Nick Woltemade: Vom Drittligisten zum Premier-League-Star

Nick Woltemade: Vom Drittligisten zum Premier-League-Star

Kaum ein deutscher Fußballer hat in den letzten Jahren einen so bemerkenswerten Aufstieg erlebt wie Nick Woltemade. Ein Blick auf seine außergewöhnliche Karriere.

Newcastle – Manchmal genügt ein einziger Pass und ein entschlossener Antritt, um eine gesamte Karriere auf den Kopf zu stellen. Als Nick Woltemade am 13. September 2025 im Trikot von Newcastle United den Ball 18 Meter vor dem Tor annahm, ahnte das St. James' Park noch nicht, dass die kommenden Wochen Geschichte schreiben würden. Ein kurzer Haken, ein präziser Linksschuss – 1:0 gegen die Wolves. Die Kurve bebte, und der 2,00-Meter-Mann aus Bremen hatte mit seinem Premier-League-Debüt das erste Tor erzielt.

Von der dritten Liga zum Premier-League-Torjäger in nur drei Jahren? Das klingt nach einem Hollywood-Drehbuch, ist aber die Realität von Nick Woltemade. Der 23-Jährige hat eine rasante Karriere hingelegt, die selbst Fußball-Romantiker in Staunen versetzt. Vor drei Jahren spielte er noch für Elversberg in der dritten Liga, heute jagt er Tore im Fußball-Tempel Englands und lässt Bundestrainer Julian Nagelsmann schwärmen: „Die Gesamtsituation fühlt sich für Nick gut an – auch für uns.“

Woltemade begann seine Karriere bei Werder Bremen, wo er am 1. Februar 2020 als jüngster Profi in der Vereinsgeschichte debütierte. Doch anstelle von Toren folgten Durststrecken: Acht torlose Einsätze in der darauffolgenden Saison sind nicht gerade das, wovon Stürmer träumen. Im Sommer 2022 wagte er dann den mutigen Schritt zurück in die dritte Liga zu Elversberg.

Was zunächst wie ein Karriereknick erschien, entpuppte sich als Sprungbrett. Bei Elversberg explodierte Woltemade in der folgenden Saison förmlich: Zehn Tore in 32 Spielen und die Auszeichnung als „Spieler der Saison“ in der dritten Liga. Nach seiner Rückkehr zu Werder im Sommer 2023 übernahm er eine neue Rolle als hängende Spitze. Trainer Ole Werner lobte ihn damals: Seine Fitness und Zweikampfstärke seien „besser als bei allen anderen, die wir hatten.“

Im Sommer 2024 wechselte der Stürmer ablösefrei zum VfB Stuttgart – ein Transfer-Coup der Extraklasse. In Stuttgart legte Woltemade im vergangenen Jahr den Turbo ein: 17 Tore in 33 Pflichtspielen und der DFB-Pokalsieg. „Stuttgart ist mein Herzensverein“, gestand er. Doch dann kam der Dämpfer: Kein Platz im Champions-League-Kader aufgrund von UEFA-Regularien. „Kastanaras statt Woltemade ist verrückt“, murrten die Fans, während Woltemade selbst es „nicht toll“ fand.

Während Bayern München noch über eine Verpflichtung diskutierte – Hoeneß wollte ihn leihen, Eberl und Freund planten einen Kauf – griff Newcastle im Transfersommer beherzt zu. 75 Millionen Euro machten Woltemade im Sommer 2025 zum Rekordtransfer für beide Vereine. „Ich spiele jetzt in der besten Liga der Welt“, verkündete er selbstbewusst bei seiner Vorstellung.

In England schlug Woltemade seit September dieses Jahres ein wie eine Bombe. In nur zweieinhalb Monaten erzielte er vier Tore in neun Premier-League-Spielen und sicherte sich vom ersten Tag an einen Stammplatz. Er traf in seinen ersten drei Heimspielen – eine Leistung, die zuvor nur Ferdinand und Shearer in Newcastle-Trikots gelungen war. Klublegende Shearer war so beeindruckt, dass er Woltemade per SMS gratulierte.

Auch im DFB-Team sorgt Woltemade seit seinem Durchbruch beim VfB für frischen Wind. Sein erstes Länderspieltor sorgte zwar für Diskussionen wegen eines möglichen Handspiels, doch Nagelsmann setzt voll auf den Premier-League-Export. Rudi Völler steht ihm als Mentor zur Seite, wenn eine Torflaute droht.

Mit 23 Jahren hat Woltemade bereits mehr erlebt als mancher Routinier in seiner gesamten Karriere. Vom Werder-Talent über den Umweg in die dritte Liga zum gefeierten Premier-League-Star – eine Geschichte, die zeigt, dass im Fußball manchmal Umwege zum Ziel führen. „Für mich macht es keinen Unterschied, ob ich ablösefrei gehe oder für 75 Millionen Euro wechsle“, sagt er bescheiden. Sein Ziel bleibt unmissverständlich: „Ich möchte das Höchstmögliche erreichen.“

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