Stanišić über die Herausforderung des Platzverweises
Nach dem dramatischen Platzverweis beim Festival spricht Josip Stanišić über eine völlig neue Erfahrung und würdigt einen Kollegen.
Leverkusen – Das Topspiel in der BayArena bot alles, was sich Fußballfans von einem hochklassigen Duell erhoffen: Tore, zahlreiche VAR-Entscheidungen und eine hitzige Atmosphäre prägten die Partie zwischen Bayer Leverkusen und dem FC Bayern München bis zur letzten Sekunde. Besonders die Defensive der Münchner wurde vor eine physische und mentale Zerreißprobe gestellt, als das Team nach den Platzverweisen gegen Nicolas Jackson und Luis Díaz plötzlich nur noch mit neun Spielern auf dem Feld stand.
In der Mixed Zone gewährt Josip Stanišić tiefe Einblicke in das Gefühlsleben der Mannschaft und gesteht, dass dieser Belastungstest selbst für den Rekordmeister eine absolute Neuheit darstellte. Der kroatische Nationalspieler erklärte offen, dass die taktische Ausrichtung bei einer einfachen Unterzahl zum Standardrepertoire gehört, die Situation kurz vor dem Abpfiff jedoch alles überstieg.
Laut Stanišić wisse man bei zehn Mann genau, was zu tun sei, auch wenn das gewohnte Mann-gegen-Mann-Spiel dann nicht mehr funktioniere. Doch als Díaz nach einer Schwalbe ebenfalls den Platz verlassen musste, begann für die Bayern-Abwehr eine neue Ära. „Mit zwei Männern weniger, das haben wir noch nie trainiert und ich hoffe, das wird uns nie wieder passieren“, betonte der Verteidiger.
In der Schlussphase gab es für die verbliebenen neun Münchner keine taktischen Kompromisse mehr. Die Marschroute von Trainer Vincent Kompany war einfach, aber effektiv: „Da gibt es nichts mehr mit Risiko oder dem Versuch, nach vorn zu spielen“, erklärte Stanišić den Belagerungszustand im eigenen Sechzehner. Es ging nur noch darum, das Ergebnis mit aller Macht über die Zeit zu retten und die Leverkusener Angriffe im Keim zu ersticken.
Ein besonderes Lob hatte der Abwehrspieler für Sven Ulreich, der im Tor der Bayern erneut eine tragende Rolle spielte: „Jeder, der seine Geschichte kennt, weiß: Er ist nicht nur ein überragender Fußballer, der trotz seiner Rolle als ewige Nummer zwei immer da war. Er ist vor allem menschlich ein außergewöhnlicher Typ, dem ich von Herzen nur das Beste für seine Zukunft wünsche.“ Für Stanišić, Ulreich und ihre Kollegen bleibt am Ende das Wissen, dass sie selbst in einer bisher ungekannten Unterzahl-Situation bestehen können.