zu behalten und war ungern auf andere angewiesen.
Die erste Meldung vom 3. Juli deutete bereits darauf hin, dass Nagelsmann nach dem WM-Debakel gegen Paraguay als Bundestrainer kaum noch haltbar ist. Finanziell könnte eine Entlassung für den DFB jedoch problematisch werden, da Nagelsmann einen langfristigen Vertrag besitzt, der bei einem personellen Neuanfang zu hohen Kosten führen könnte.
Laut Berichten soll Nagelsmann beim DFB rund sieben Millionen Euro jährlich verdienen, und sein Vertrag läuft offiziell bis nach der EM 2028. Sollte der Verband ihn vorzeitig freistellen, könnte dies eine Vertragsauflösung von etwa 14 Millionen Euro nach sich ziehen. Medienberichten zufolge gilt eine Ausstiegsklausel jedoch nur im Falle eines Vorrunden-Aus bei der Weltmeisterschaft.
Da Deutschland die Gruppenphase überstanden hat und erst im Sechzehntelfinale gegen Paraguay ausschied, bleibt unklar, ob der DFB den Vertrag ohne hohe Abfindung auflösen kann. Nagelsmann selbst denkt derzeit nicht an einen freiwilligen Rücktritt. Unmittelbar nach dem Ausscheiden erklärte er, dass er seine Aufgabe fortsetzen möchte.
„Ich möchte weitermachen. Ich stehe zur Verfügung. Ich bin keiner, der wegläuft. Das ist ausgeschlossen“, sagte der Bundestrainer. Auf Nachfrage erklärte er, die Entscheidung liege allein beim Verband: „Wenn der DFB es möchte, bereite ich sehr gerne die EM und die Nations League vor. Wenn sie das nicht möchten, müssen sie es mir sagen.“
Gleichzeitig zeigte sich Nagelsmann überzeugt, dass die Verantwortlichen seine Arbeit richtig einschätzen werden: „Die drei Herren wissen, was für ein Trainer ich bin. Wenn sie überzeugt sind, dass ich der Richtige bin, werden sie mir das sagen. Und wenn sie denken, dass ein anderer es besser macht, werden sie mir das ebenfalls mitteilen.“
Der DFB arbeitet derweil intensiv an der Analyse der Ursachen für das erneute WM-Fehlgeschlagen. Präsident Bernd Neuendorf kündigte an, die Gründe umfassend zu untersuchen. „Wir sind uns einig, dass das Abschneiden bei der WM nicht unseren Ansprüchen genügt“, erklärte er. Ein einfaches „Weiter so“ werde es nicht geben.
„Wir können und wollen nach einem derartigen Tiefschlag mit Blick auf die anstehenden Aufgaben nicht einfach zur Tagesordnung übergehen“, fügte Neuendorf hinzu. Ob Nagelsmann an diesen Gesprächen als Bundestrainer teilnehmen wird, ist derzeit ungewiss. Die sportliche Situation spricht klar gegen einen Verbleib, und die Anzeichen verdichten sich, dass eine Trennung bevorsteht.
Nach dem dritten WM-Aus in Folge vor dem Achtelfinale ist der öffentliche Druck enorm. Auch prominente Stimmen wie Mats Hummels forderten bereits Konsequenzen. Gleichzeitig räumte Nagelsmann selbst ein, dass die Unterstützung der Fans derzeit wahrscheinlich gering ist: „Ich glaube, wenn man jetzt eine Umfrage macht, dann habe ich die wahrscheinlich nicht.“
Dennoch möchte er den Weg mit der Nationalmannschaft fortsetzen. Das Dilemma des DFB liegt in der finanziellen Dimension: Ein freiwilliger Rücktritt scheint angesichts der hohen Kosten unrealistisch, während eine Entlassung den Verband eine zweistellige Millionensumme kosten könnte. Ironischerweise könnte der Vertrag, der für Kontinuität sorgen sollte, sich als das teuerste Hindernis auf dem Weg zu einem sportlichen Neuanfang herausstellen.