Julian Nagelsmanns Amtszeit als Bundestrainer vor dem Ende
Julian Nagelsmann steht offenbar vor dem Ende seiner Amtszeit als Bundestrainer des DFB. Die letzten Monate waren geprägt von Rückschlägen und Enttäuschungen, beginnend mit dem frühen WM-Aus gegen Paraguay, das als vorläufiger Tiefpunkt seiner Trainerkarriere gilt.
Am 22. September 2023 übernahm Nagelsmann das Amt des Bundestrainers. Der damals 36-Jährige wurde als „Wunschkandidat“ des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gefeiert. Sportdirektor Rudi Völler lobte Nagelsmanns „Feuer für den Fußball“ als „ansteckend“. Sein Ziel war es, die Nationalmannschaft nach Jahren der Misserfolge zurück auf den Erfolgsweg zu führen.
Der letzte WM-Titel für Deutschland datiert aus dem Jahr 2014 in Brasilien, seitdem verliefen große Turniere eher enttäuschend. Nagelsmann sollte dies ändern, beginnend mit der Heim-EM 2024. Das Turnier weckte Hoffnungen, und die DFB-Elf zeigte in der Gruppenphase eine solide Leistung. Im Viertelfinale am 5. Juli 2024 traf Deutschland auf Spanien.
In diesem entscheidenden Spiel änderte Nagelsmann ohne Not seine bis dahin erfolgreiche Startelf. Deutschland schied nach einer umstrittenen Schiedsrichterentscheidung aus, was trotz des Ausscheidens von den DFB-Verantwortlichen und Fans als respektabel angesehen wurde. Die Stimmung im Land blieb zunächst positiv.
Nagelsmann sorgte nach dem EM-Aus für Aufsehen, indem er versprach, bei der WM 2026 in den USA den Titel zu gewinnen. Doch der erste ernsthafte Rückschlag folgte im Sommer 2025, als Deutschland beim Final Four der UEFA Nations League den letzten Platz belegte, was erste Zweifel an seinem Ziel „WM-Titel“ aufwarf.
Die Kritik an Nagelsmann nahm zu. Sportlich wirkte er zunehmend orientierungslos, und auch kommunikativ sorgte er für Unruhe im Umfeld der Nationalmannschaft. Sein Umgang mit Kapitän Joshua Kimmich und Stürmer Deniz Undav fiel negativ auf.
Ein weiterer Rückschlag ließ nicht lange auf sich warten: Am 4. September 2025 verlor Deutschland in der WM-Qualifikation mit 0:2 gegen die Slowakei, was die erste Auswärtsniederlage des DFB-Teams in einem WM-Ausscheidungsspiel darstellte. Nagelsmann reagierte mit einem Weckruf und forderte emotionales Spiel von seiner Mannschaft.
Der Appell zeigte Wirkung, und das DFB-Team sicherte sich die WM-Teilnahme. Bei der Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada begann das Turnier vielversprechend mit einem 7:1-Sieg gegen Curaçao, bevor die Mannschaft enttäuschte.
Im Sechzehntelfinale traf Deutschland auf Paraguay, den 41. der Weltrangliste. Nach einem Unentschieden in der regulären Spielzeit verlor Deutschland im Elfmeterschießen mit 3:4. Nagelsmann äußerte sich selbstkritisch: „Es war zu wenig. Unser Spiel war zu langsam, und wir haben nach dem Gegentor die Präsenz vermissen lassen.“
Trotz der Niederlage lehnte er einen Rücktritt ab und erklärte: „Ich bin keiner, der wegläuft. Ich stehe bereit, wenn der DFB das möchte.“ Nach dem Ausscheiden zog er eine ernüchternde Bilanz: „Wir haben seit zwölf Jahren nichts erreicht. Wenn du in der ersten K.o.-Runde ausscheidest, ist das viel zu wenig für den deutschen Fußball.“