Saisonstart des BVB: Gewinner und Verlierer
Der BVB kann mit dem Saisonstart zufrieden sein. Trainer Niko Kovač hat Stabilität ins Team gebracht, dennoch gibt es nicht nur Gewinner in Dortmund.
Dortmund – Mit 14 Punkten aus sechs Bundesliga-Spielen und vier Zählern aus zwei Partien in der Champions League ist der Saisonstart von Borussia Dortmund gelungen. Niko Kovač hatte vor dem Liga-Auftakt betont, sich für sein erstes Zwischenfazit sechs Spiele Zeit nehmen zu wollen. Diese Marke ist nun erreicht.
Ob der BVB ein ernsthafter Herausforderer für Bayern München ist, wird sich zeigen – das direkte Duell nach der Länderspielpause wird zum entscheidenden Härtetest in München. In Anlehnung an Kovač kürte das Fußball-Portal Absolut Fussball, Teil von Home of Sports, nach sechs Spieltagen die Gewinner des BVB. Nun stehen die Verlierer des Saisonstarts im Fokus.
Verlierer 1: Pascal Groß verliert Stammplatz und Rolle beim DFB
Die vielleicht überraschendste Entwicklung der letzten Wochen beim BVB betrifft Pascal Groß. Der 34-jährige Routinier war in der Vorsaison, insbesondere nach dem Trainerwechsel zu Kovač, ein entscheidender Leistungsträger und galt als verlängerter Arm des Trainers. Inzwischen haben ihm im Mittelfeld jedoch andere Spieler den Rang abgelaufen.
Das Duo aus Felix Nmecha und Marcel Sabitzer harmoniert gut, während Kovač den Königstransfer Jobe Bellingham aufbauen möchte. Für Groß bedeutet das immer häufiger die Rolle des Reservisten: Seit dem Saisonauftakt bei St. Pauli stand er in allen Wettbewerben nur einmal in der Startelf, wurde viermal für kurze Einsätze eingewechselt und in zwei Spielen nicht berücksichtigt.
Vor diesem Hintergrund erhielt Groß erstmals seit seinem Debüt im September 2023 keine Einladung zum DFB-Team. „Ihm fehlt gar nichts, aber im Moment ist das Leistungsniveau ziemlich hoch“, erklärte Kovač kürzlich seine Entscheidung gegen den Routinier. Großs Vertrag enthält eine Einsatzzeit-Klausel für eine automatische Verlängerung, die er wohl verfehlen wird.
Verlierer 2: Immer wieder Unruhe um Jobe Bellingham
Die Verpflichtung von Jobe Bellingham wurde im Sommer beim BVB gefeiert. Das England-Talent hatte zahlreiche andere Angebote abgelehnt, um in die Fußstapfen seines Bruders Jude zu treten. Es besteht nach wie vor die Möglichkeit, dass sich der inzwischen 20-Jährige zu einem Volltreffer entwickelt.
Sein Start in Dortmund verlief jedoch nicht wie erhofft. Bellingham ist derzeit Rotationsspieler und muss, wie Groß, Nmecha und Sabitzer im Zentrum den Vortritt lassen. Bei seinen Einsätzen wirkt der U21-Nationalspieler noch etwas fremd. Auf der Verlierer-Liste landet er jedoch aus anderen Gründen: Die Unruhe um seine Person kann Bellingham am wenigsten beeinflussen.
Die Einmischungen seiner Familie, insbesondere seines besorgten Vaters Mark Bellingham, sorgen für Aufregung, selbst ein Blitz-Abgang im Winter wird diskutiert. Dazu wird es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht kommen. Dennoch bietet das aktuelle Umfeld nicht die idealen Bedingungen für seine Entwicklung.
Verlierer 3: Filippo Mane hat seine Chance vertan
Zu Beginn der Saison hatte Filippo Mane die große Gelegenheit, sich als Gewinner zu etablieren. Die Abwehrnot beim BVB war groß, sodass das italienische Talent seine ersten Einsätze erhielt. Was im DFB-Pokal gegen RW Essen vielversprechend begann, endete beim Spiel gegen St. Pauli in einem Desaster, als Mane eine Rote Karte erhielt.
St. Pauli verwandelte den dazugehörigen Strafstoß und schaffte später den Ausgleich. Obwohl er nicht die alleinige Schuld trägt, wurde Mane's Naivität als ein Hauptgrund für die verlorenen Punkte ausgemacht. Nach seiner Rotsperre kam der 20-Jährige nur noch einmal für kurze Zeit zum Einsatz.
Dortmund verstärkte sich inzwischen mit Aaron Anselmino, und auch Nico Schlotterbeck und Niklas Süle sind wieder fit. Wo vor einigen Wochen noch über Mane's möglichen Durchbruch diskutiert wurde, spielt er nun wieder für die zweite Mannschaft des BVB in der Regionalliga.
Die Liste der Verlierer beim BVB könnte auch um Emre Can (der seit Monaten wegen undurchsichtiger Verletzungsprobleme fehlt) oder Salih Özcan (der nicht für die Champions League nominiert wurde) erweitert werden. Die Umstände sind vielfältig, vieles lässt sich jedoch auf einen gemeinsamen Nenner zurückführen: „Wir haben einen guten, breiten Kader. Die Konkurrenz innerhalb der Mannschaft ist sehr hoch“, sagte Kovač zuletzt.
„Die Mannschaft stellt sich nicht von selbst auf, sondern aufgrund der Performance im Spiel. Ich muss harte Entscheidungen treffen“, so Kovač weiter. Seine konsequente Linie hat das Team stabilisiert. Wo es Gewinner gibt, müssen jedoch auch Verlierer akzeptiert werden. Der Erfolg gibt Kovač recht – auch wenn einige Spieler besser mit dieser Situation umgehen können als andere.