Kahns Warnungen zur Offensivkraft des FC Bayern

Kahns Warnungen zur Offensivkraft des FC Bayern

Das spektakuläre 4:5 des FC Bayern im Halbfinal-Hinspiel der Champions League gegen PSG hat auch Kritiker auf den Plan gerufen. Oliver Kahn, der ehemalige Vorstandsvorsitzende des FC Bayern, äußert sich in seiner neuen Rolle als TV-Experte kritisch, obwohl ihn die offensive Spielweise der Münchner beeindruckt.

München – Kahn hat sich zunehmend zu einem „Chef-Mahner“ seines ehemaligen Vereins entwickelt. Vor dem Viertelfinal-Hinspiel gegen Real Madrid warnte er eindringlich vor der Wucht des Bernabéu-Stadions. Er äußerte Skepsis über die Sinnhaftigkeit einer WM-Teilnahme für Jamal Musiala und bezweifelt, dass Thomas Müller in einer leitenden Rolle im Verein zurückkehren kann. Vor dem mit Spannung erwarteten Rückspiel gegen Paris Saint-Germain ist er erneut in seinem Element.

Obwohl der 56-Jährige von der Offensiv-Power des Rekordmeisters unter Vincent Kompany beeindruckt ist, warnt er vor den Risiken dieses Spielstils. Kahn gerät ins Schwärmen über die Angriffsleistungen von Harry Kane, Michael Olise und Luis Díaz: „Es ist fast schon berauschend, wie offensiv sie spielen. Sie haben wahrscheinlich die beste Offensive im Moment, mit diesen drei Spielern vorne. Sie haben immer das Vertrauen, jederzeit ein Tor erzielen zu können“, so der ehemalige Weltklassetorhüter im Gespräch mit Sky.

Die jüngsten Partien bestätigen Kahns Einschätzung: Im April wurde ein 0:2-Rückstand in Freiburg in ein 3:2 umgewandelt, Real Madrid wurde in der Schlussphase mit 4:3 besiegt, und beim Festzurren der Meisterschaft wurde ein 0:1 gegen den VfB Stuttgart innerhalb weniger Minuten in ein 3:1 gewandelt (Endstand 4:2). Besonders spektakulär waren die letzten beiden Spiele: ein 4:3-Comeback in Mainz nach einem 0:3-Halbzeit-Rückstand und der verrückte Schlagabtausch in Paris – die Bayern wirken offensiv jederzeit in der Lage, Spiele zu drehen.

Doch genau diese mentale Stärke birgt laut Kahn auch große Risiken: „Diese Überzeugung darf nicht dazu führen, dass man irgendwann die Balance verliert“, warnt der frühere FCB-Kapitän seine Nachfolger. In den letzten Wochen sei eine Tendenz zu beobachten gewesen, „dass man das Gefühl der totalen Übermacht hatte.“ Daher seine Mahnung an Kompany und Co.: „Die Frage ist, ob man auf diese Weise den ganz großen Titel gewinnen kann. Es geht nicht nur darum, immer ein Tor mehr als der Gegner zu schießen, denn irgendwann wird das nicht mehr gelingen.“

Kahns Rezept für den Erfolg in der Champions League lautet: „Bei einem ganz großen Titelgewinn geht es letztlich um Dominanz – ja. Aber ich möchte mein Spiel in einer gewissen Balance wissen und immer das Gefühl der Kontrolle haben.“

Im Hinblick auf Kahns „Erfolgsrezept“ stellt sich jedoch die Frage, ob es in Duellen zwischen Weltklasseteams wie im Viertelfinale gegen Madrid oder nun gegen Paris überhaupt möglich ist, dieses Gefühl der Kontrolle zu erlangen. Die Stärken des Gegners werden auf beiden Seiten immer wieder Zweifel aufkommen lassen. Zudem ist es fraglich, ob eine Änderung des bislang in 50 Saisonspielen so erfolgreichen Spielstils vor der wichtigsten Partie der Saison sinnvoll ist. Es könnte, auch im Sinne der Fußballfans weltweit, im Rückspiel in der Allianz Arena darauf hinauslaufen, dass sich die stärkere Offensiv-Power durchsetzt. Chaos statt Kontrolle!

Topics

Related news