Leicester City erleidet zweiten Abstieg in Folge

Leicester City erleidet zweiten Abstieg in Folge

Leicester City ist zum zweiten Mal in Folge abgestiegen – diesmal in die dritte Liga. Der Meister von 2016 erlebt einen historischen Tiefpunkt.

Leicester – Der Absturz ist bitter. Zehn Jahre nach einer der größten Sensationen in der Fußballgeschichte ist Leicester City in der englischen League One angekommen, der dritten Liga. Das 2:2 gegen Hull City am Dienstagabend besiegelte den zweiten Abstieg in Folge für die Foxes, zwei Spieltage vor Saisonende. Sieben Punkte fehlen zum rettenden Ufer – eine Lücke, die nicht mehr zu schließen ist. Der traditionsreiche Klub aus den East Midlands ist tief gefallen.

Nach dem Abstieg aus der Premier League im Vorjahr hatte Leicester alles daran gesetzt, den direkten Wiederaufstieg zu schaffen. Der kostspielige Kader blieb weitgehend intakt, darunter erfahrene Nationalspieler wie Asmir Begovic, Ricardo Pereira, Jannik Vestergaard, der ehemalige Frankfurter Ajdin Hrustic und Jordan Ayew – Spieler mit Champions-League-Erfahrung, die nun in der Championship spielen. Doch das vermeintliche Star-Ensemble fand sich schnell im Tabellenkeller wieder.

Zusätzlich belastete eine Entscheidung der englischen Fußballliga aus dem Februar: Leicester hatte innerhalb von drei Spielzeiten rund 230 Millionen Euro Schulden angehäuft und damit gegen die Gewinn- und Nachhaltigkeitsregeln verstoßen. Die Folge war ein Abzug von sechs Punkten – genau jene Punkte, die dem Klub jetzt fehlen.

Trainer Martí Cifuentes wurde nach sieben Monaten entlassen, und der Interimstrainer Andy King, selbst Held der Meisterschaftssaison 2015/16, holte in vier Spielen keinen Punkt. Auch sein Nachfolger Gary Rowett und der Winter-Neuzugang Jamaal Lascelles konnten keine Wende herbeiführen. In drei Monaten gelang lediglich ein Sieg.

Klubvorsitzender Aiyawatt Srivaddhanaprabha, Sohn des 2018 bei einem Hubschrauberabsturz verstorbenen Gründers Vichai, hatte noch Ende Januar betont: „Mit diesem Kader sollten wir nicht absteigen.“ Nun ist genau das eingetreten – eine Aussage, die im Nachhinein wie Hohn klingt.

Leicester feierte 2015/16 eine der größten Sensationen im englischen Fußball, als sie mit einer Quote von 5000:1 die Premier-League-Meisterschaft gewannen – unter Trainer Claudio Ranieri mit Kasper Schmeichel im Tor, Wes Morgan und Robert Huth in der Abwehr, N‘Golo Kanté im Mittelfeld und Jamie Vardy als torgefährlichem Stürmer. Vardy, der letzte Held der Meisterschaft, verließ den Klub im Sommer in Richtung Cremonese in die Serie A. Der Glanz jener magischen Saison ist nun endgültig verblasst.

Die Fans reagierten nach dem Schlusspfiff mit Herzschmerz und Wut. Viele blieben vor dem King Power Stadium, um ihrem Unmut Luft zu machen – Spieler wurden ausgepfiffen, und Klubchef Aiyawatt erhielt ebenfalls Pfiffe, berichtete ESPN. Aus dem Fanblock war zu hören, was viele schon lange denken: Statt Titelträume sei solides Wirtschaften wie bei Brentford oder Brighton das Minimum – und selbst das habe der Verein nicht geliefert, so Sky Sports.

Das King Power Stadium trägt weiterhin den Namen des Mannes, der Leicester erst groß gemacht hat: Vichai Srivaddhanaprabha, der 2018 bei einem Hubschrauberabsturz in der Nähe des Stadions ums Leben kam. Sein Sohn Aiyawatt entschuldigte sich nach dem Abstieg in einer Erklärung bei den Fans: „Es gibt keine Ausreden. Wir haben die höchsten Höhen erlebt und nun die tiefsten Tiefen – der Schmerz gehört uns allen“, zitierte ihn India Today.

Für viele Anhänger ist der Kontrast zwischen dem Vermächtnis des Vaters und dem Missmanagement der letzten Jahre kaum zu ertragen. Vichai führte den Klub mit Leidenschaft und Vision – sein Sohn steht nun vor den Trümmern. Laut Guardian sollen im Sommer 17 Spieler den Verein verlassen.

Leicester City steht vor einem radikalen Neuaufbau – in der dritten Liga. Ob der Kult-Klub den Weg zurück nach oben findet, wie es einst anderen gefallenen Riesen gelang, bleibt die große Frage. Die Geschichte des Sensationsmeisters von 2016 hat ein vorerst trauriges Kapitel erhalten.

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