Lennart Karl sorgt für Diskussionen unter Bayern-Fans
München – Lennart Karl hat bei einem Besuch eines Fan-Clubs für Aufregung gesorgt. Neben dem FC Bayern gilt Real Madrid als sein Traumverein, und er hat den Wunsch geäußert, während seiner Karriere für die Königlichen zu spielen. Diese Äußerung hat innerhalb des FC Bayern-Lagers für gemischte Reaktionen gesorgt: Darf ein 17-Jähriger offen seine Meinung äußern, oder sollte er die Gefühle der Fans respektieren und diplomatischer auftreten?
Karl, der bereits im Alter von zehn Jahren ein Probetraining bei Real Madrid absolvierte, hat sich inzwischen bei den Verantwortlichen des FC Bayern entschuldigt. Trotz seiner Bewunderung für die Spanier trägt der Unterfranke den deutschen Rekordmeister weiterhin im Herzen. Es wäre jedoch ratsam, seinen Berater Michael Ballack nicht nach dessen Erfahrungen beim FC Bayern zu fragen.
Ballack sorgte einst für massive Empörung in München, als er während der Saison 2005/06 um einen neuen Vertrag pokerte. Er hielt die Vereinsverantwortlichen hin, klopfte sich nach einem Tor auf die Brust und zeigte das Bayern-Wappen, bevor er kurz darauf für mehr Geld zu Chelsea wechselte.
Die Entrüstung über Ballack war grenzenlos. Der FC Bayern hat Fans auf der ganzen Welt, doch die größte, historisch gewachsene Anhängerschaft befindet sich in der Kernregion Oberbayern. Dort gibt es den ausgeprägten Wunsch, dass ein Spieler des FC Bayern idealerweise aus der Region stammt, in seiner Kindheit bereits Fan des Vereins war und dem Klub als Profi ewige Treue schwört.
Ein Paradebeispiel dafür ist Thomas Müller, der im Sommer nach 25 Jahren beim Rekordmeister verabschiedet wurde. Die Fans sehnen sich nach einer neuen Identifikationsfigur wie Müller, und Lennart Karl bringt bereits einige müllereske Eigenschaften mit. Sein selbstbewusstes, eloquentes und elektrisierendes Auftreten sowohl auf als auch außerhalb des Platzes hat Eindruck hinterlassen.
Obwohl Karl ein Unterfranke ist, ist er gebürtiger Bayer und spielte eine Zeit lang in der Jugend des FC Bayern. Mit seinen Aussagen zu Real Madrid hat er bei vielen Bayern-Fans Herzschmerz ausgelöst. Der Wunsch nach einem Spieler, der den FC Bayern in- und auswendig lebt, bleibt derzeit unerfüllt.
Das Gefühl der Enttäuschung ist jedoch relativ, denn auch Josip Stanišić und Aleksandar Pavlović sind Jugendspieler des FC Bayern und in München geboren. Karl hätte das Potenzial gehabt, mit seiner Persönlichkeit einen größeren Platz im FC Bayern-Universum einzunehmen. Um die Herzen der Fans zurückzugewinnen, muss er nun durch herausragende Leistungen überzeugen. Die Lücke, die Thomas Müller hinterlassen hat, wird jedoch vorerst nicht zu füllen sein.