Karl-Heinz Rummenigge reflektiert über seine Anfänge beim FC Bayern anlässlich seines 70. Geburtstags

Karl-Heinz Rummenigge reflektiert über seine Anfänge beim FC Bayern anlässlich seines 70. Geburtstags

Karl-Heinz Rummenigge zeigt sich anlässlich seines 70. Geburtstags gesprächig. Ein zentrales Thema sind seine Anfänge beim FC Bayern, die aus heutiger Sicht teils unvorstellbar erscheinen.

München – Als Karl-Heinz Rummenigge im Sommer 1974 von Borussia Lippstadt zum FC Bayern wechselte, hatte der Rekordmeister gerade seinen ersten Europapokalsieg der Landesmeister gefeiert, den ersten Bundesliga-Hattrick in der Vorsaison erzielt und auch nach dem Abgang von Paul Breitner zu Real Madrid standen noch sechs frischgebackene Weltmeister auf dem Platz.

In der Vereinszeitschrift „51“ erzählt die heutige Vereinsikone von seinen Erfahrungen als „Jungspund“ beim FC Bayern. Der Europameister von 1980 äußert sich ehrlich: „Anfangs war ich nervös. Du kommst mit 18 zum FC Bayern und spielst plötzlich mit Größen wie Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Sepp Maier und Uli Hoeneß – ich habe nur nach oben geschaut und mich gefragt: Wo bist du hier gelandet? Viele sagten mir, dass ich keine Spielzeit bekommen würde, als ich von Lippstadt nach München kam.“

Doch es kam anders, wie Rummenigge berichtet: „In meinem ersten Jahr habe ich gleich 28 Spiele gemacht. Ein Schlüsselerlebnis hatte ich bei einem Freundschaftsturnier in Huelva, Spanien: Wir wurden Letzter von vier Teams, und die Stimmung in der Kabine war angespannt. Unser Manager Robert Schwan war sehr aufgebracht. Obwohl ich nicht gespielt hatte, zog ich mich zurück und tauchte erst wieder auf, als sich die Lage beruhigt hatte.“

Schwan, der erste hauptamtliche Manager im deutschen Fußball und gleichzeitig Beckenbauers persönlicher Manager, bemerkte dies und rief Rummenigge zur Ordnung: „Wo warst du? Du trägst jetzt alle zwölf Aluminiumkoffer raus!“ Rummenigge erinnert sich, dass die anderen Spieler ihm helfen wollten, „aber Schwan verbot es ihnen. So wurde man damals als junger Spieler erzogen. Es war eine harte Schule, aber lehrreich. So etwas funktioniert heute natürlich nicht mehr, aber es hatte Wirkung.“

Der Jubilar führt seine Erzählung fort: „Ich ging auf mein Zimmer, das ich mir mit Uli teilte, und er sagte zu mir: ‚Nimm dir das nicht zu Herzen – das hat er mit uns allen gemacht. Gib einfach dein Bestes – er sieht etwas in dir, sonst würde er dich nicht so ansprechen.‘ Das gab mir einen Schub!“ Der damals 18-Jährige erkannte: „Schwan war Zuckerbrot und Peitsche – anfangs war es fast nur Peitsche. Ich möchte unseren Talenten heute mitgeben: Du musst dir alles hart erarbeiten. Das ist nicht immer einfach, aber es ist wertvoll.“

Die Bayern, die offensichtlich von ihren großen Erfolgen gesättigt waren, starteten damals katastrophal in die Saison 1974/75. Als die Leistungen bis zur Winterpause nicht besser wurden, wurde der Erfolgscoach Udo Lattek durch Dettmar Cramer ersetzt. Für Rummenigge offenbar ein Glücksfall, denn dieser forderte ihn täglich zum Einzeltraining auf.

„Selbst am Sonntag rief er mich um neun Uhr an: ‚Wir treffen uns um zehn am Platz!‘ Dann kam der dritte Torwart dazu, einige junge Spieler, und es gab Techniktraining. Konditionell konnten wir mit den Älteren mithalten, aber technisch mussten wir aufholen“, erklärt Rummenigge weiter.

„Ich wollte es wissen. Ich hatte 12, 13 Einheiten pro Woche, das glaubt einem heute kein Mensch. Du darfst kein Mäuschen sein – aber du musst vor allem den absoluten Willen haben, dich immer zu verbessern. Das ist das A und O.“ Dies ist eine ausdrückliche Empfehlung des zweifachen Ballon d'Or-Gewinners (1980 und 1981) an den heutigen Nachwuchs des FC Bayern.

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